Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2014

15:58 Uhr

Grunderwerbsteuer

Immobilienkäufer werden zum Spielball der Politik

VonDietmar Neuerer

Viele Bundesländer sind überschuldet. Umso froher sind die Kassenwarte, dass sie mit der Grunderwerbsteuer eine lukrative Einnahmequelle haben. Dass es sich lohnt, Immobilienkäufer abzukassieren, zeigt eine Studie.

Bundesbank warnt

Droht Deutschland eine Immobilienblase?

Bundesbank warnt: Droht Deutschland eine Immobilienblase?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinNordrhein-Westfalen steht das Wasser bis zum Hals. Haushaltskonsolidierung und die Vorgaben der Schuldenbremse im Jahr 2020 machen der rot-grünen Landesregierung schwer zu schaffen. Geld muss her – schnell und unbürokratisch. Zupass kommt den Koalitionären, dass sie just in dieser kritischen Lage die Möglichkeit haben, selbst an der Steuerschraube zu drehen.

So beschlossen kürzlich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne, den Satz für die sogenannte Grunderwerbsteuer anzuheben. Käufer von Grundstücken, Häusern und Wohnungen zahlen vom 1. Januar 2015 dann nicht mehr fünf, sondern 6,5 Prozent. Seit der Fiskalföderalismusreform des Jahres 2006 ist die Grunderwerbsteuer die einzige Steuer, deren Höhe die Bundesländer selbst bestimmen.

Die Grunderwerbsteuer fällt beim Kauf von bebauten wie unbebauten Grundstücken an. Bei der Bemessungsgrundlage wird auch der Wert der Immobilie eingerechnet. Dass sich mit der Steuer wunderbar Kasse machen lässt, hat NRW schon einmal bewiesen. Erst 2011 war sie von 3,5 auf 5 Prozent erhöht worden. NRW ist kein Einzelfall. Auch andere Bundesländer haben diese nie versiegende Einnahmequelle für sich entdeckt.

Bauzinsen im historischen Vergleich

1980: Zinsen knapp unter zehn Prozent

Im Sommer 1980 musste man für einen Immobilienkredit rund 9,5 Prozent Zinsen bezahlen. Damit kostete den Kreditnehmer eine Finanzierung über 200.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung rund 178.000 Euro - bei einer Tilgung von einem Prozent und einem Beleihungsauslauf von 60 Prozent.

Die monatliche Rate betrug damals umgerechnet 1.750 Euro.

1990: Nach dem Mauerfall steigen die Zinsen

Nach der Wiedervereinigung wurde es für Kreditnehmer fürs Eigenheim teurer. Während man Mitte der Achtziger Jahre rund 7,5 Prozent Zinsen zahlen musste, waren es Anfang der Neunziger Jahre bereits neun Prozent und mehr. Für das oben vorgerechnete beispielhafte Darlehen von 200.000 Euro mussten Kreditnehmer rund 1.700 Euro pro Monat aufbringen.

2000: Es geht abwärts

Mit Beginn des neuen Jahrtausends brachen für Kreditnehmer bessere Zeiten an. Immobiliendarlehen waren mit sechs Prozent Zinsen so billig wie nie zuvor. Vor der Internetblase lagen die Zinsen sogar bei vier Prozent - der Aktienboom hatte die Kreditzinsen Anfang 2000 in die Höhe getrieben. Der Beispielkredit über 200.000 Euro konnte im Juni 2000 bereits mit einer Monatsrate von rund 1.200 Euro bedient werden. Die Kosten für den gesamten Kredit beliefen sich auf zehn Jahre gerechnet bei 113.000 Euro. 65.000 Euro weniger als 20 Jahre zuvor.

2010: Nach der Krise kommt das Zinstief

Zuerst die Banken-, dann die Finanz- und schließlich Schuldenkrise lasteten schwer auf Europa. Um die Wirtschaft anzukurbeln senkte die EZB die Zinsen auf ein rekordniedriges Niveau. Die Bauzinsen bewegten sich im Juni 2010 bei rund 3,6 Prozent. Im Vergleich zu 2000 halbierte sich die Monatsrate für den beispielhaften 200.000-Euro-Kredit damit fast auf rund 770 Euro. Die Kosten über zehn Jahre hinweg beliefen sich 2010 auf nur noch rund 68.000 Euro.

