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14.09.2011

06:41 Uhr

Griechenland-Krise

FDP rebelliert gegen Merkels Schweigegebot

Die Mahnung der Kanzlerin, in der Debatte über Griechenlands Bankrott vorsichtig zu argumentieren, verpufft. FDP-Generalsekretär Christian Lindner widerspricht öffentlich - und gibt den Spekulationen frische Nahrung.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner dapd

FDP-Generalsekretär Christian Lindner

Hamburg Die FDP zeigt sich von der Mahnung der Bundeskanzlerin unbeeindruckt, nicht über eine mögliche Insolvenz Griechenlands zu spekulieren. So geht der Streit in der Koalition über die Griechenland-Hilfen weiter.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte der „Financial Times Deutschland“, die Menschen in Deutschland, die Finanzmärkte und die Griechen bräuchten langfristig Klarheit. „Das geht nicht dadurch, dass man ein Schweigegelübde ablegt“, sagte der Liberale.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die FDP-Spitze aufgefordert, nicht mehr öffentlich an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands zu zweifeln.

Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, zeigte sich besorgt über mögliche Folgen der von Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) angestoßenen Debatte über einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands. „Wir sollten uns auf das besinnen, was umsetzbar ist und zur Lösung der Krise beiträgt. Alles andere verstärkt nur die Unsicherheit“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Man könne es nicht oft genug wiederholen, dass die Lösung der Krise bei unseren griechischen Nachbarn liege, fügte Flosbach hinzu. Sie müssten ihre Hausaufgaben erledigen. „Dann wird es auch nicht zu den Ansteckungseffekten kommen, die mit anderen Lösungsvorschlägen verbunden sind.“

Die Liberalen wollten nicht die Insolvenz Griechenlands herbeireden, sagte Lindner zu entsprechenden Vorwürfen aus der CDU. Er wertete die Vorwürfe als „Versuch, eine überfällige Debatte über einen nicht wünschenswerten, aber möglichen Zahlungsausfall Griechenlands zu unterbinden“. „Ein Kurieren an den Symptomen bringt keine Ruhe in die Märkte“, sagte Lindner. FDP-Chef Philipp Rösler habe nur „Selbstverständlichkeiten“ ausgesprochen.

Rösler hatte am Wochenende eine geordnete Insolvenz Griechenlands ins Spiel gebracht, obwohl es dafür noch gar kein Verfahren gibt. Daraufhin stürzten am Montag die Börsenkurse ab.

Kommentare (34)

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Nachgedacht

14.09.2011, 07:20 Uhr

Die "Kinder", die noch nie gearbeitet haben, melden sich mal wieder zu Wort und wollen uns die wirtschaftlichen Zusammenhänge erklären. Das z. B. höhere Zinsen gut sind für die Haushaltsdisziplin der Griechen. Zinsen spiegeln immer eine Risikobewertung wieder, dass ist genauso wie bei der FDP. Die Wahlvorhersagen spiegeln ihnen ihre Steuersenkungsversprechen wieder. So können die Griechen und die FDP Kinder voneinander lernen, wie es halt mit nicht gemachten Hausaufgaben aussieht.

Account gelöscht!

14.09.2011, 07:36 Uhr

So so, dann sind mit um die 30% die Volksparteien ein wesentlich höheres Risiko als GR und die FDP sozusagen mit 2-3% eine Gnade Gottes.

rolbeck

14.09.2011, 07:36 Uhr

Es ist sehr gut, dass über ein Problem, das die Zukunft unseres Landes berührt, endlich offen diskutiert wird. Wie lange wollen die etablierten Parteien noch an der breiten Mehrheit unseres Volkes vorbei regieren? Endlich haben Politiker den Mut, sich nicht mundtot machen zu lassen. Die Menschen, die schon einmal eine Hyperinflation erlebten, wollen eine Politik a la Merkel nicht mehr.

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