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02.02.2012

06:41 Uhr

Grundsatzrede

Merkel wirbt in China um Vertrauen für Europa

VonFinn Mayer-Kuckuk

Angela Merkel auf wichtiger Mission in China: Mit einer Grundsatzrede wirbt die Bundeskanzlerin vor chinesischen Akademikern um Vertrauen in den Euro - das in Fernost durch die Schuldenkrise arg gelitten hat.

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PekingKanzlerin  Angela Merkel versucht in Peking, durch eine Vorwärtsstrategie neues Vertrauen in den Euro zu wecken. „Wir haben keine Krise unserer Währung, sondern eine Schuldenkrise und eine der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Merkel am Donnerstag in Peking bei einer Rede vor der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS).

In China waren zuletzt Zweifel laut geworden, ob der Euro das Schuldendebakel der Südländer überlebt. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren große Fortschritte gemacht“, hielt Merkel diesen Stimmen entgegen. Der vor wenigen Tagen abgeschlossene Fiskalpakt lege die für größere Haushaltsstabilität und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Merkel besucht von Donnerstag bis Samstag die chinesischen Städte Peking und Guangzhou. Im weiteren Verlauf des Donnerstags wird Merkel unter anderem mit dem chinesischen Premier Wen Jiabao zusammentreffen und voraussichtlich über die Iranpolitik, die Menschenrecht, über Handelsfragen und über mögliche chinesische Investments in der Eurozone sprechen.

China und Deutschland im Zahlenvergleich

Fläche in Quadratkilometern (gerundet)

China: 9.600.000
Deutschland: 357.000

Bewaldete Fläche

China: 22 Prozent
Deutschland: 32 Prozent
(Angaben von 2010)

Landwirtschaftlich genutzte Fläche

China: 56 Prozent
Deutschland: 48 Prozent
(Angaben von 2009)

Einwohner

China: 1.347.000.000
Deutschland: 82.000.000
(Angaben von 2011, Zahlen gerundet)

Lebenserwartung von Frauen

China: 75 Jahre
Deutschland: 83 Jahre
(Angaben von 2009)

Lebenserwartung von Männern

China: 72 Jahre
Deutschland: 77 Jahre
(Angaben von 2009)

Breitband-Internetanschlüsse je 100 Einwohner

China: 8
Deutschland: 31
(Angaben von 2009)

Personenwagen je 1000 Einwohner

China: 27
Deutschland: 502
(Angaben von 2008)

CO2-Emission pro Kopf in Tonnen

China: 5
Deutschland: 10
(Angaben von 2008)

Quellen: Weltbank, CIA, Statistisches Bundesamt, Deutsche Botschaft in Peking, Auswärtiges Amt

Die Kanzlerin erklärte vor einem Publikum chinesischer Akademiker im Detail, dass die Euroländer nun zum Wohle der Gemeinschaft einen Teil ihrer Souveränität abgeben. „Wenn wir nicht bereit sind, Schritt für Schritt eine Budgetkontrolle durchzusetzen, wird Europa nicht gelingen.“ Der am Montag besiegelte Fiskalpakt sei jedoch ein Anfang, um entsprechende Mechanismen zu schaffen. „Nur wer den Fiskalpakt unterzeichnet hat, kann auf Hilfe aus dem europäischen Stabilitätsmechanismus hoffen. Solidarität und Stabilität sind jetzt zwei Seiten einer Medaille.“

Es würde der Kanzlerin politisch enorm helfen, wenn Peking als Vertrauensbeweis einen stärkeren Ankauf europäischer Staats- und Eurohilfsanleihen ankündigen würde. Merkels Besuch steht daher unter den Vorzeichen der Eurokrise: Chinesische Investitionen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds wären derzeit hoch willkommen, um den Mitteln einen Hebel zu verleihen. Gerade Deutschland als wichtigstes Geberland würde durch ein Engagement der fernöstlichen Wirtschaftsmacht entlastet. China verfügt über Devisenreserven in Höhe von 2,7 Billionen Euro, von denen sich zumindest ein Teil einsetzen ließe, um  europäische Papiere zu kaufen.

Kommentare (19)

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Machiavelli

02.02.2012, 07:36 Uhr

Liebe Frau Merkel,
die EU und Eurozone sind zu einem Exportreservat für deutsche Großkonzerne entartet. Die im Euroraum realisierte Gewinne werden zum größten Teil von diesen in Nichteuroländer reinvestiert.
Daher die hohe Arbeitslosigkeit und die daraus resultierende Defizite in den Peripherieländern.
Dass Sie jetzt für chinesische Investitionen in Euroraum werben ist schon eine Provokation, sorgen Sie dafür dass die im Euroraum realisierte Gewinne wieder im Euroraum reinvestiert werden.
Sie sollten außerdem endlich dem deutschen Volk die Wahrheit sagen:
Die Europäische Währungsunion kann nur dann überleben wenn eine echte funktionierende Fiskalunion, mit gemeinsamer Verantwortung und Teilaufgabe der Steuerhoheit durch die einzelne Euro-Länder an eine zentrale Steuerbehörde, beschlossen und vereinbart wird.
Kurzfristig ist das herrschende Gesetzt des Stärkeren für Deutschland vom Vorteil, langfristig wird sie zwangsläufig verantwortlich für den Zusammenbruch der Währungsunion sein.
Ein Neokolonialismus werden sich die Europäische Völker von Deutschland nicht aufzwingen lassen. Nicht Almosen und nicht Gegeneinander sondern Zusammenhalt ist jetzt mehr denn je bitter nötig.

KFR

02.02.2012, 08:00 Uhr

eine "Schuldenkrise und eine der Wettbewerbsfähigkeit“ wird nun mal knallhart über die Währung, Preise und Investitionen geklärt; irgendwelche romantischen Vorstellungen und Traumwelten einer Ex-FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda kommen auch bei den chinesischen Genossen nicht mehr an.

Account gelöscht!

02.02.2012, 08:46 Uhr

Fahren Sie doch einmal durch Polen, die Tschechei oder Ungarn. Dort sehen Sie, wie durch Investitionen deutscher Unternehmen Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand entstanden ist. Auch China ist ein großer Profiteur der deutschen Wirtschaft und unseres know hows. Nun in einer Krisenzeit auch die bisherigen Profiteure einzuladen sich zur Abwechslung einmal in Europa zu engagieren ist mehr als recht. Der griechischen Wirtschaft können selbst die Chinesen nicht mehr helfen, da dort keine funktionierender Staatsapparat besteht. Vielleicht können aber Klassenkämpfer wie Sie sich dort engagieren und bei Wein und Schafskäse von einer besseren Welt ohne Arbeit träumen.

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