2014: Kredite so günstig wie nie

Die Niedrigzinsphase macht Sparern zu schaffen, hat für aber auch Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierung. Die Zinsen für den oben vorgerechneten Kredit über 200.000 Euro lagen im Juni 2014 bei rund 2,2 Prozent. Die monatliche Kreditrate betrug damit 533 Euro. Das ist weniger als ein Drittel der Rate vom Juni 1980. Vor rund 25 Jahren mussten Kreditnehmer fast die gesamte Kreditsumme als Kosten kalkulieren, heute dagegen nur noch 42.000 Euro, also knapp ein Fünftel. Seitdem gin es noch einmal gut 20 Basispunkte runter.

Als beschlossen wurde, die Hoheit über die Grunderwerbsteuer auf die Länder zu übertragen, lag der einheitliche Steuersatz bei 3,5 Prozent. Heute beträgt der Steuersatz durchschnittlich bei 5,2 Prozent. „Innerhalb von nur acht Jahren hat sich der Steuersatz also um knapp 50 Prozent erhöht, in drei Bundesländern hat er sich sogar fast verdoppelt“, konstatiert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in eine Studie.

Insgesamt 14 von 16 Bundesländern haben demnach heute einen höheren Steuersatz als noch 2006. Kein Bundesland hat die Steuerlast reduziert. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich, insbesondere im Vergleich mit dem europäischen Ausland, eher im oberen Bereich, schreiben die Studienautoren.

Wenig verwunderlich ist, dass vor allem die finanzschwächeren Länder die Steuerbelastung deutlich angehoben haben. Berlin hat als erstes Land die Steuern erhöht und liegt jetzt bei sechs Prozent. Das Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind mit 6,5 Prozent die Spitzenreiter bei der Grunderwerbsteuer. Die einzigen Länder, die nicht erhöht haben, sind mit Sachsen und Bayern die jeweilig finanzstärksten Länder in Ost- und Westdeutschland.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Frank Stöckel

10.12.2014, 16:25 Uhr

Hier wird nur die Erhöhung Grunderwerbssteuer angeprangert. Was ist aber mit der Grundsteuer, die sich auch auf Rekordhöhe befindet? Gerade im Ruhrgebiet das Armenhaus in NRW ist zb. in Duisburg für ein Einfamilienhaus mal eben 100 Euro im Monat dafür fällig! Hier wird der Bürger, der sich sein Häuschen vom Mund abgespart hat, gerade im Alter um seine Existenz gebracht. Bei einer Durschnittsrente von 1000 Euro sind dies dann 10% der Rente!

Herr Ferdinand Loeffler

10.12.2014, 16:28 Uhr

In Hessen musste die GrESt schon deshalb angehoben werden, um die (wahrscheinlich nutzlose aber riesige) hessische Vetretung bei der EU in Brüssel zu finanzieren. Wobei auch die hessische CDU gegen Steuererhöhungen ist, oder doch nicht so richtig. Wer immer noch die etablierten Parteien wählt, ist selbst schuld an Steuererhöhungen. Es gibt ja in der Zwischenziet Alternativen.

Account gelöscht!

10.12.2014, 16:53 Uhr

Immobilien heißen so, weil man sie nicht mitnehmen kann, wenn man aus diesem Land heraus will.
Daher ist bei gestimmten Gruppen mobile Währung angesagt: Zeiteisen etwa mit Diamanten besetzt, Goldketten, aber auch Diamanten als klassische Fluchtwährung mit globaler Liquidität.

Immobilen kosten außer Grunderwerbsteuer, die sich seit den 70ern des letzten JH hier und dort leicht verdoppelten jedoch auch noch Grundsteuer, welche die Gemeinden zumeist erheben und die auch recht disponibel wären.

So melkt der Fiskus auf allen ebenen all diejenigen ab, die es nicht besser wissen und/oder können.
Eine deutliche Zweiklassengesellschaft eben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×