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11.07.2014

06:46 Uhr

Grunderwerbsteuer

Melkkuh Immobilienkäufer

VonDietmar Neuerer

Der Immobilienboom weckt Begehrlichkeiten. Seit die Länder die Grunderwerbsteuer selber festlegen können, drehen sie an der Steuerschraube. Immobilienkäufer müssen immer tiefer in die Tasche greifen.

Wohnhäuser mit Luxuswohnungen auf der Schwedter Straße in Berlin (Archivbild): Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen Immobilienkäufer in der Hauptstadt nicht mehr fünf, sondern sechs Prozent Grunderwerbsteuer zahlen. dpa

Wohnhäuser mit Luxuswohnungen auf der Schwedter Straße in Berlin (Archivbild): Seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen Immobilienkäufer in der Hauptstadt nicht mehr fünf, sondern sechs Prozent Grunderwerbsteuer zahlen.

BerlinIn Ballungsgebieten sind die Immobilienpreise zuletzt stark gestiegen. Die Entwicklung mag so manchen Kaufinteressenten abschrecken, für die Bundesländer ist der Boom jedoch eine große Freude. Denn er beschert ihnen Rekordeinnahmen. Die Länder profitieren von der Grunderwerbsteuer, die beim Übertragen einer inländischen Immobilie erhoben wird, also wenn ein Kaufvertrag über ein Grundstück, Haus oder eine Wohnung in Deutschland geschlossen wird.

Seit der Föderalismusreform 2006 können die Bundesländer selbst über den Grunderwerbsteuersatz bestimmen, zuvor lag dieses Recht beim Bund. Von ihrem Recht, Immobilienkäufer nach eigenem Gusto zu schröpfen, machen auch fast alle Länder hemmungslos Gebrauch. „Vom Immobilienboom in den Ballungsgebieten profitieren die Bundesländer über ein höheres Aufkommen an Grunderwerbsteuer. Dabei profitieren viele Bundesländer sogar doppelt“, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, Handelsblatt Online. Die Grunderwerbsteuer bemesse sich nach dem Kaufpreis. „Erhöhen sich die Preise, erhöht sich auch die Besteuerungsgrundlage“, erläutert Eigenthaler.

Bauzinsen im historischen Vergleich

1980: Zinsen knapp unter zehn Prozent

Im Sommer 1980 musste man für einen Immobilienkredit rund 9,5 Prozent Zinsen bezahlen. Damit kostete den Kreditnehmer eine Finanzierung über 200.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung rund 178.000 Euro - bei einer Tilgung von einem Prozent und einem Beleihungsauslauf von 60 Prozent.

Die monatliche Rate betrug damals umgerechnet 1.750 Euro.

1990: Nach dem Mauerfall steigen die Zinsen

Nach der Wiedervereinigung wurde es für Kreditnehmer fürs Eigenheim teurer. Während man Mitte der Achtziger Jahre rund 7,5 Prozent Zinsen zahlen musste, waren es Anfang der Neunziger Jahre bereits neun Prozent und mehr. Für das oben vorgerechnete beispielhafte Darlehen von 200.000 Euro mussten Kreditnehmer rund 1.700 Euro pro Monat aufbringen.

2000: Es geht abwärts

Mit Beginn des neuen Jahrtausends brachen für Kreditnehmer bessere Zeiten an. Immobiliendarlehen waren mit sechs Prozent Zinsen so billig wie nie zuvor. Vor der Internetblase lagen die Zinsen sogar bei vier Prozent - der Aktienboom hatte die Kreditzinsen Anfang 2000 in die Höhe getrieben. Der Beispielkredit über 200.000 Euro konnte im Juni 2000 bereits mit einer Monatsrate von rund 1.200 Euro bedient werden. Die Kosten für den gesamten Kredit beliefen sich auf zehn Jahre gerechnet bei 113.000 Euro. 65.000 Euro weniger als 20 Jahre zuvor.

