Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2012

10:00 Uhr

Grün-Rote Landesregierung

Die Flitterwochen sind vorbei

Aus der leidenschaftlichen Eheschließung von Grün und Rot in Baden-Württemberg ist grauer Alltag geworden. Immer wieder auf dem Tagesplan: Stuttgart 21. Da die Kosten explodieren, scheint sogar eine Scheidung möglich.

Nils Schmid (SPD) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grün): Die SPD bleibt in der Koalition meist im Hintergrund. dpa

Nils Schmid (SPD) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grün): Die SPD bleibt in der Koalition meist im Hintergrund.

StuttgartAnfangs galt das Bündnis als „Liebesheirat“. Doch nach mehr als eineinhalb Jahren im Amt wird die grün-rote Landesregierung nun definitiv von den Mühen der Ebene geplagt. Die Haushalts- und die Bildungspolitik zehren an den Nerven der Koalitionspartner. Bei ihren Schwerpunkten wie etwa der Energiewende kommen sie nur langsam voran. Das Konfliktthema Stuttgart 21 steht mit der Debatte über Mehrkosten wieder ganz oben auf der Agenda. Während Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) sich ungebrochener Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut, strampeln Juniorpartner Nils Schmid und seine SPD, um aus dem Schatten des Ministerpräsidenten und der Grünen zu treten.

Der Stuttgarter Politikwissenschaftler Oscar Gabriel zieht eine eher gemischte Zwischenbilanz seit der grün-roten Zeitenwende im Mai 2011: „Wenn man hohe Erwartungen in den Regierungswechsel gesetzt hatte, wird man enttäuscht sein.“ Die Regierung habe sich erst finden müssen und mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen gehabt - was aber eigentlich auch ganz normal sei.

Der grün-rote „Spaltpilz“, das Bahnprojekt Stuttgart 21, galt mit der Volksabstimmung im Herbst 2011 pro Weiterbau als entschärft. Seitdem beteuern die Grünen, die eigentlich gegen S 21 waren (oder sind), und die SPD, die seit jeher für das Projekt ist, dass sie sich an das Abstimmungsergebnis gebunden sehen. Nun aber kämpft die Bahn mit einer Kostenexplosion in Milliardenhöhe.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ovid

16.12.2012, 12:35 Uhr

Jeder der etwas von solchen großen Projekten versteht weiß genau, es gibt keine endgültige Summe von Anfang an, denn Unwägbarkeiten gibt es immer bei solchen Großprojekten die keiner, aber auch keiner durchkalkulieren kann. Das geht nur in der arabischen Wüste wenn der Untergrund für einen neuen Flughafen offenliegt.

Ikarus21

16.12.2012, 13:11 Uhr

6,8 + xx Milliarden! für einen Bahnhof!!!

Maulwurf21

16.12.2012, 17:26 Uhr

Jetzt werden der grüne Landesvater und der grüne Oberbürgermeister zeigen müssen, was ihre Reden zu Stuttgart 21 wert sind.

Die Geschäftsgrundlage für S21 dürfte weg sein, da der gedeckelte Kostenrahmen bei weitem überschritten wurde.

Zudem:
Kein rechtskonformes Brandschutzkonzept,
Probleme mit dem Grundwasser,
Gefährdung des Mineralwassers,
Weniger Züge/Stunde als im derzeitigen alten Kopfbahnhof,
Verkehrschaos, Unfälle, Schmutz und Lärm über x Jahre in der Innenstadt,
Drohung weiterer Kostensteigerungen,
Bahnsteige mit 6 % Gefälle,
erhöhte Unterhaltskosten für S21

Das alles nach 15(?) Jahren der „sorgfältigen“ Planung; das lässt auf so manche Überraschung während der Bauzeit hoffen.

Vielleicht will man in Stuttgart Sydney mit seiner Oper nacheifern:
7 Mio. A$ sollte die Oper ursprünglich kosten und in sechs Jahren sollte sie fertig sein. Am 28. September 1973 lief im Inneren die erste Vorstellung - 8 Jahre später als geplant und um 95 Mio. AU$ teurer. Angesichts der Kosten hoffte man auf die Liebe der Australier für Spiel und Wette, es wurde zu Gunsten der Oper eine eigene Lotterie ins Leben gerufen, um den Bau zu finanzieren.

Vielleicht gibt es auch bald eine Lotterie zu Gunsten von Stuttgart 21. (?)

Oder man kommt zur Besinnung , und „beerdigt“ den Maulwurfsbahnhof.

Vernünftige Alternativen, die wahrscheinlich auch jetzt noch kostengünstiger und leistungsfähiger sind liegen ja vor.

Die wahrscheinliche Fortsetzung des Dramas wird aber sein, dass man sich von Mehrkosten zu Mehrkosten hangelt, die ja leider jedes Mal nicht vorhersehbar waren, und jedes Mal wird glaubhaft begründet werden, dass das Projekt schon zu weit fortgeschritten ist, um es abzubrechen. (Wie schon zu Zeiten der Volksabstimmung)

Passiert aber später in diesen unterirdischen Gängen ein größeres Unglück, ist ein Kopfbahnhof in der Stadt nicht mehr möglich, dann kommt die oberirdische Bahnhof-Flughafenvariante wieder ins Spiel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×