Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.12.2013

00:55 Uhr

Große Koalition

SPD zaubert erste Namen aus dem Hut

Die Große Koalition ist noch nicht beschlossen, da nimmt das neue Kabinett schon Gestalt an. Laut Berichten soll Gabriel Wirtschafts- und Steinmeier Außenminister werden. Beim Umweltministerium gibt es eine Überraschung.

Wer wird noch aus dem Hut gezaubert? 15 Minister sollen dem neuen Kabinett angehören.

Wer wird noch aus dem Hut gezaubert? 15 Minister sollen dem neuen Kabinett angehören.

BerlinDer bisherige SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier soll nach Informationen der „Bild“-Zeitung in einer neuen Großen Koalition wieder Außenminister werden. Der saarländische Vize-Ministerpräsident Heiko Maas (SPD) soll demnach neuer Bundesjustizminister werden, der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann neuer Fraktionschef. Partei- und Fraktionskreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa diese geplanten Personalien am Freitag in Berlin. Damit erscheint klar, dass das Innenressort bei der Union bleiben dürfte. Bisher ist Hans-Peter Friedrich (CSU) Innenminister.

SPD-Chef Sigmar Gabriel soll nach Informationen von „Spiegel Online“ ein neu zugeschnittenes Wirtschafts- und Energieministerium übernehmen. Generalsekretärin Andrea Nahles ist demnach als Arbeits- und Sozialministerin vorgesehen. Die bisherige Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, soll nach diesen Informationen das Familienressort übernehmen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Unions- und SPD-Kreisen erhält die SPD in einer Großen Koalition auch das Umweltministerium, das bislang Peter Altmaier (CDU) geführt hat. Seine Nachfolgerin im Amt soll die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks werden. Altmaier wiederum ist nach Informationen von „Spiegel Online“ als Innenminister oder als Kanzleramtschef im Gespräch.

Gabriel will mit einer besseren Gestaltung der Energiewende das Wirtschaftsprofil der SPD schärfen – ihm zupass kommen dürfte, dass auch das Umweltressort rot wird. Union und FDP hatten sich hier oft gerieben, zwei „gleichfarbige“ Ministerien versprechen ein Handeln aus einem Guss. Für den Mann aus Goslar wäre die Vizekanzlerschaft die Krönung einer von Auf und Abs geprägten Karriere. Doch die Bändigung der Strompreise und Energiewendeprobleme ist kein leichter Job.

Die SPD-Minister in der Großen Koalition

Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel (54): Wirtschafts- und Energieminister

2009 wurde er jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Von 2005 bis 2009 erwarb er sich als Bundesumweltminister Ansehen und Expertise im Bereich erneuerbare Energien. Ein politisches Naturtalent und begabter Redner, der aber auch als launisch gilt. Kommt aus sogenannten schwierigen Verhältnissen, das hat ihn tief geprägt. Der Vater war überzeugter Nazi, Gabriel musste gegen seinen Willen nach der Trennung der Eltern zeitweise beim Vater leben. Lebt mit seiner zweiten Frau, einen Zahnärztin, und seiner kleinen Tochter in Goslar.

Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier (57): Außenminister

Kanzleramtschef zu rot-grünen Zeiten, strickte für Gerhard Schröder an der „Agenda 2010“ mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister (2005 bis 2009). Er ist stets exzellent vorbereitet, bürgernah, humorvoll. Seitdem der Westfale und Schalke-04-Fan in Brandenburg seinen Wahlkreis hat, ist die Region seine zweite Heimat geworden. Bei der Bundestagswahl gewann er das einzige Direktmandat der SPD im Osten. Steinmeier ist verheiratet mit einer Verwaltungsrichterin, der er eine Niere spendete, beide haben eine Tochter.

