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13.11.2014

17:29 Uhr

Grüne Kritik an Fifa-Ethikkommission

„Fifa drückt Turniere nach ihren Regeln durch“

VonStefan Kaufmann

ExklusivBei der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar war alles in Ordnung. Von Korruption keine Spur. So meldet es die Fifa-Ethikkommission – ein reines Feigenblattinstrument, kritisiert Bundestags-Vize Roth.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth übt scharfe Kritik an der Fifa. AFP

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth übt scharfe Kritik an der Fifa.

DüsseldorfHans-Joachim Eckert kennt sich aus mit Bestechung: Korruption, Steuerbetrug und Wirtschaftsstrafsachen zählen zu seinem Aufgabengebiet als Richter am Münchner Strafgericht. Nun hat er als Vorsitzender die Ergebnisse der unabhängigen Fifa-Ethikkommission vorgelegt – und für einen Eklat im Weltfußballverband gesorgt. Eckerts Botschaft: Es gibt keine Beweise für Bestechung oder sonstige Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Es gebe deshalb auch keinen Grund noch einmal über die Vergabe der Weltturniere nach Russland und Katar nachzudenken.

Es seien weder „Vergehen noch Verstöße gegen die maßgebenden Bestimmungen und Regelungen bei der WM-Vergabe an Russland und Katar festgestellt worden“, schrieb Eckert. Es seien zwar einige „Vorfälle während des Bewerbungsprozesses aufgedeckt worden“, doch seien diese zu geringfügig, um das gesamte Verfahren in Frage zu stellen. Sprich: Eine erneute Ausschreibung und Vergabe der beiden Turnier ist nicht zu rechtfertigen.

Eckerts 42-seitige Stellungnahme soll eine Zusammenfassung des 350-seitigen Untersuchungsberichts des ehemaligen US-Staatsanwalts und Fifa-Chefermittlers Michael Garcia sein. Der hatte zahlreiche Zeugen zu den Vorgängen bei der Fifa befragt. Doch kaum die Botschaft der Ethikkommission in der Welt, reagierte Garcia: „Der heute veröffentlichte Bericht enthält zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen.“ Er will nun Beschwerde vor dem Berufskomitee der Fifa einlegen.

Anders als die heutige Zusammenfassung wurde der Anfang September von Garcia vorgelegte Bericht nie vollständig veröffentlicht, obwohl ranghohe Fußballfunktionäre und der Autor selbst dies gefordert hatten. Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte Vertraulichkeit für Zeugenaussagen als Grund für die Nicht-Veröffentlichung angegeben.

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Von wegen Schlussstrich: Fifa-Ermittler Garcia fühlt sich von der „Ethikkommission“ falsch wiedergegeben. Die hatte kein Indiz für schwerwiegende Korruption bei der WM-Vergabe nach Russland und Katar gefunden.

Im Jahr 2010 hatte die Fifa erstmals in ihrer Geschichte zwei Weltmeisterschaften auf einmal vergeben – 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei überraschte insbesondere die Wahl von Katar. Das ölreiche Emirat ist weder ein Schwergewicht in der Sportart, noch ist es mit Temperaturen von weit über 40 Grad für ein Turnier im Sommer geeignet. Aufgrund der wachsenden öffentlichen Kritik beauftragte der Fußball-Weltverband im Jahr 2012 Garcia mit einer Untersuchung der Vorwürfe, es könne zu Korruption und Absprachen gekommen sein.

Die Korruptionsbekämpferin Sylvia Schenk sprach am Donnerstag von einer „Kommunikationskatastrophe“. Die Frankfurterin, die bei Transparency International Deutschland die Arbeitsgruppe Sport leitet, sagte: „Die Fifa erhält keine Glaubwürdigkeit, wenn nur 42 Seiten von mehreren 100 veröffentlicht werden.“

Auch die Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth übte scharfe Kritik an der Fifa. „Wer es zulässt, dass die Fifa sich selbst untersucht, darf sich auch nicht wundern, wenn dann nichts dabei herauskommt“, sagte die Grünen-Politikerin im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Vorgang zeige einmal mehr: Die Fifa sei an einer wahrhaftigen Aufklärung und an Transparenz über ihre Vergabeverfahren nicht interessiert und die Ethikkommission war ein reines Feigenblattinstrument.

„Die Fifa will ihre Turniere nach ihren Regeln durchdrücken, egal wie hoch der Preis für die Demokratie, die Menschenrechte und das Auskommen der Menschen vor Ort ist“, sagt Roth, die auf einen Bericht von Amnesty International über die Ausbeutung der die Arbeiter auf den WM-Baustellen in Katar verweist.

Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen-Fußballbundes, und Ligapräsident Reinhard Rauball hielten sich mit einer inhaltlichen Bewertung des Eckert-Berichts zurück, bekräftigten aber ihre Vorbehalte gegen die Fußball-WM Katar 2022.

Kommentare (3)

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Frau Ute Umlauf

13.11.2014, 19:01 Uhr

Dachte schon, Killerwarze Fatima Roth wäre in die Türkei übergesiedelt!

Herr Paul Mueller

13.11.2014, 20:00 Uhr

"Die Fifa erhält keine Glaubwürdigkeit, wenn nur 42 Seiten von mehreren 100 veröffentlicht werden."

Na ein Glück das Merkel von den gleichen Kritikern noch die volle Glaubwürdigkeit geniest, obwohl sie die Veröffentlichung der aufklärenden Funksprüche zu MH17 verboten hat. Geld scheint in der westlichen Hemisphere mehr Priorität zu haben, als hunderte von Menschenleben.

Herr Woifi Fischer

14.11.2014, 09:33 Uhr

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth übt scharfe Kritik an der Fifa.

Warum echauffieren sie sich so Frau Roth, nur weil eine Organisation wie die FIFA das gleiche macht wie die Grünen?
Ich dachte sie haben endlich deutschen Boden verlassen, und sind zu ihren Freunden in die Türkei übersiedelt?
Aber sie bleiben auch lieber in der BRD, wo sie für ihr Geschwätz auch noch fürstlich entlohnt werden.
Ich wünsche mir, dass ihre Zeit im Bundestag endlich abläuft.

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