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19.01.2014

22:48 Uhr

Große Koalition

Die SPD und die neue Zeit

Das Willy-Brandt-Haus liegt im Schatten, die Minister setzen erste Duftmarken. Die SPD ist plötzlich wieder Regierungspartei - parallel beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sie 2017 wieder das Kanzleramt erobern kann.

SPD-Chef Sigmar Gabrielstellt vor der Statue von Willy Brandt am 15.12.2013 in Berlin die neuen SPD-Kabinettsmitglieder Heiko Maas (l-r, Justiz/Verbraucher), Andrea Nahles (Arbeit) und Manuela Schwesig (Familie) vor. dpa

SPD-Chef Sigmar Gabrielstellt vor der Statue von Willy Brandt am 15.12.2013 in Berlin die neuen SPD-Kabinettsmitglieder Heiko Maas (l-r, Justiz/Verbraucher), Andrea Nahles (Arbeit) und Manuela Schwesig (Familie) vor.

BerlinEinsam steht er da, der Willy Brandt. Noch vor wenigen Wochen wurde die über drei Meter hohe Bronzeskulptur des Künstlers Rainer Fetting von der Kanzlerin persönlich in Augenschein genommen. Unter Brandts Augen fanden teils dramatische Koalitionsverhandlungen mit der Union statt. Nun schlendern ein paar Bürger durch das Atrium und schauen sich eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des ersten SPD-Nachkriegskanzlers und Friedensnobelpreisträgers an.

Fast macht die SPD-Zentrale mit ihren 200 Mitarbeitern einen verwaisten Eindruck. Parteichef Sigmar Gabriel ist nun Hausherr im neuen Wirtschafts- und Energieministerium. Generalsekretärin Andrea Nahles hat ihren Traumjob als Arbeits- und Sozialministerin. Und Schatzmeisterin Barbara Hendricks ist nun nach Angela Merkel die zweite deutsche Umweltministerium. Plötzlich ist die SPD Teil der Regierung. Nach dem pannenreichen Wahlkampf immer noch erstaunlich.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Die SPD hatte Ende Oktober 473.048 Mitglieder. Der Höchststand wurde mit 1,261 Millionen 1923 in der Weimarer Republik erreicht. Das Durchschnittsalter liegt heute bei rund 59 Jahren.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 1990er Jahren bis zu 10.000.

Teures Jahr

Schatzmeisterin Barbara Hendricks muss 2013 viel Geld locker machen: 23 Millionen Euro soll der Bundestagswahlkampf gekostet haben, über zwei Millionen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie. Und eine Million wird der Mitgliederentscheid über den Eintritt in die große Koalition kosten.

99,7 Prozent

Das beste Ergebnis bei Wahlen zum SPD-Chef nach 1945. Kurt Schumacher schaffte das 1947 und 1948. Das schlechteste Ergebnis bisher waren die 62,6 Prozent von Oskar Lafontaine bei der Kampfabstimmung 1995 in Mannheim gegen Rudolf Scharping.

Im dritten Stock sind hinter breiter Fensterfront viele unbesetzte Arbeitsplätze zu sehen – hier soll bald Matthias Machnig mit seiner „Kampa“ zur Organisation des Europawahlkampfes einziehen. Nach der Affäre um Doppelbezüge und dem Rücktritt als Wirtschaftsminister in Thüringen ist es für ihn eine Chance zum Neustart, vielleicht wird er von Vizekanzler Sigmar Gabriel im Sommer mit einem lukrativen Staatssekretärsposten im Wirtschaftsministerium belohnt. Die Europawahl wird zum Gradmesser, ob die SPD aus ihrem Tal kommen kann.

Ortswechsel, Fraktionsebene im Reichstag. Frank-Walter Steinmeier ist einer der letzten. Die meisten der 193 Abgeordneten sind schon raus aus dem Otto-Wels-Saal. Zwei Personenschützer warten am Aufzug. Steinmeier gibt den entspannten Entschleuniger, plauscht noch mit Parteifreunden. Und freut sich, nach Reisen nach Athen, Paris und Israel mal wieder daheim zu übernachten. Seine Frau hat Geburtstag.

Der alte neue Außenminister hat es nicht so schwer wie andere aus der SPD-Riege, sich in der Regierungsrealität zurechtzufinden. Nur die Probleme haben sich verändert. Deutschlands Image als ökonomische Hegemonialmacht in Südeuropa gilt es zu revidieren, der Israel/Palästina-Konflikt erscheint klein im Vergleich zu zerfallenden Staaten wie Syrien und dem Irak.

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