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11.01.2011

13:18 Uhr

Grünen-Fraktion

Wettlauf der Realas um die Fraktionsspitze beginnt

VonBarbara Gillmann

Renate Künast ist noch lange nicht Regierende Bürgermeisterin von Berlin, doch schon diskutieren die Abgeordneten, wer sie ersetzen könnte. Klar ist: Es muss eine Frau sein, die dem Reformer-Flügel angehört. Ein Gerangel ist absehbar, denn in dieser Kategorie tummeln sich diverse grüne Frauen.

Noch ist Renate Künast nicht Bürgermeisterin von Berlin, doch über ihre Nachfolgerin in der Fraktionsspitze wird schon gestritten. DAPD

Noch ist Renate Künast nicht Bürgermeisterin von Berlin, doch über ihre Nachfolgerin in der Fraktionsspitze wird schon gestritten.

BERLIN. Noch sind es acht Monate bis zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses – doch in der Bundestagsfraktion der Grünen haben die Rangeleien um das Erbe von Renate Künast schon begonnen. Sollte es der früheren Verbraucherschutzministerin im September gelingen, Klaus Wowereit aus dem Roten Rathaus zu verdrängen, würde ihr Platz an der Fraktionsspitze neben Jürgen Trittin frei. Hinter den Kulissen laufen die ersten Gespräche.

Die Bewerbungskriterien sind festgelegt: Da Trittin als Vertreter des linken Flügels fest im Sattel sitzt, muss der künftige Co-Chef eine Frau sein und dem Reformer-Flügel angehören, eine „Reala“ also. Gerangel ist absehbar, denn in dieser Kategorie tummeln sich diverse grüne Frauen. In Unternehmenskreisen bekannt sein dürften vor allem die Mittelstandspolitikerin Christine Scheel aus Bayern und die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae aus Baden-Württemberg.

Die 54-jährige Scheel führte lange Jahre den Finanzausschuss des Bundestages, erhielt 2000 als erste Frau den Mittelstandspreis der Union mittelständischer Unternehmen und sitzt im Verwaltungsrat der KfW-Bankengruppe. Noch nicht ganz so lange im Geschäft ist die Freiburgerin Andreae, die jedoch als ehrgeizig und versiert gilt. Derzeit erwartet die Diplom-Volkswirtin, die mit dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, verheiratet ist, ihr drittes Kind – doch zum Zeitpunkt der Neuwahl der Fraktionsspitze würde das womöglich schon durchschlafen.

Als weitere aussichtsreiche Kandidatin gilt die Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt. Die 44-Jährige hatte den Job schon einmal inne, damals gemeinsam mit Krista Sager. Wie die anderen Damen will auch Göring-Eckardt heute noch nichts zu einer möglichen Kandidatur sagen – genau wie die anderen schließt sie sie aber auch nicht aus.

Das gilt auch für die Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer. Doch sie kommt wie Trittin aus Niedersachsen, und zwei Niedersachsen an der Spitze der Fraktion sind schlicht nicht denkbar.

In der Fraktion kann man sich auch Britta Haßelmann an der Spitze vorstellen, doch die Abgeordnete vom Niederrhein winkt als einzige ab: „Ich habe keine Ambitionen.“ Als kommunalpolitische Sprecherin und parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion sei sie wahrlich ausgelastet.

Womöglich stellen sich auch die anderen umsonst an: In der jüngsten Umfrage liegt die Berliner SPD nach Monaten erstmals wieder klar vor den Grünen, Wowereit hat seinen Vorsprung vor Künast ausgebaut. Und diese hat eines ganz klargemacht: Wird sie nicht Regierende Bürgermeisterin, bleibt sie Fraktionschefin im Bundestag.

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