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17.09.2013

17:29 Uhr

Grüne Schadensbegrenzung

Trittin übt sich in Demut

Von Stadtindianern mit pädophilen Forderungen war Trittin früher genervt. Eingeschritten ist er wohl wie viele andere Grüne nicht – was dem obersten Grünen-Strategen kurz vor der Bundestagswahl zum Verhängnis wird.

Jürgen Trittin auf der Wahlveranstaltung in Augsburg. dpa

Jürgen Trittin auf der Wahlveranstaltung in Augsburg.

AugsburgPlatzregen setzt ein, als Jürgen Trittin ans Mikrofon tritt. Augsburg, Rathausplatz, die letzten paar Kundgebungen vor der Bundestagswahl finden jetzt statt. Es ist kein fulminanter Schlussspurt, den die Grünen und ihr Spitzenmann machen, sondern Schadensbegrenzung. Die rund 150 Grünen-Anhänger fliehen großteils unter die Sonnenschirme der Cafés. „So ist das in einem Wahlkampf. Da gibt es Regen, und da weht einem gelegentlich auch der Wind ins Gesicht“, sagt Trittin. Doch das ist stark untertrieben.

Am Tag zwei nach Bekanntwerden von Trittins presserechtlicher Verantwortung für eine pädophile Forderung in einem Göttinger Kommunalprogramm 1981 geht es für ihn um die richtige Mischung – aus Zerknirschtheit, Mitgefühl mit den Opfern und Vorwärtsverteidigung. „Wir Grünen, mich eingeschlossen mit der Verantwortung, haben in den frühen 80er Jahren eine Position vertreten zur Pädophilie, die muss allen Missbrauchsopfern als Hohn erscheinen“, sagt Trittin. Ein Fehler sei das gewesen. Den Part „Offensive“ hatte zuvor bereits Grünen-Chefin Claudia Roth übernommen, indem sie Unionspolitikern unmoralische Positionen vorwarf.

Trittin ist niemand, der gern in sich hineingucken lässt. Jetzt schon gar nicht, auf den letzten Metern, angesichts dieser Vorwürfe. Was muss er sich vorwerfen lassen? Dass er selbst einmal eine pädophile Forderung erhoben hätte, erscheint nicht wahrscheinlich. Trittin kam vom Kommunistischen Bund in Göttingen zu den Grünen. „Da ging es ihm nicht um sexuelle Befreiung, sondern um die Befreiung der unterdrückten Massen“, sagt jemand aus seinem Umfeld.

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Dass er presserechtlich verantwortlich zeichnete für das Programm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL), in dem auch die pädophile Forderung enthalten war, war laut Zeugen eine Formalie. Die Passage zu sexuellen Handlungen von Erwachsenen und Kindern stammte von einer „Homosexuellen Aktion Göttingen“. Gruppen mit pädophilen Forderungen gab es schon in den Jahren vor der Gründung der Grünen – doch die Anti-Parteien-Partei bot auch diesen Gruppen über einige Jahre breiten Raum, bis sie damit Schluss machte.

Kommentare (44)

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Asterix

17.09.2013, 18:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

weltenbrand

17.09.2013, 18:18 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Tabu

17.09.2013, 18:37 Uhr

Trittin kam vom Kommunistischen Bund in Göttingen zu den Grünen. „Da ging es ihm nicht um sexuelle Befreiung, sondern um die Befreiung der unterdrückten Massen“, sagt jemand aus seinem Umfeld.
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Die unterdrückten deutschen Massen,kann er nicht
gemeint haben.Die verhaßte Elterngeneration dieser
'68er Flegel,hatten grad für das Witrschaftswunder
gesorgt.

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