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19.07.2011

06:24 Uhr

Griechenland & Co

Ökonom lobt Fachkräfte-Abwerbung aus Pleiteländern

VonDietmar Neuerer

ExklusivDass der Fachkräfteengpass in Deutschland vor allem mit der Zuwanderung aus Krisenländern aufgefangen werden soll, sorgt für Unmut. Experten halten den Schritt dagegen für vernünftig.

In Griechenland haben Hunderte junger Ärzte keinen Job. Quelle: dpa

In Griechenland haben Hunderte junger Ärzte keinen Job.

DüsseldorfDer Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, hat die Initiative der Bundesagentur für Arbeit (BA) zur Abwerbung ausländischer Fachkräfte aus Krisenländern begrüßt. „Es ist ja gerade der Sinn des einheitlichen europäischen Wirtschaftsraumes, dass wir zum wirtschaftlichen Vorteil aller die wirtschaftlichen Ressourcen gemeinsam nutzen“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online. „Die nötige Flexibilität des Euroraumes, der durch die gemeinsame Währung eingeschränkt wurde, sollte durch eine höhere Flexibilität der Arbeitskräfte ausgeglichen werden. Es handelt sich also nur um eine vernünftige Umsetzung der Konstruktionsprinzipien des gemeinsamen Wirtschaftsraumes.“

Wie Zimmermann sagte, geht es insbesondere um Fachkräfte wie Ingenieure, Informatiker, Mediziner und weitere Mitarbeiter in Gesundheitsberufen, die in ihren Ländern derzeit keine Berufsperspektiven sähen, aber in Deutschland sehr gesucht seien. „Diesen jungen Eliten helfen wir nicht, wenn sie zuhause arbeitslos bleiben“, betonte der Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn unter Hinweis auf Zahlen des Europäischen Statistikamts Eurostat. Demnach sind mehr als 40 Prozent der jungen Spanier erwerbslos, was der schlechteste Wert in Europa sei. In Portugal seien rund 14.000 arbeitslose Ingenieure gemeldet. In Griechenland hätten Hunderte junger Ärzte keinen Job.

Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland setzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf qualifizierte Zuwanderer aus den europäischen Krisenländern. „Es gibt ein großes Potenzial in Spanien“, sagte die Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, Monika Varnhagen, der Zeitung „Die Welt“. Tausende von Ingenieuren seien dort arbeitslos, auch IT-Spezialisten.

Nach ihren Angaben sind allein 17.000 Spanier grundsätzlich an einer Arbeit in Deutschland interessiert. In Portugal gebe es ein großes Interesse von Pflegekräften, nach Deutschland zu kommen. Auch für griechische Mediziner sei Deutschland interessant. Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter gebe es aber auch in Bulgarien und Kroatien.

Kommentare (10)

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Systemfeind

19.07.2011, 06:44 Uhr

diese "Spezialisten" hatten wir schon zu genuege in unserem Unternehmen fuer Monate durchgezogen: keine deutschen Sprachkenntnisse, nur mittelmaessige Englischkenntnisse und ganz schwaches Fachwissen.
Die meisten sitzen jetzt mit dem gesamten Familienklan auf Hartz4.
Mengenweise Migranten aus dem Ausland nach Deutschland bringen ist auch eine Form von Finanzhilfe an das Ausland.
Deutschland MUSS zahlen, ob wir wollen oder nicht!!!

Account gelöscht!

19.07.2011, 07:24 Uhr

Eine aktive Abwerbung hat einen häßlichen Beigeschmack. Zwischen Privatfirmen ist Abwerbung zu recht verpönt. Das gilt für Staaten ebenso.

Gerade die Länder mit wirtschaftlichen Problemen, die meist auch struktureller Art sind, würden Abwerbungen besonders hart treffen. Europäisch ist das jedenfalls nicht gedacht.

joachim

19.07.2011, 07:42 Uhr

Warum gehen unsere super ausgebildeten Ärzte zum Beispiel nach England, wo bei uns doch angeblich Ärztemangel herscht?! Könnte es sein, dass dies etwas mit der Bezahlung zu tun hat?!
Im übrigen sollten alle Firmen die hier jammern gefragt werden, wo denn ihre Nachwuchs-Ausbildung in den letzten Jahren geblieben ist, möglicherweise gäbe es dann heute das Problem garnicht.

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