Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2014

13:10 Uhr

Grüner Machtkampf auf dem Parteitag

Netzgeneration versus Anti-AKW-Bewegung

VonStefan Kaufmann

Ska Keller fordert das grüne Establishment heraus: Die 32-Jährige kämpft um Platz eins der deutschen Grünen für die Europawahl. Im Interview spricht sie über Freihandelsabkommen, die Troika und jammernde Europapolitiker.

Ska Keller fährt mit Selbstbewusstsein zum Parteitag der Grünen nach Dresden. dpa

Ska Keller fährt mit Selbstbewusstsein zum Parteitag der Grünen nach Dresden.

DüsseldorfSka Keller ist für Europas Grüne, was Martin Schulz für die Sozialdemokraten ist und Jean-Claude Juncker wohl für die konservative Europäische Volkspartei wird: Spitzenkandidatin und Gesicht für die Europawahl am 25. Mai. Anders als beispielsweise Schulz, ist Keller aber noch nicht die Nummer eins ihrer deutschen Parteifreunde. An diesem Wochenende stellen die deutschen Grünen in Dresden ihre Wahlliste auf.

Um Platz eins bewerben sich Ska Keller (32) und Rebecca Harms (57). Die eine kommt aus Brandenburg, steht für die grüne Jugend, ist seit fünf Jahren im EU-Parlament und engagiert sich in Flüchtlings- und Handelsfragen. Harms ist eine etablierte Europapolitikerin, seit 2004 im Europaparlament und dort Fraktionschefin. Außerdem zählt sie zu den führenden Figuren des Widerstandes gegen das Atommülllager in Gorleben. Sollte sie unterliegen, würde nach Jürgen Trittin, Renate Künast, Claudia Roth und Steffi Lemke eine weitere langjährige grüne Spitzenpolitikerin ihr Amt verlieren und Vertretern einer jüngeren Generation Platz machen müssen.

Im Interview spricht Herausforderin Ska Keller über ihre Chancen, Europa in der Krise, das Grundproblem der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den USA und ihre Wahl zu Europas Spitzen-Grüner.

Die neue Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen

Kommt aus Brandenburg

Geboren wurde die neue Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen, Franziska Maria Keller, die sich mittlerweile nur noch Ska Keller nennt, am 22. November 1981 in Wilhelm-Pieck-Stadt Guben in Brandenburg.

Kampf gegen Rechtsextremismus

Aufgewachsen ist sie an der deutsch-polnischen Grenze. In ihrer Bewerbung für den Europaparteitag schreibt sie: „Dort habe ich erlebt, wie sehr Grenzen trennen und was es bedeutet, wenn sie überwunden werden. Ich habe in meiner Heimatstadt jahrelang gegen Rechtsextremismus gekämpft. Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich mich in den letzten fünf Jahren für ein offenes Europa, eine faire Migrationspolitik und globale Gerechtigkeit eingesetzt.“

Studium in Berlin und Istanbul

Ska Keller studierte in Berlin und Istanbul Islamwissenschaft, Turkologie und Judaistik. Sie ist mit dem finnischen Aktivisten Markus Drake verheiratet und spricht sechs Sprachen.

Karriere bei den Grünen

Bei den Grünen ist Ska Keller seit 2002. Damals trat sie dem Kreisverband Spree-Neiße bei. Sie war von 2007 bis 2009 Vorstandssprecherin des grünen Landesverbands Brandenburg, war im Bundesvorstand der Grünen Jugen und ist Vorsitzende der Europäischen Grünen Jugend. Seit 2009 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Ihr Wahlkampfmotto lautete damals: „Nicht nur Opa für Europa“.

Migration und Handel

Ihre politischen Schwerpunkte sind Migrationspolitik, internationale Handelsbeziehungen und das Verhältnis der EU zur Türkei. Sie gehört dem Ausschuss für Internationen Handel, dem Ausschuss für Inneres, Justiz und bürgerliche Freiheiten und der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei an.

Frau Keller, Sie sind die neue Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen – werden Sie schon von Fremden auf der Straße erkannt?

Ska Keller: Soweit ist es noch nicht, obwohl die Aufmerksamkeit seit meiner Wahl groß ist. Allerdings kann ja selbst Kommissionspräsident Barroso noch unerkannt in den Supermarkt gehen.

Ist das nicht symptomatisch für den Stellenwert von Europas Politikern?

Es ist jedenfalls Ausdruck des Problems, dass wir weniger in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Was auch daran liegt, dass beispielsweise die Kanzlerin und andere Bundespolitiker von den Medien häufig zuerst zu europäischen Themen gefragt werden. Es nützt aber nichts, sich als Europapolitiker in die Jammerecke zu verziehen.

Was ist die Alternative?

Aktiv sein. Häufig klagen Kollegen: Die Medien, die schreiben überhaupt nichts über uns. Ich denke aber, wir sind selbst in der Pflicht, uns und unsere Themen bekannt zu machen. Beispielsweise bieten ja auch Soziale Medien die Chance, viele Menschen zu erreichen und darzulegen, was wir machen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

zarngarn

07.02.2014, 13:54 Uhr

Die grünen Bevormunder kann Europa nicht brauchen. Sie haben die deutschen explodierenden Strompreise zu verantworten mit falscher Grundlagenpolitik. Sie fordern weitere Steuern und Vermögensabgaben und haben sich nie um die deutsche Produktivität gekümmert. Letztlich haben sie allen Euro- und EU-Schwachsinn mitgetragen. Darum sind die Grünen ansolut überflüssig. Die letzte Rettung für Deutschland kann nur noch eine starke AfD werden, mit einem klaren Programm von klugen und unverbrauchten Politikern. Der Murks aller Blickparteien, bis zur milliardenschweren Vermögensentwertungen, stinkt zum Himmel. Ohne Euro und ohne EU stünden wir nicht vor diesem Dilemma. Die wirklich demokratische Schweiz lässt Grüßen. Schulden für Fremdländer übernimmt sie nicht. Und sie fährt gut dabei. Und jetzt noch das Dilemma der deutschen Verfassungsrichter, die in Feigheit wichtige deutsche Entscheidungen an den EuGH abschieben, der Deutschland wieder ein Stück abhängiger macht. Es ist zum Kotzen, erinnert aber an Vorkommnisse vor Jahrzehnten. Es wird nicht gut gehen.

Beratung

07.02.2014, 14:02 Uhr

"Netzgeneration", was soll das sein - sind das die digital naives ??

Sollen die jetzt die alten Anti-AKW-Betonköpfe ersetzen?

Damerl

07.02.2014, 14:11 Uhr

Die AfD wird genauso wenig gebraucht, wie die Grünen.
Und "kluge Politiker" sind ein Oxymoron, also kann's die auch bei der AfD nicht geben...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×