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14.02.2014

11:40 Uhr

Grüne fordern

Castoren sollen auch nach Bayern rollen

VonStefan Kaufmann

Im Umweltministerium verhandeln die Länderminister heute über die Aufnahme von Castoren. Niedersachen, Baden-Württemberg und Hessen signalisieren Bereitschaft. Doch die Grünen fordern: Auch Bayern soll Atommüll bekommen.

Ein Castor-Behälter mit radioaktivem Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague. dpa

Ein Castor-Behälter mit radioaktivem Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague.

DüsseldorfBei einem lockeren Plausch wird es nicht bleiben, wenn Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth heute die Umweltminister aus sieben Bundesländern trifft. Zu pikant ist die Frage, die die Minister umtreibt: In welche Zwischenlagerstandorte können die 26 ausstehenden Castoren voller Atommüll gebracht werden, die aus den Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield noch zurück nach Deutschland geholt werden müssen. Sicher ist nur: Nach Gorleben rollen die Transporte nicht.

Darauf hatte sich Peter Altmaier (CDU) mit den Landesumweltministern im vergangenen Jahr geeinigt und seiner Nachfolgerin Barbara Hendricks (SPD) dadurch ein ungelöstes Problem vererbt. Zwar erklärten sich Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg frühzeitig bereit, einige der Castoren in ihren Landesgrenzen zwischenzulagern – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich noch ein drittes Land beteiligen würde.

„Wir sind bereit, unter den bekannten Bedingungen Verantwortung zu tragen“, sagte Energieminister Robert Habeck (Grüne) noch einmal vor einem Bund/Länder-Treffen in Berlin. „Aber es muss eine faire Lastenteilung geben, denn hier sitzen alle in einem Boot.“ Am liebsten wäre es SPD und Grünen, wenn ein CDU-regiertes Land das dritte wäre. Das würde den Atom-Konsens über die wichtigsten Parteigrenzen hinweg deutlich zu machen.

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Gorleben fällt für Castor-Transporte vorerst aus. Kein Problem, denn in Deutschland gibt es noch 14 weitere oberirdische Lager für hochradioaktiven Müll. Außerdem bietet sich Russland als Atom-Klo an – gegen Bezahlung.

Dieses Land scheint gefunden, seit Hessen von einer schwarz-grünen Koalition regiert wird. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der sich im vergangenen Jahr noch vehement gegen Castortransporte ins hessische Biblis ausgesprochen hatte, gibt sich plötzlich gesprächsbereit. Was sicherlich zu einem Großteil seinem neuen Koalitionspartner geschuldet ist. Schon heute könnte beim Ministertreffen in Berlin der Dreier-Deal festgezurrt werden.

Was die Grünen zwiegespalten sehen. Zum einen sind sie froh, dass Bewegung in die Standortsuche kommt und sich Alternativen für Gorleben auftun. Kritisch wird gesehen, dass es die Castortransporte ausschließlich auf Drängen von Grünen und Sozialdemokraten möglich werden.

So sagt die atompolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, im Gespräch mit Handelsblatt Online: „Ich fordere von Bayern, einem der größten Atommüllproduzenten der Republik, sich nicht länger aus der Verantwortung zu stehlen.“ Fachlich kämen bayerische Zwischenlager durchaus in Frage. „Das Argument des längeren Transportweges kann vor dem Hintergrund, wie oft von bayerischen AKW Castoren nach Sellafield und La Hague und von dort nach Gorleben geschickt wurden, nicht im Vordergrund stehen.“

Kommentare (11)

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holger29

14.02.2014, 12:49 Uhr

Die hochradioaktiven Abfallmengen der umweltfreundlichen Kernkraftwerke sind sehr gering. Nach der Wiederaufbereitung verbleiben ca. 1 to hochradioaktive Spaltprodukte je Reaktor/Jahr die nach einigen Jahrhunderten auf die Aktivität von Natururan abgeklungen ist. Sachlich macht es keinen Sinn die "Zwischenlagerung" auf verschiedene Standorte zu verteilen. Das eigentlich minimale Risiko wrd maximiert.

Politisch geht es darum die erfolgreichste Oekolegende Deutschlands heiss zu machen, möglichst viele Menschen mi dämonischen Atomstrahlen zu verängstigen und damit für die Oekoreligion zu gewinnen.

In anderen Staaten Europas haben sich Gemeinden bewusst für ein atomares Endlager entschieden, da dieses Arbeitsplätze und Steuern bringt. Verglichen mit anderen industriellen Aktvitäten sind die Nachteile wie der LKW Verkehr, gering.

zeit_ist_relativ

14.02.2014, 13:00 Uhr

@holger29
"...nach einigen Jahrhunderten ..."
so nach 240 Jahrhunderten(Plutonium-Isotop), ja im Lauf des Universums ist das nicht viel, dann ist aber auch erst die Hälfte weg....in Menschengenerationen gerechnet ne ganze Menge, auf die Perspektive kommts an....erst nach 250.000 Jahren ist so viel Plutonium zerfallen, dass eine akzeptable Strahlung übrig bleibt...

"In anderen Staaten Europas haben sich Gemeinden bewusst für ein atomares Endlager entschieden, da dieses Arbeitsplätze und Steuern bringt."

Es gibt weltweit kein einziges atomares Endlager, das sind alles Zwischenlager.

bayern

14.02.2014, 13:13 Uhr

bayern ist zu schön für atommüll

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