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13.03.2013

14:30 Uhr

Grönlands neue Regierungschefin

Vom Hundeschlitten an den Kabinettstisch

Grönland drängt auf die Unabhängigkeit, und die erste Frau an der Regierungsspitze soll es richten. Die Sozialdemokratin Aleqa Hammond will dafür die gigantischen Bodenschätze nutzen. Der Klimawandel macht's möglich.

Aleqa Hammond: „Internationale Bürgerin“ als Regierungschefin. dpa

Aleqa Hammond: „Internationale Bürgerin“ als Regierungschefin.

Kopenhagen/NuukGrönlands künftige Regierungschefin hat die Männer schon bei Hundeschlitten-Rennen hinter sich gelassen. Nach ihrem überraschenden Wahlsieg kann Alequa Hammond als erste Frau auf der riesigen Polarinsel künftig am Kabinettstisch das Tempo vorgeben. „Wir Sozialdemokraten haben die Macht zurück“, rief Hammond in Nuuk aus, als ihr souveräner Überraschung-Sieg gegen den bisherigen Regierungschef Kuupik Kleist in der Nacht zum Mittwoch klar war.

Wie der Linkssozialist Kleist will die 47-Jährige ihre gerade mal 57.000 Landsleute aus der „Reichsgemeinschaft“ mit der Ex-Kolonialmacht Dänemark in die Unabhängigkeit führen. Sprungbrett sollen erhoffte Milliarden-Einnahmen aus gigantischen Bodenschätzen von Erz über „Seltene Erden“ bis hin zu Uran sein. Der Klimawandel mit immer schneller schmelzendem Eis macht es möglich.

Beim Anwerben von Investoren aus China und von anderswo will die Tochter einer armen Fischerfamilie aus Uummannaq fordernder sein als ihr besiegter Kontrahent. „Kleist und seine Regierung haben wenig transparente Deals zu schlechten Bedingungen für uns ausgehandelt“, meinte Hammond in der TV-Wahlkampfdebatte. Sie werde höhere Abgaben verlangen und die Zulassung chinesischer Billigarbeitskräfte unter dem grönländischen Mindestlohn rückgängig machen, sagte sie nach dem Wahlsieg im dänischen Rundfunksender DR.

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Damit hat Hammond die Latte für ihre künftige Regierung hoch gelegt. Noch gibt es keine einzige feste Zusage für die erhoffte Rohstoffausbeutung. Noch hängt Grönland am Tropf von Staatszuschüssen aus Dänemark. Die umgerechnet gut 400 Millionen Euro pro Jahr decken die Hälfte des Haushalts in Nuuk. Der unter schrumpfenden Einnahmen leidenden Fischerei - bisher Grönlands mit Abstand wichtigste Einnahmequelle – hat Hammond schnelle Hilfe versprochen.

Ihr Vater starb, als sie sieben Jahre alt war. Aleqa musste Wasser und Kohle schleppen, weil die Mutter mit ihren Kindern um keinen Preis von Sozialhilfe abhängig werden wollte. Später dann konnte die Tochter in Kanada studieren und hat 50 Länder bereist. „Ich komme aus der Fischerei und gehöre inzwischen zu den neuen internationalen Bürgern, die Grönland jetzt braucht“, ordnet sich die künftige Ministerpräsidentin selbst ein.

Von

dpa

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