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02.02.2015

06:38 Uhr

Günther Jauch

Blackout, biblische Wunder und Griechen-Witze

VonChristian Bartels

Der Stromausfall war der Höhepunkt: Danach gab's bei Günther Jauch nur bildgewaltige Vergleiche, Spekulationen aus der Ferne, einen blassen AfD-Mann Lucke und schale Griechen-Witze. Die haben allerdings Folgen.

Viel erhellendes brachte der verspätete Talk nicht, dafür bildgewaltige Vergleiche.

Günther Jauch (links), Katja Kipping und Wolfgang Bosbach:

Viel erhellendes brachte der verspätete Talk nicht, dafür bildgewaltige Vergleiche.

BerlinUm kurz vor elf Uhr griff der CDU-Innenpolitiker und abgehärtete Talkshow-Veteran Wolfgang Bosbach zu einem der weitreichendsten Vergleiche, die wohl jemals in deutschen Talkshows zu hören waren. „Es wäre das größte Wunder seit der Auferstehung des Herrn, wenn Griechenland in der Lage wäre, die aufgenommenen Schulden pünktlich und in voller Höhe zurückzuzahlen“, sagte er da.

Wie genau Bosbach das meinte und ob es Rückschlüsse auf die Haltung der Bundesregierung zuließ, ging in allgemeinem Durcheinanderreden unter. Günther Jauchs Talkshow mit dem Titel „Der Euro-Schreck – Wohin führt die Griechen-Wut?“ erwies sich als ebenso bissiger wie fruchtloser Austausch überwiegend bekannter Meinungen.

Programmgemäß hätte sie um kurz vor elf auch schon zu Ende sein müssen. War sie aber nicht. Denn der Anfang lief anders als geplant. „Wegen eines Stromausfalls in Teilen Berlins kann ,Günther Jauch' derzeit nicht live senden“, wurde zunächst eingeblendet. Dazu war irgendjemand bei der ARD auf die seltsame Idee gekommen, Ausschnitte aus der zwei Jahre alten Talksendung zu wiederholen, in der Jauch mit dem österreichischen Entführungsopfer Natascha Kampusch sprach.

Die Hilfsprogramme für Griechenland

Zwei Hilfspakete

Um eine Staatspleite abzuwenden, unterstützen die internationalen Geldgeber Griechenland seit Mai 2010. Dabei helfen die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit zwei Hilfspaketen von zusammen rund 240 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) überwacht gemeinsam mit IWF und EU die Hilfen.

Das erste Hilfsprogramm

Beim ersten Hilfsprogramm erhielt Athen Kredite direkt von den Euro-Partnern. 73 Milliarden Euro sind ausgezahlt worden, der deutsche Anteil liegt bei 15,17 Milliarden Euro.

Schuldenschnitt

Außerdem gab es einen Schuldenschnitt: Dabei mussten Griechenlands private Gläubiger mehr als die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben. Dieser Schritt vom März 2012 verringerte den Schuldenberg Griechenlands auf einen Schlag um 100 Milliarden Euro.

Das zweite Hilfsprogramm

Aus dem zweiten Hilfsprogramm sind bislang rund 153 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen. Sie kommen aus dem gemeinsamen Euro-Rettungsschirm EFSF und vom IWF.

Erst nach gut 20 Minuten ging Jauch live auf Sendung – und strapazierte gleich mehrmals den schalen Gag, beim Stromausfall habe es sich um „griechische Verhältnisse“ gehandelt. Das kam bei den Zuschauern nicht gut an. Bei Twitter brach ein Shitstorm los.

Die fehlenden 20 Minuten hängte die ARD hinten dran – trotz der arg zähen Diskussion. „Wir haben den Menschen Rettungsringe zugeworfen, und sie empfinden sie als Bleiwesten“ – so lautete ein weiterer bildgewaltiger Bosbach-Vergleich. Der CDU-Mann war mit viel Zahlenmaterial und vor allem europäischen Vergleichen bewaffnet: Griechenland habe doppelt so hohe Arbeitskosten wie Polen und die Hälfte der Produktivität. Steuerzahler in anderen Ländern sollten nicht bezahlen, was der neue Ministerpräsident seinen Wählern versprochen hat.

Am schärfsten Kontra gab die Linke-Vorsitzende Katja Kipping. Sie zeigte sich ähnlich kämpferisch beim unbeirrten Weiterreden wie Bosbach und geißelte die „sozialpolitische Vernichtungsschneise“. Die hätten das „Kürzungsdiktat“ der EU und der Troika geschlagen.

Vom AfD-Parteitag aus Bremen nach Berlin-Schöneberg geeilt war Parteichef Bernd Lucke. Zwar vibrierte er körpersprachlich geradezu vor Energie, kam aber selten zu Wort. Bosbachs „Der estnische Rentner soll nicht dafür bezahlen, dass es in Griechenland Weihnachtsgeld gibt“, nannte Lucke „zynisch: Wer hat denn die estnischen Rentner in diesen Haftungsverbund hineingetrieben?“.

Die Position Griechenlands dem Publikum näherzubringen, war dem Journalisten und Blogger Michalis Pantelouris als Deutsch-Griechen zugedacht. „Blogger, Autor, Olivenöl“ steht in seinem Twitter-Account. Und tatsächlich berichtete der Hamburger, dass seine Versuche, in „einer modernen Form von Ölmühle“ Olivenöl zu produzieren, seit drei Jahren an der griechischen Bürokratie scheiterten.

Bisher sei das Land „die Beute von zwei verschiedenen Parteienclans“ gewesen, zuletzt sei „ein untaugliches Programm auf eine unfähige Regierung gestoßen“. Daher knüpft Pantelouris an die neue Syriza-Regierung die Hoffnung, dass sie es „möglichweise hinkriegt, ein modernes, transparentes, nichtkorruptes Griechenland zu schaffen“.

Kommentare (31)

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Herr Uwe Warschkow

02.02.2015, 07:55 Uhr

Der Griechen Blogger hat Null Ahnung.Selbst mit seiner Firma an Griechenlands Bürokratie gescheitert,verspricht er jetzt das Blaue vom Himmel.Zentraler Punkt,die Besteuerung der griechischen Reeder.Er hat Null Ahnung.Dazu bedarf es einer Verfassungsänderung in Griechenland und dazu bedarf es einer Zwei-Drittel Mehrheit im griechischen Parlament,die nie und nimmer vorhanden ist.

Herr Rene Weiß

02.02.2015, 08:15 Uhr

Es bräuchte mehr Politiker wie Herrn Bosbach.

Herr Günther Schemutat

02.02.2015, 08:18 Uhr

Ein halber Grieche,ein Bosbach für die Rückzahlung,ein Lucke der Griechenland aus den Euro will, eine Linke die sich um die Armen in Griechenland sorgt.,eine Daxexpertin warum auch immer..

Alle zusammen mit Jauch haben nur Sendezeit vergeudet. Die Griechen dürfen nicht aus dem Euro , dann können sie gleich die EU verlassen. Aber wer genau beobachtet, hört wie Deutsche Politiker uns den Bürger wieder endecken.. Jetzt wollen alle das Geld von uns Deutschen retten, was sie vorher ohne uns zu fragen massiv verteilt haben..

Danach kommen die Lösungen zum Wohl für uns Steuerzahler:. Wenn wir Griechenland nicht entschulden, dann wird das für uns Steuerzahler viel teurer..

Darum die Entschuldung..

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