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18.07.2014

10:13 Uhr

Grunderwerbsteuer

Hessen-Grüne schröpfen Immobilienkäufer

VonDietmar Neuerer

Die Schuldenbremse, die sich die Länder auferlegt haben, trifft Immobilienkäufer hart: Jetzt hat auch Schwarz-Grün in Hessen die Grunderwerbsteuer deutlich erhöht. SPD und Steuerzahlerbund sind empört.

Einfamilienhaus in Bad Nauheim (Hessen): Immobilienkäufer müssen immer tiefer in die Tasche greifen. obs

Einfamilienhaus in Bad Nauheim (Hessen): Immobilienkäufer müssen immer tiefer in die Tasche greifen.

BerlinWer ein Haus kauft, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Grund ist, dass die Länder die Grunderwerbsteuer als lukrative Einnahmequelle entdeckt haben. Die Höhe können sie selbst festlegen. Davon machen auch immer mehr Landesregierungen Gebrauch – aus gutem Grund. Denn fast alle stehen unter einem immensen finanziellen Druck, der alleine durch die Schuldenbremse entsteht, die ab 2020 eingehalten werden muss. Selbst die Grünen haben unter diesen Umständen kein Problem damit, Immobilienkäufer zu schröpfen.

In Hessen, wo die Ökopartei mit der CDU regiert, ist eine Anhebung der Grunderwerbsteuer nun seit dieser Woche beschlossene Sache. Der Satz wird schon zum 1. August und nicht - wie ursprünglich geplant - erst zum Jahreswechsel von 5 auf 6 Prozent erhöht. Damit wurde an dieser Steuerschraube innerhalb von eineinhalb Jahren schon zum zweiten Mal gedreht. Ende 2012 hatte der Steuersatz noch 3,5 Prozent betragen.

Bauzinsen im historischen Vergleich

1980: Zinsen knapp unter zehn Prozent

Im Sommer 1980 musste man für einen Immobilienkredit rund 9,5 Prozent Zinsen bezahlen. Damit kostete den Kreditnehmer eine Finanzierung über 200.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung rund 178.000 Euro - bei einer Tilgung von einem Prozent und einem Beleihungsauslauf von 60 Prozent.

Die monatliche Rate betrug damals umgerechnet 1.750 Euro.

1990: Nach dem Mauerfall steigen die Zinsen

Nach der Wiedervereinigung wurde es für Kreditnehmer fürs Eigenheim teurer. Während man Mitte der Achtziger Jahre rund 7,5 Prozent Zinsen zahlen musste, waren es Anfang der Neunziger Jahre bereits neun Prozent und mehr. Für das oben vorgerechnete beispielhafte Darlehen von 200.000 Euro mussten Kreditnehmer rund 1.700 Euro pro Monat aufbringen.

2000: Es geht abwärts

Mit Beginn des neuen Jahrtausends brachen für Kreditnehmer bessere Zeiten an. Immobiliendarlehen waren mit sechs Prozent Zinsen so billig wie nie zuvor. Vor der Internetblase lagen die Zinsen sogar bei vier Prozent - der Aktienboom hatte die Kreditzinsen Anfang 2000 in die Höhe getrieben. Der Beispielkredit über 200.000 Euro konnte im Juni 2000 bereits mit einer Monatsrate von rund 1.200 Euro bedient werden. Die Kosten für den gesamten Kredit beliefen sich auf zehn Jahre gerechnet bei 113.000 Euro. 65.000 Euro weniger als 20 Jahre zuvor.

2010: Nach der Krise kommt das Zinstief

Zuerst die Banken-, dann die Finanz- und schließlich Schuldenkrise lasteten schwer auf Europa. Um die Wirtschaft anzukurbeln senkte die EZB die Zinsen auf ein rekordniedriges Niveau. Die Bauzinsen bewegten sich im Juni 2010 bei rund 3,6 Prozent. Im Vergleich zu 2000 halbierte sich die Monatsrate für den beispielhaften 200.000-Euro-Kredit damit fast auf rund 770 Euro. Die Kosten über zehn Jahre hinweg beliefen sich 2010 auf nur noch rund 68.000 Euro.

