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05.10.2011

06:58 Uhr

Grüne stützen Pofalla

Bizarre Rückendeckung für Merkels Pöbel-Minister

Ronald Pofalla hat sich entschuldigt. Doch die heftigen Verbalattacken des Kanzleramtsministers auf einen Euro-Abweichler sorgen in Berlin weiter für Diskussionsstoff - und für ungewöhnliche Allianzen.

Rückendeckung von Grünen-Politikern: Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. dapd

Rückendeckung von Grünen-Politikern: Kanzleramtsminister Ronald Pofalla.

BerlinSo gibt es auf Seiten der Grünen auch Rückendeckung für Pofalla.  Joschka Fischer, früherer Vizekanzler, ehemaliger Außenminister und einstiger Spitzenpolitiker der Grünen, erinnerte sich in der „Leipziger Volkszeitung“ an seine eigenen Empfindungen, wenn es um Abweichler in den Reihen der Grünen zu Regierungszeiten gegangen sei, und meinte zu Pofallas offenkundigen Wutausbruch: „Mir ist ein deftiges Wort des Zorns immer lieber als eine scheinbar freundlich vorgetragene süßsaure Hinterhältigkeit.“

Der Grünen-Europaabgeordnete Werner Schulz sieht es ähnlich. „In der Politik geht es manchmal rau zu“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. Es gebe Situationen, in denen die Nerven blank liegen. Außerdem müssten „auch die Abweichler gut überlegen, wie weit sie gehen. Manche spielen sich unglaublich in den Mittelpunkt.“ Pofalla habe seine Äußerungen bedauert, das müsse man anerkennen. „Ich schätze Pofalla als soliden und durchaus auch sachlichen Menschen.

Gastbeitrag: Mit Merkels „Friss-oder-stirb“-Politik in den Abgrund

Gastbeitrag

exklusivMit Merkels „Friss-oder-stirb“-Politik in den Abgrund

Ex-CDU-Minister Marnette sieht die Attacke des Kanzleramtsministers auf einen Euro-Abweichler nicht als Einzelfall. Er macht Merkel verantwortlich und prophezeit seiner Partei in einem Gastbeitrag den Niedergang.

Grünen-Chefin Claudia Roth dagegen kritisierte die wüste Beschimpfung des CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach als „unanständig und abstoßend“. Solche innerparteilichen Ausfälle zeigten das tiefe Zerwürfnis in der Union nach der Euro-Entscheidung. Ausgerechnet die Union, die Grüne wegen ihrer Umgangsformen und ihres Lebensstils seit jeher diffamiert hätten, offenbare jetzt eine erschreckende Kulturlosigkeit.

Der Kanzleramtsminister hatte den Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses wegen dessen ablehnender Haltung zur Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF scharf attackiert. Medienberichten zufolge beschimpfte er seinen Parteikollegen unter anderem mit den Worten: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ und „Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt.“

Kommentare (14)

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Leserkommentar

05.10.2011, 08:31 Uhr

Die im Grundgesetz kodifiziert anerkannte Gewissensfreiheit des Parlamentariers als "Scheiße" zu bezeichen ist keine Stilfrage. Da stimmt inhaltlich etwas nicht. Dasselbe gilt hier insgesamt. Pofalla ist nicht "übers Ziel hinaus geschossen", er hat einfach das falsche Ziel. Und gegen die rechte Haltung Bosbachs kommt man eben nicht mit Argumenten an - sondern nur mit Kraftausdrücken. Daß Politiker dies Pofalla durchgehen lassen, ist ein Lehrstück erster Güte - und färbt auf die dreckige Politik selbst ab. Dort allerdings fällt es kaum noch auf.

scnauzevoll

05.10.2011, 09:19 Uhr

Es ist ja auch schon grotesk, wenn z. B. über Herrn Bosbach oder Herrn Schäffler von Abweichlern gesprochen wird. Diese vertreten immerhin knapp 70% der Bevölkerung mit ihrer Haltung. Für mich ist z. B. Herr Pofalla ein Abweichler der zudem mit einer bedenkenswerten Meinung über das Grundgesetz aufgefallen ist. Über die Manieren dieses Herrn Pofalla ist sowieso nichts mehr hinzuzufügen. Einfach ein Demokrat aller bester Güte!

Drueckerkolonne-im-Stress

05.10.2011, 09:33 Uhr

Pofalla absolvierte 2 Studiengänge in Folge, um endlich mit 32 Jahren sein Jurastudium mit dem 2.Staatsexamen abzuschließen.
Ob Pofalla in den langen Jahren wissenschaftlich glänzte, ist ungewiss – sicher jedoch ist, dass Pofalla in der CDU seiner Heimat Weeze den lokalen Vorstellungen eines Parteitalentes entsprach.
Gemeindedirektor Wienen machte sich daher auf, bei unionsgeneigten Unternehmen Zahlungen einzutreiben zur “Förderung bzw. Unterstützung des
Studiums des Herrn Pofalla”.
Es traf den Müllunternehmer Schönmackers, dem Unionstalent über mehrere Jahre monatlich 1200 / 1300 DM zuzuwenden – im Rahmen eines “Beratervertrages”.
Schönmackers gab später zu Protokoll, diese Beträge “zur politischen Unterstützung des Aufbaus und der Erweiterung unseres Betriebes” geleistet zu haben…
Nun absolvierte Pofalla nicht nur mehrere Studiengänge, sondern auch mehrere Ehen.
Anläßlich seiner 1996-er Scheidung ging Pofalla den Müllunternehmer um eine weitere Zahlung an:
150.000 DM in bar (!) gingen daraufhin als Kredit an den Parteifreund.
Schönmacker gab später zu Protokoll, regelmäßig an eine Rückzahlung erinnert zu haben – um stets vertröstet zu werden.
Wen erstaunt es, wenn bei der Mrd.-Bonusrettung Pofallas Nerven blank liegen ?

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