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22.08.2013

15:36 Uhr

Großflughafen Schönefeld

Gysi attackiert frühere BER-Verantwortliche

VonDietmar Neuerer

ExklusivWann eröffnet Berlins Hauptstadtflughafen? Bisher ist nur von einem Testbetrieb die Rede. Das ärgert Linksfraktionschef Gysi. Das BER-Debakel hätte verhindert werden können, sagt er. Aber der Bund habe falsch gehandelt.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi: Ja zum BER, aber nur, wenn das Projekt im Sinne der Bürger und der Natur weitergeführt wird. dpa

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi: Ja zum BER, aber nur, wenn das Projekt im Sinne der Bürger und der Natur weitergeführt wird.

BerlinDer Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hat schwere Vorwürfe gegen die früheren politischen Verantwortlichen für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld (BER) erhoben. Der „Grundfehler“ habe in der Standortentscheidung gelegen.

„Hätte man sich für Sperenberg entschieden, wäre vieles besser gelaufen“, sagte Gysi Handelsblatt Online. Der Bund und Berlin hätten das maßgeblich verhindert: der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann und der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (beide CDU). „Mit ihrer Fehlentscheidung ging das Projekt seinen verhängnisvollen Gang. Jetzt haben wir das Desaster. Es wird immer teurer.“

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Scharfe Kritik äußerte Gysi daran, dass der jetzige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, nach dem Rückzug von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) erneut BER-Aufsichtsratschef für den Berliner Großflughafen BER werden soll. „Geschichte verläuft immer ironisch“, sagte der frühere Berliner Wirtschaftssenator.

„Marx hat mal gesagt: Alles wiederholt sich. Das erste Mal ist es ernst, beim zweiten Mal eine Farce.“ Gysi plädierte dafür, den Aufsichtsratschefposten nicht wieder mit einem Politiker zu besetzen. Es müsse jemand sei, der etwas davon in technischer, gesellschaftspolitischer und juristischer Hinsicht verstehe. „Ich denke aber, dass die Politik wieder in der Politik sucht. Das ist aber nicht gut.“

Gysi sprach sich überdies dafür aus, das Projekt im Sinne der Bürger und der Natur weiterzuführen. „Ich bin für ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens, für einen umfassenden Lärmschutz. Und ich möchte den Müggelsee im Osten der Stadt, weitere Seen und Naturdenkmäler geschützt wissen“, sagte der Linksfraktionschef.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

22.08.2013, 16:26 Uhr

Wir mögen ja alle Gysi ,wie er ist und wenn eines nicht passiert, dass er einen Job abnnimmt ist alles OK.

Nicht wie in Berlin als FS was den "Kleinen" völlig überfordert hatte. Das Flughafenchaos in Berlin muss aufgearbeitet werden und Wowereit sollte seine 10 000.- Euro
Gehalt im Monat als ASR spenden. War ein Witz...seit wann verzichten Neureich.Sozies auch nur auf einen Cent.

Account gelöscht!

22.08.2013, 16:53 Uhr

Mit der Standortfrage hat Gysi recht. Aber es ist zu spät, diese Frage aufzuwerfen.

Das Nachtflugverbot allerdings würde erheblich Transatlantikflügen bzw. Interkontinentalflügen entgegenstehen und BER provinziell abgleiten und für die nächsten Jahrzehnte unwirtschaftlich machen.

K.West

22.08.2013, 17:02 Uhr

Wann werden Politiker und Aufsichtsräte im Allgemeinen
mal verantwortlich und haftbar gemacht?

Das kostet nicht nur Milliarden von Steuergeldern,
sondern auch Arbeitsplätze!

Deutschland - ein Vorzeigeland für (Groß-)projekte
oder Groß-Desaster?!?

Gut, dass wir uns wenigstens großartig ausspionieren lassen. So wissen die andern Länder wenigstens,
wann sie nicht mit einer Landung in Berlin oder
mit dem Zug im neuen Stuttgart21- Bahnhof ankommen werden.#

Geht weiter mit dem Geld um, als seit Ihr Griechen!
Geht weiter mit dem Datenschutz um, als seit Ihr Chinesen!
Geht weiter mit der Pressefreiheit um, als seit Ihr Russen!

Geht einfach was anders wählen - aber bitte kein "Euro raus", Protektionismus und Mauern um Deutschland helfen ebensowenig wie hilfs- und ahnungslose #Neuland-Politiker bzw. Scheinkontrolleure.

Warum ist Wowereit noch Bürgermeister von Berlin,
der hochverschuldeten Stadt mit dem Flughafen-Grab?
Warum werden nicht die SPD-Werbekosten ( ca. 20 Mio. ) statt für dämliche Anti-CDU-Plakate in den Flughafen gesteckt, z.B. für zusätzliche Lohnarbeiter?

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