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19.01.2007

13:12 Uhr

Günther Beckstein

Beckstein: Volksnaher Franke mit Hang zur Härte

VonThomas Sigmund

1993 kämpft Günther Beckstein in der fränkischen CSU offen für Stoiber und gegen Theo Waigel als Nachfolger des über die Amigo-Affäre gestürzten Ministerpräsidenten Max Streibl. Stoiber belohnt Beckstein mit Ministerehren und einer Vertrauensstellung. Doch Politik ist ein schnelllebiges Geschäft.

Seine Anzüge von der Stange zeichnen Günther Beckstein als Mann des Volkes aus. Foto: Archiv dpa

Seine Anzüge von der Stange zeichnen Günther Beckstein als Mann des Volkes aus. Foto: Archiv

BERLIN. Es ist noch keine vier Wochen her, als Günther Beckstein seine politischen Ambitionen begrub. In einem „Taz“-Interview antwortete er auf die Frage, ob für ihn der Traum vom Ministerpräsidentenamt vorbei sei: „Ja, der ist abgehakt.“ Der 63-jährige Franke erzählte von seinem Hörsturz und dass er seitdem ein Hörgerät trage. Selbst eine Kandidatur bei der Landtagswahl 2008 hatte er wegen seines Alters offen gelassen. Sätze, die ihm vielleicht noch leidtun, sollte er als Nachfolger von Edmund Stoiber im Ministerpräsidentenamt in den Wahlkampf ziehen.



Ironie der Geschichte: 1993 kämpfte Beckstein in der fränkischen CSU offen für Stoiber und gegen Theo Waigel als Nachfolger des über die Amigo-Affäre gestürzten Ministerpräsidenten Max Streibl. Stoiber belohnte Beckstein mit Ministerehren und einer Vertrauensstellung. Doch Politik ist ein schnelllebiges Geschäft. „Ich habe immer erklärt, dass ich gegen Edmund Stoiber nie kandidieren werde. Mit der heutigen Erklärung ist eine andere Situation da“, sagte Beckstein gestern und brachte sich für den Posten in Stellung.



Die Fußstapfen Stoibers zwar sind groß. In einem Punkt dürfte Beckstein aber im Vorteil sein. Die Frage nach der größten Schwäche Stoibers beantwortet die CSU-Basis schnell: Zu kühl, da fehlen Herz und Seele. Parteistrategen sahen deshalb schon nach dem geplanten Wechsel Stoibers nach Berlin im Herbst 2005 die Rolle des Landesvaters für Beckstein wie auf den Leib geschneidert. Zwar haftet ihm das Hardliner-Image seiner Ausländerpolitik an, obwohl seine Forderungen oft längst auch von ärgsten Kritikern umgesetzt werden. Die Grünen plakatierten sogar in einem bayerischen Landtagswahlkampf: „Beckstein würde auch Jesus abschieben.“ Ein Vorwurf, der den engagierten evangelischen Christen hart traf. Die Bayern wählen ihn in Umfragen aber trotzdem seit langem zum populärsten Politiker.



Der Grund liegt in der Person Becksteins: Seine Anzüge von der Stange zeichnen ihn als Mann des Volkes aus. Wenn Beckstein als Schafhirt verkleidet für die Fotografen posiert, kommt der gelernte Rechtsanwalt am Stammtisch immer noch authentischer an als Stoiber. Nicht umsonst gehört es zu den gängigen Spötteleien in der Partei, Stoiber sehe im Trachtenanzug aus wie ein als Bayer verkleideter Preuße. Beim Thema Humor punktet Beckstein ebenfalls: Stoiber sei eine „dicke Akte lieber als eine schlanke Nackte“, kalauerte er zu dessen 60. Geburtstag. Der Angesprochene rang sich nur mühsam ein Lächeln ab. Beckstein ist sich dagegen nicht zu schade, sich im Fasching schon mal zu schminken und als Frau verkleidet aufzutreten. „Seine Stärke ist seine politische Bandbreite“, räumen sogar Oppositionspolitiker ein. „Mit der Law-and-Order-Politik könnte er die politische Rechte einbinden und gleichzeitig als evangelischer Synodaler den Herz-Jesu-Sozialflügel für die CSU gewinnen.“



Wie Beckstein als Ministerpräsident bundespolitisch agieren würde, darüber wollte am Donnerstag in der CSU niemand so richtig spekulieren. Landespolitisch sollte man sich aber nicht nur auf einen „Ministerpräsidenten des Übergangs“ einstellen. Becksteins Ehrgeiz sei groß. Ehrgeiz, den vor allem Erwin Huber im bayerischen Erbfolgekrieg nach der Bundestagswahl zu spüren bekam. Beckstein schloss aus, unter einem Ministerpräsidenten Huber dem Kabinett anzugehören. Eine Variante, die jetzt ja nicht mehr in Frage käme.



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