2014: Kredite so günstig wie nie

Die Niedrigzinsphase macht Sparern zu schaffen, hat für aber auch Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierung. Die Zinsen für den oben vorgerechneten Kredit über 200.000 Euro lagen im Juni 2014 bei rund 2,2 Prozent. Die monatliche Kreditrate betrug damit 533 Euro. Das ist weniger als ein Drittel der Rate vom Juni 1980. Vor rund 25 Jahren mussten Kreditnehmer fast die gesamte Kreditsumme als Kosten kalkulieren, heute dagegen nur noch 42.000 Euro, also knapp ein Fünftel. Seitdem gin es noch einmal gut 20 Basispunkte runter.

Der Unterschied von 2,5 Prozentpunkten verteuert den Immobilienkauf enorm: Für den Käufer bedeutet er nach Berechnungen der Immobilienzeitung einen über 70 Prozent höheren Steuerbetrag, den er dem Finanzamt zahlen muss. Bei einem Kaufpreis von 200.000 Euro sind demnach ab August 12.000 Euro Steuer zu zahlen. 2012 waren es nur 7.000 Euro.

Der Hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) warb um Verständnis für die Steuererhöhung. „Die Regierungsparteien von CDU und Grünen haben sich die Erhöhung nicht leicht gemacht“, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im Wiesbadener Landtag. Das Land habe aber nur sehr wenige Möglichkeiten, eigene Einnahmen zu generieren, eine davon sei die Grunderwerbsteuer.

Schäfer verteidigte die Maßnahme auch damit, dass die Höhe des Steuersatzes in anderen Ländern ebenfalls bereits mehrfach erhöht worden sei. „Die Erhöhung ist Teil eines Maßnahmenpaketes, das wir mit den finanzpolitischen Leitlinien verbindlich festgeschrieben haben“, sagte er. Die höheren Einnahmen ermöglichten eine stärkere Senkung der Nettokreditaufnahme schon in diesem Jahr. Laut der geltenden Schuldenbremse in Hessen ist dieses ausschlaggebend für die Rückführung des Haushaltsdefizits hin zur Nettoneuverschuldung von null spätestens 2020.

Die Entscheidung, die Steuer zur Haushaltssanierung zu erhöhen, sorgt für große Empörung – bei der SPD und beim Steuerzahlerbund.

Kommentare (31)

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Herr Woldemar von Stechlin

18.07.2014, 10:43 Uhr

Und gleichzeitig werden dann unsinne Subventionen für Vermögenswirksame Leistungen (VL) verballert, mit denen die Leute für Eigenheim sparen sollen.

Aber egal was passiert, die Menschen wählen ja weiterhin brav die Blockparteien. Dabei gibt es Alternativen....

Herr Ferdinand Loeffler

18.07.2014, 10:47 Uhr

"Im März dieses Jahres verzeichneten die Länder sogar so hohe Einnahmen wie noch nie." Man sollte diese Geldverschwender in den Parlamenten alle zum Teufel jagen. Da werden 50 % der gesamten Grunderwerbsteuereinnahmen in einem nie fertig werdenden Flughafen versenkt und der Bürger lässt sich das alles gefallen. Es müssen einfach mehr Bürgerentscheide her.

Herr Andreas Maehler

18.07.2014, 10:57 Uhr

die verschwenden das geld nicht. Es wird sinnvoll angelegt. Der umbau von - wegen geldmangel geschlossenen altenheimen und schulen - zu willkommenspalästen für geschundene flüchtlinge kostet pro flüchtling 2TE.

Das ist eine sinnige geldanlage für die facharbeiter der zukunft.

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