Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.03.2011

12:00 Uhr

Grüne Wirtschaftspolitik

Kretschmanns schwäbischer New Deal

VonBarbara Gillmann

Sind Wirtschaft und Ökologie Widersprüche? Etliche Unternehmer zittern nach der historischen Wahl bereits vor der neuen Regierung in Baden-Württemberg. Was Kretschmann und die Grünen dem Ländle zumuten wollen.

Grünen-Chef Kretschmann und SPD-Spitzenkandidat Schmid haben ein grünes Programm für die Wirtschaft in der Schublade. Quelle: dpa

Grünen-Chef Kretschmann und SPD-Spitzenkandidat Schmid haben ein grünes Programm für die Wirtschaft in der Schublade.

StuttgartDie Grünen wollen Baden-Württemberg mit einem "Green New Deal" zum ökologischen Musterländle machen - für die Wirtschaft im Powerhaus der deutschen Wirtschaft bedeutet die Ankündigung eine Revolution. "Wirtschaftliche Prosperität, die nachhaltig ist, gibt es nur mit grünen Produktlinien", sagt der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. "Wenn wir nicht umsteuern und ökologische Leitlinien einziehen, dann bleibt unser Wohlstand auf Sand gebaut." Rückenwind kommt von Parteichef Cem Özdemir: "Die Leute fragen uns, die Grünen: was kommt nach dem Verbrennungsmotor?"

Die Wirtschaft zwischen Mannheim und Konstanz fürchtet schon massive Einbußen. Der Präsident des Landesverbandes der baden-württembergischen Industrie (LVI), Hans-Eberhard Koch, etwa fordert, beim verstärkten Umstieg auf alternative Energien "mit Augenmaß vorzugehen" und warnt "nichts zu überstürzen" Kretschmann hält dagegen: "Wer, wenn nicht Baden-Württemberg, kann ökologische, energieeffiziente und ressourcenschonende Produkte für die ganze Welt entwickeln und damit gutes Geld verdienen und neue Jobs schaffen?"

Wie soll das gehen? Die Wirtschaftspolitikerin der Grünen im Landtag, Edith Sitzmann, wird konkret: Wir wollen in der Wirtschaftsförderung vor allem die rund 150 Millionen des Europäischen Fonds für Nachhaltige Entwicklung (EFRE) endlich für nachhaltige Produkte und Verfahren einsetzen". Bisher habe die Regierung Mappus das Geld für wenig Zukunftsträchtiges ausgegeben - "bis hin zur Förderung des Erwerbs von Zahnarztpraxen".

Doch weil sie wissen, dass Millionenbeträge Konzerne von Weltrang nicht beeindrucken, setzen die Grünen auf Dialog. "Eine Landesregierung muss ökologische Ziele und die Chancen für die Wirtschaft richtig kommunizieren". Als willkommener Kronzeuge gilt den Grünen vor allem Bosch-Chef Fehrenbach. Der setzt nicht nur massiv auf Öko sondern hatte sich auch dezidiert kritisch zur Atomkraft geäußert.

Im Visier haben die Grünen die Automobilindustrie, eine Säule des Reichtums im Ländle. "Sie boomt gerade, weil sie Luxuskarossen nach China exportiert - aber das ist kein nachhaltiges Wirtschaftsmodell", sagt Kretschmann im Wahlkampf kategorisch. Um Mercedes, Porsche & Co. zu Ökovorreitern zu machen, wollen die Grünen eine strenge grüne Ordnungspolitik: "Wir brauchen Grenzwerte für den CO2-Ausstoß der Flotte, die so scharf sind, dass sie die Firmen zu ökologischer Erneuerung zwingen, aber nicht so scharf, dass sie die Firmen ruinieren."

Mit Windrädern wollen die Grünen in Baden-Württemberg schon bald sechs mal so viel Strom produzieren wie bisher. Dafür genüge es, die Genehmigungsblockade der alten Regierung zu beenden. "Dann könnte beispielsweise auch die Schuler AG in Göppingen endlich eine Demonstrationsanlage in der Nähe der Fabrik bauen", sagt Sitzmann. Der Maschinenbauer ist soeben erst neu in die Produktion von Windanlagen eingestiegen und will 2013 die Serienfertigung beginnen.

Folgendes planen die Grünen konkret in den einzelnen Bereichen:

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gartenrundbrief

30.03.2011, 12:35 Uhr

Es ist kein "schwäbischer" New Deal, sondern ein baden-württembergischer. Merke: Baden-Württemberg ist Baden-Württemberg ist Baden-Württemberg. Nähere Infos zu den Einwohnern finden sich u. a. im vorderen Namensteil oder im großen Landewappen.

Account gelöscht!

30.03.2011, 12:40 Uhr

Als Nichländlebewohner muß ich sagen, da beginnt die Zukunft. So wie dei Grünen bereits vor 30Jahren erkannt haben, daß die Kernkraft ein Irrweg ist (was mit 30Jahren Verzögerung alle anderen Parteien nachaffen) erkennen sie bereits heute, daß die Zukunft eben nicht beim verbrennungsmotor liegt.
Wir diskutieren in Deutschland, ob Elektroautos eine Zukunft haben! Die Chinesen haben Städte, in denen verbrennungsmotoren verboten sind. Wenn man sich dort umsieht, so findet man viele kleine Werkstädten, in denen auf oft unprofessionelle Art und Weise Elektrofahrzeuge gebaut und umgebaut werden. Das sind Keimzellen der neuen Autokonzerne.
Vielleicht haben wir z.B. in diesem Gebiet die Chance dank Grün/Rot nicht alles zu verchlafen.

Ich selbst wohne in einem Schwarz- gelben land. Außen Billiglöhnen tut sich da natürlich nichts....

Denkerist

thomas

30.03.2011, 12:54 Uhr

BaWü ist längst hinter Bayern zurückgefallen. Widerstandslos. Teufel und Ötti haben sich in irgendetwas gesonnt. Mappus hat nur Schrottmeiler gekauft.
Es wird Zeit, dass modernisiert wird. Es wird dann mehr Vielfalt und mehr Chancen geben.
Und: das Atommüllendlager gehört nach BaWü, nach Oberschwaben. Da werden sie zwar beten, dass der Kelch woanders landet, aber: nur dort sind die wasserdichten Tonschichten. Das Lager wird BaWü´s Wirtschaft nochmals stärken, wir werden noch mehr Menschen anziehen. Nun gut, dann bekommt das Land im Bund mehr Wahlkreise und Gewicht.
Und Bayern wird wieder Zweiter. Da müssen wir hin!
Glück Ab!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×