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19.01.2016

16:43 Uhr

Grüne Woche

„Landwirtschaftliche Betriebe müssen wie eine Fabrik gemanagt werden“

VonSilke Kersting

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht AGCO-Boss Martin Richenhagen über die Feindschaft zwischen Bauern und Umweltschützern, die weltweite Ernährungssicherheit und die Rolle von Google.

Ein Mähdrescher ist auf einem Getreidefeld in Baden-Württemberg unterwegs. dpa

Ernte im Südwesten

Ein Mähdrescher ist auf einem Getreidefeld in Baden-Württemberg unterwegs.

BerlinMartin Richenhagen ist einer der wenigen Manager deutscher Herkunft an der Spitze eines US-Konzerns. Zur Grünen Woche, der großen Ernährungs- und Landwirtschaftsshow in Berlin, reist der Präsident des Landmaschinenherstellers AGCO alljährlich an. Der gebürtige Kölner wittert Frieden zwischen den häufig verfeindeten Lagern Bauern und Umweltschützern. Den modernen Landwirt sieht er schon heute als „Umweltbeauftragten“. Ein Gespräch im Berliner Adlon-Hotel über die weltweite Ernährungssicherheit, die Rolle Afrikas dabei und seinen Austausch mit dem Internetkonzern Google.

Herr Richenhagen, die Zahl der Menschen weltweit steigt, damit auch der Bedarf an Lebensmitteln. Gleichzeitig geht landwirtschaftliche Fläche durch Urbanisierung und Klimawandel verloren. Was bedeutet das für die Ernährungssicherheit?

Das ist alles machbar. Wichtig ist, dass die Mechanisierung in der Landwirtschaft vorankommt. Beispiel Afrika. Dort besteht die Landwirtschaft noch immer zu 90 Prozent vor allem aus Selbstversorgern. Menschen, die mit Spitzhacke und schlechtem Saatgut den Boden beackern, um ihre Familien zu ernähren, allenfalls mit Hilfe eines Tieres. Ihnen müssen wir helfen, dass sie sich vom Selbstversorger zum Landwirt wandeln können, um ihre Produktion zu vergrößern.

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Sie wollen Ihre Landmaschinen verkaufen …
Es geht nicht darum, dass wir den Leuten nur ein paar Eisenwaren zur Verfügung stellen. Das Ganze muss ein Paket sein, das heißt, dass wir den Menschen auch zeigen müssen, wie die Maschinen arbeiten, wir müssen ausbilden, damit sie selbst sehen, wie sie einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb organisieren müssen, um profitabel zu arbeiten. Afrika ist immens wichtig für die Welternährung: auf diesem Kontinent befinden sich 60 Prozent der weltweiten Reserven an Flächen, die für die Landwirtschaft erschlossen werden können.

Was ist mit der Landwirtschaft in Europa?
Auch hier müssen landwirtschaftliche Betriebe in Zukunft mehr wie eine moderne Fabrik gemanagt werden. Stichwort Präzisionslandwirtschaft: da geht es darum, bei der Bearbeitung des Bodens, der Bewässerung und Ausbringung von Düngemitteln und Pestiziden Unterschiede des Bodens und der Ertragskraft selbst innerhalb eines Feldes zu berücksichtigen – mit Hilfe von GPS und der Analyse von Daten, mit denen die Computer der landwirtschaftlichen Betriebe gefüttert werden.

„Landwirtschaftliche Betriebe müssen mehr wie eine moderne Fabrik gemanagt werden.“ Reuters

Martin Richenhagen

„Landwirtschaftliche Betriebe müssen mehr wie eine moderne Fabrik gemanagt werden.“

Das nutzt dann auch der Umwelt …
Ja. Die modernen Landwirte verstehen sich heute ohnehin schon eher als Umweltbeauftragte. Sie wissen doch genau: Je weniger oft man über seinen Acker fährt und je weniger Bodendruck man ausübt, umso besser bleibt der Boden erhalten. Es ist doch auch ganz selbstverständlich, dass die Landwirte ein Riesen-Interesse daran haben, mit möglichst wenig Kraftstoffverbrauch zu arbeiten.

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