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01.01.2004

14:27 Uhr

Grünen werfen Stoiber "Kreuzzug gegen das Kopftuch vor"

Streit um Raus Kopftuch-Vergleich

Mit seinen Äußerungen zum Kopftuchverbot muslimischer Lehrerinnen hat Bundespräsident Johannes Rau viel Kritik geerntet. Von den Grünen kam hingegen Zustimmung.

HB BERLIN. Der römische Kurienkardinal Joseph Ratzinger und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) wandten sich zum Jahreswechsel entschieden dagegen, bei einem Kopftuch-Verbot gleichzeitig christliche Symbole aus öffentlichen Räumen zu verbannen. Baden-Württembergs Justizministerin Corinna Werwigk- Hertneck (FDP) zeigte sich verwundert, dass für Rau das Neutralitätsgebot des Staates vorrangig sei. Die Grünen verteidigten dagegen den Bundespräsidenten.

Rau hatte in der Diskussion um Kopftuch tragende muslimische Lehrerinnen gesagt, auch Kreuze müssten aus den Schulen entfernt werden, wenn ein Kopftuch für muslimische Lehrerinnen nicht möglich sein sollte. „Wenn das Kopftuch gilt als Glaubensbekenntnis, als missionarische Textilie, dann muss das genauso gelten für die Mönchskutte, für den Kruzifix.“ Auslöser der Debatte ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Danach dürfen die Bundesländer Lehrerinnen das Tragen des Kopftuchs in Schulen verbieten, wenn sie eine gesetzliche Grundlage schaffen und alle Religionen gleich behandeln.

Ratzinger reagierte beim Jahresabschlussgottesdienst im Regensburger Dom mit scharfen Worten: „Ich würde keiner muslimischen Frau das Kopftuch verbieten, aber noch weniger lassen wir uns das Kreuz als öffentliches Zeichen einer Kultur der Versöhnung verbieten.“ Wenn der christliche Glaube aus der Öffentlichkeit verbannt werde, beraubten sich Politik und Gesellschaft einer ihrer wesentlichen Quellen für ein friedliches Zusammenleben. „Durch das Kreuz wird niemand beleidigt und wird niemandem Gewalt angetan.“ Es habe eine einmalige Bedeutung nicht nur für die Christen, sondern auch für Europa und die Welt.

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