Heiko Maas

Heiko Maas (47): Justizminister

Der ehemalige Zögling des früheren SPD-Chefs Oskar Lafontaine ist die größte Überraschung bei der Neuverteilung der Posten auf SPD-Seite. Bislang war der Marathonläufer und Triathlet in der Landespolitik aktiv - seit anderthalb Jahren auch mit Erfahrung in einer großen Koalition. Seit Mai 2012 ist er Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister. Zuvor war er an der Saar schon einmal Umweltminister - damals als jüngster Minister Deutschlands überhaupt. Für sein neues Amt kann Maaß ein abgeschlossenes Jurastudium vorweisen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Barbara Hendricks

Barbara Hendricks (61): Umweltministerin

Wacht seit 2007 über die Finanzen der Sozialdemokraten, oft unterschätzt. Sie sitzt seit 1994 im Bundestag und war Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium von 1998 bis 2007. Mit 20 Jahren in die SPD eingetreten, studierte Hendricks Geschichte und Sozialwissenschaften, mit Staatsexamen für das Lehramt. Sie liebt ihre Heimat, den Niederrhein, promovierte über „Die Entwicklung der Margarine-Industrie am unteren Niederrhein“. Hendricks würde die NRW-SPD im Kabinett vertreten.

Andrea Nahles

Andrea Nahles (43): Arbeits- und Sozialministerin

Die Literaturwissenschaftlerin ist seit 2009 Generalsekretärin. Sie hat erst den Wahlkampf organisiert, dann die Koalitionsverhandlungen, schließlich den Mitgliederentscheid über die große Koalition. Zeit für ihre kleine Tochter Ella Maria und ihren Mann daheim auf einem Hof in der Eifel hat sie zurzeit wenig. „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so zufrieden“, sagte sie nach ihrer Elternzeit. Die frühere Juso-Chefin zählt längst nicht mehr zu den Parteilinken. Intern ist sie nicht unumstritten, wurde zuletzt mit schlechtem Ergebnis wiedergewählt. Hat vehement für den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gekämpft.

Manuela Schwesig

Manuela Schwesig (39): Familienministerin

Sie ist das „Gesicht“ der ostdeutschen SPD mit einer Blitzkarriere seit ihrem Parteieintritt 2003. Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. 2002 bis 2008 arbeitete sie dort im Finanzministerium. 2008 übertrug Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) der damals 34-Jährigen Diplom-Finanzwirtin das Sozialressort. Seit 2009 ist sie auch SPD-Vize. Als Ministerin könnte Schwesig auch für das von der SPD heftig bekämpfte Betreuungsgeld zuständig sein.

Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, hat die Kabinettsliste von SPD-Chef Sigmar Gabriel scharf kritisiert. „Die SPD ist auch personell eine erschöpfte Partei. Auf der SPD-Kabinettsliste hat überhaupt niemand irgendwann einmal eine Wahl gewonnen“, sagte Riexinger Handelsblatt Online. „Es fehlen starke und unabhängige Köpfe, die das Siegertreppchen von oben kennen.“

Riexinger ist überzeugt, dass die schwarz-rote Koalition unter diesen Umständen lange hält. „Das sind Ja-Sager aus der zweiten Reihe. Nichts zeigt deutlicher als Gabriels Kabinettsliste, dass in der SPD niemand an eine Zukunft für dieses Bündnis glaubt“, sagte der Linke-Chef. „Da wächst nichts zusammen, was hält.“

Voraussetzung für die Besetzungen ist ohnehin ein Ja der SPD-Mitglieder zur Großen Koalition. Das Ergebnis der Abstimmung unter den 470.000 SPD-Mitgliedern über den Koalitionsvertrag soll am Samstag vorliegen. Die drei Parteien wollten eigentlich am Sonntagmorgen gemeinsam die Ressortverteilung bekanntgeben. „Wir drei Parteivorsitzenden werden nochmal miteinander telefonieren, im Lichte des Mitgliederentscheides“, hatte CSU-Chef Horst Seehofer am Freitag in München angekündigt.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Das_Ende_naht

13.12.2013, 17:38 Uhr

Eigentlich sollte es um Inhalte und nicht um Personen gehen. Wie auch immer - schon laenger ist diese Regierung nur mit sich selber beschaeftigt. Eine grossartige Zeit fuer Deutschland und seine Buerger. Es laeuft/lief bestens.

realist

13.12.2013, 17:51 Uhr

............was soll immer das Genörgele. Warten Sie doch ab, was kommt. [...] Vielleicht ist der Weg der großen Koalition der Bessere, weil die kommenden Aufgaben bei uns wie in Europa von großer Wichtigkeit sind. [...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Thomas

13.12.2013, 18:11 Uhr

Was macht eigentlich der Bundestagswahl Verlierer (nach eigenem ermessen) CDU ?!

DER DER ALLES VERSCHENKT !
DIE DIE ALLES VOR DIE HUNDE WIRFT !!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×