2010: Nach der Krise kommt das Zinstief

Zuerst die Banken-, dann die Finanz- und schließlich Schuldenkrise lasteten schwer auf Europa. Um die Wirtschaft anzukurbeln senkte die EZB die Zinsen auf ein rekordniedriges Niveau. Die Bauzinsen bewegten sich im Juni 2010 bei rund 3,6 Prozent. Im Vergleich zu 2000 halbierte sich die Monatsrate für den beispielhaften 200.000-Euro-Kredit damit fast auf rund 770 Euro. Die Kosten über zehn Jahre hinweg beliefen sich 2010 auf nur noch rund 68.000 Euro.

2014: Kredite so günstig wie nie

Die Niedrigzinsphase macht Sparern zu schaffen, hat für aber auch Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierung. Die Zinsen für den oben vorgerechneten Kredit über 200.000 Euro lagen im Juni 2014 bei rund 2,2 Prozent. Die monatliche Kreditrate betrug damit 533 Euro. Das ist weniger als ein Drittel der Rate vom Juni 1980. Vor rund 25 Jahren mussten Kreditnehmer fast die gesamte Kreditsumme als Kosten kalkulieren, heute dagegen nur noch 42.000 Euro, also knapp ein Fünftel. Seitdem gin es noch einmal gut 20 Basispunkte runter.

Hinzu kommt, dass bis auf Bayern und Sachsen die Länder auch die Steuersätze erhöht haben. Während Bayern und Sachsen immer noch 3,5 Prozent ansetzen, den Satz, der von 1998 bis 2006 bundesweit galt, verlangt Berlin sechs Prozent Grunderwerbsteuer. „Das sind über 70 Prozent mehr als in Bayern“, sagt der Steuerexperte. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein, wo sogar 6,5 Prozent anfallen.

Die nächste Erhöhung steht in Hessen an, wo die Grunderwerbsteuer ab 1. August 2014 von fünf auf sechs Prozent steigen soll. Die saarländische Regierung hat eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer um einen Prozentpunkt auf 6,5 Prozent bereits beschlossen. Dem Land soll das Mehreinnahmen von 33 Millionen Euro im Jahr bringen.

Überhaupt hat sich für die Länder – auch bedingt durch die Preissprünge bei Immobilien – die Steuer auf den Grunderwerb zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickelt. Im Jahr 2010 nahmen die Bundesländer damit rund 5,3 Milliarden Euro ein. Das war etwa ein Hundertstel des gesamten Steueraufkommens in Deutschland. 2013 lag das Steueraufkommen schon bei 8,4 Milliarden Euro, für dieses Jahr rechnen die Steuerschätzer mit 9,2 Milliarden, bis 2018 mit 9,6 Milliarden Euro.

Im März dieses Jahres verzeichneten die Länder sogar so hohe Einnahmen wie noch nie. Nicht zuletzt wegen Erhöhungen des Steuersatzes in mehreren Ländern stieg das Aufkommen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums um 11,3 Prozent. Dank des Immobilienbooms ist das Grunderwerbsteueraufkommen mittlerweile fast doppelt so hoch wie das der Erbschaftsteuer. Noch 2009 war das Aufkommen beider Steuern fast gleich groß.

Kommentare (17)

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Herr Woldemar von Stechlin

11.07.2014, 08:41 Uhr

Steuern, Steuern und noch mal Steuern.

Aber die Menschen scheint es nicht zu stören.

Sonst würden sie nicht immer wieder die Blockpartien wählen. Auch bei den kommenden Landtagswahlen werden die Leute wieder pro Steuern votieren. Also bitte Fresse halten und zahlen!

Herr Michael Hoffmann

11.07.2014, 09:14 Uhr

Ein wesentliches Konstruktionsproblem dabei ist, daß die Grunderwerbssteuer praktisch die einzige Steuer ist, deren Höhe die Länder selbst festlegen können. Sie haben also keine andere "Schraube", an der sie für höhere Einnahmen drehen könnten

Herr Josef Schmidt

11.07.2014, 09:23 Uhr

Wenn die Steuern erhöht werden wir es zu einer Landflucht kommen denn die wirkt sich auch auf die Nebenkosten aus und diese sind schon jetzt manchem zu hoch. Dann purzeln die Immopreise in der Stadt wieder.

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