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13.08.2015

13:29 Uhr

Gröhe am Film-Set

Gesundheitsminister zu Besuch bei Ärzteserie

Gesundheitsminister Gröhe konzentriert sich bei seiner Sommerreise auf sein Fachgebiet: Unfallkrankenhäuser, Fachkliniken, wissenschaftliche Einrichtungen. Die Visite am Set einer Ärzteserie bringt etwas Abwechslung.

Bei seiner Sommerreise besucht Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe Krankenhäuser in ganz Deutschland – und das Set einer Ärzteserie. dpa

Gesundheitsminister

Bei seiner Sommerreise besucht Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe Krankenhäuser in ganz Deutschland – und das Set einer Ärzteserie.

ErfurtZur Einstimmung läuft im Bus eine Folge der Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Am Abend trifft Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dann den Produzenten der Reihe, Sven Sund, am Set in den MDR-Studios in Erfurt. Gröhe kommt auf seiner Sommerreise am Mittwoch direkt aus dem echten Unfallkrankenhaus in Berlin-Marzahn in die fiktive Fernseh-Klinik.

Ärzte gehörten im Fernsehen zu den beliebtesten Berufsgruppen, noch vor den Köchen, sagt er. Wie aber reagiert das Publikum, wenn die Ärzte im Fernsehen doch nicht erfolgreich sind und ihnen der Patient unter den Händen wegstirbt, oder eine „schräge Diagnose“ gestellt wird? Kommen dann kritische Zuschauer-Briefe oder gar wütende Anrufe?

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Vor allem in ländlichen Regionen fehlt es an angehenden Ärzten. Kliniken vor Ort versuchen, junge Mediziner an sich zu binden – und gründen eigene Hochschulen. Kritiker bemängeln jedoch die unterschiedlichen Ansprüche.

Grundsätzlich geschehe dies eher selten, versichert der Produzent. Man gehe sehr respektvoll mit den Krankheitsbildern um. „Sie sind gut recherchiert“, sagt Sund. Das alles geschieht mit medizinischer Fachberatung des Arztes Henrich Sundermann.

Was macht eine gute Arztserie aus? Im Mittelpunkt stehe das Arzt-Patienten-Verhältnis. „Hier wird mir geholfen. Hier werde ich gerettet“, erläutert Co-Produzentin Gabriela Brenner. Dann gehe es auch um die privaten Sorgen von Arzt oder Patient. Dazu nehme man eine Prise Humor, Einfühlungsvermögen und eine gutes Ärzte-Team.

In der Serie stehen die Chirurgen eher im Mittelpunkt als etwa der Narkosearzt. Im Zweifel ist die Arbeit des Operateurs auch spannender und gibt lebendigere Bilder her. Beim Chirurgen passiert für den Zuschauer mehr. „Er schlitzt das Heiligste auf, den Körper“, sagt Sundermann. Und Brenner erzählt, Themen und Fälle finde man im richtigen Leben – in Zeitungen, aus Erzählungen von Bekannten und Anregungen von Fachleuten.

Dem 30-jährigen Schauspieler Philipp Danne gefällt die Rolle des Assistenzarztes Ben Ahlbeck. „Die Geschichten stimmen“, sagt er. Man habe auch viel Spaß, in diesem Team zu arbeiten. Und: „Arzt spielen hat etwas sehr Spannendes.“ Was denn mit schweren medizinischen Fachausdrücken sei, so eine Zwischenfrage. „Man sagt es immer wieder, immer wieder.“

Die Pflegepläne der Regierung

Reform in zwei Schritten

Die Bundesregierung will die Pflege in Deutschland in zwei Schritten reformieren. Hier die wesentlichen Kernpunkte kurz zusammengefasst:

Anpassung an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45.000 sein.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr sowie für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die Babyboomerjahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit dem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

Aisbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird. Schulgeld soll entfallen.

Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicheren Demenzkranken eingestellt werden. Die heutigen drei Pflegestufen soll durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

Und was ist mit politischen Themen von öffentlicher Relevanz wie falschen Brustimplantaten, Organspende-Skandal, Krankenhauskeimen, fragt der Gesundheitsminister. Alle die genannten Beispiele seien in Folgen eingeflossen, antwortet Sund. Allerdings werde kein tagesaktuelles Thema verarbeitet, das nach wenigen Tagen aus der Diskussion verschwinde.

Wie weit beeinflusst Fernsehen die Sichtweise der Gesellschaft auf das Thema Gesundheit, hakt Gröhe nach. Das Fernsehen habe keinen rein informatorischen Auftrag, sondern einen Unterhaltungsauftrag, entgegnet Sund.

Das scheint Gröhe zu wenig. Der Minister fragt nochmals nach: Wie gehe das Team mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Organspende und Hirntod oder mit Masern und Impfschutz um? Man plane die 42 Folgen pro Jahr ja langfristig und bespiele solche Themen durchaus – „aber nicht im politischen Sinne“, erläutert Sund. Das Fernsehen wolle dem Zuschauer keine Bewertung solcher Themen mit auf den Weg geben.

Von

dpa

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