Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2015

07:09 Uhr

Günther Jauch

Europa und die Zukunft am „sehr dünnen Faden“

VonChristian Bartels

Kann Europa für Frieden in der Ukraine sorgen? Die Frage hat bei Günther Jauch für Streit gesorgt. Mittendrin: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Ex-US-Botschafter John Kornblum. Lösungsansätze bleiben rar.

Der Günther-Jauch-Talk zum Verhältnis zwischen Russland und dem Westen bildete zumindest die gesellschaftliche Diskussion ab. Screenshot ARD

Streitfreudige Runde

Der Günther-Jauch-Talk zum Verhältnis zwischen Russland und dem Westen bildete zumindest die gesellschaftliche Diskussion ab.

BerlinSo kompliziert und bedrohlich für den internationalen Frieden wie zurzeit war die Lage in Europa wohl selten, in diesem Jahrtausend vielleicht noch nie. Unter dem Titel „Schicksalstage in Europa – Auf wen hört Putin noch?“ bei Günther Jauch wurde darüber emotional, zwischendurch ausdrücklich versöhnlich, über weite Teile aber barsch, harsch und unversöhnlich diskutiert. Und das obwohl überhaupt keine Vertreter der tatsächlich kämpfenden Seiten im Studio saßen. Insofern handelte es sich um eine der wenigen Jauch-Talkshows, die tatsächlich die Lage widerspiegelten.

Am aufschlussreichsten waren die wiederholten scharfen Auseinandersetzungen zwischen Martin Schulz, der als Präsident des Europäischen Parlaments große Hoffnungen auf Angela Merkels und François Hollandes aktuelle Friedens-Initiative und das am Mittwoch in Minsk verabredete Treffen setzte („Europa zieht das Krisenmanagement auf seine Ebene“), und John Kornblum. „Im Endeffekt liegt die Macht in Washington“, sagte der US-amerikanische Botschafter in Deutschland von 1997 bis 2001, der schon in allerhand Talkshows US-Positionen erklärt hat.

Dabei wurde die virulente, bei der Münchener Sicherheitskonferenz am Wochenende keineswegs geklärte Frage, ob die USA der Ukraine Waffen liefern werden, kaum besprochen. US-Präsident Obama sei „bis jetzt stark dagegen gewesen“, sagte Kornblum. Waffenlieferungen könnten die Ukraine „verführen“, sich einzubilden, sie könne den Konflikt mit den von Russland unterstützten Separatisten militärisch lösen, befürchtete Schulz. Die von diesem postulierte Zukunft Europas hinge an einem „sehr dünnen Faden“, weil die EU ganz ohne Möglichkeiten, Putin zu beeinflussen, in Verhandlungen mit Russland ginge, lautete Kornblums Gegenargument.

Waffenlieferungen an die Ukraine: Deutschland zwischen den Fronten

Waffenlieferungen an die Ukraine

Deutschland zwischen den Fronten

Selten wurde eine Münchener Sicherheitskonferenz so sehr von einem Thema dominiert: Im Ukraine-Konflikt geht es vor allem um die Frage, ob das Land vom Westen Waffen bekommen darf. Deutschland gerät zwischen die Fronten.

In einem Nebensatz ließ SPD-Mann Schulz fallen, er sei „in den meisten Punkten mit John Kornblum nicht einer Meinung“. „Es gibt eine Tendenz in Deutschland, alles den Amerikanern in die Schuhe zu schieben“, ließ Kornblum größere Frustration über laufende Entwicklungen durchscheinen. Beide Äußerungen hätten noch vor wenigen Wochen größere Überraschung ausgelöst. Schulz' Argument, die USA seien „nicht der Nachbar Russlands“, das zum Beispiel in nordpolaren Regionen mitnichten zutrifft, zeugte vom Feuer der Debatte. „In der globalisierten Welt sind alle Nachbarn“, lautete, dazu passend, einer der wenigen allseits zustimmungsfähigen Sätze Kornblums.

Einzige Frau in der Runde war die Moskau-Korrespondentin der ARD von 1987 bis 1992. Gabriele Krone-Schmalz wurde ihrer schon in vielen jüngeren Talkshows ausgefüllten Rolle als „Putin-Versteherin“ gerecht. Dass dieser Begriff in weiten Teilen des Publikums als keineswegs so negativ aufgefasst wird, wie er ursprünglich gemeint war, ist inzwischen bekannt. „Nicht alles, was schiefgelaufen ist, lässt sich Moskau in die Schuhe schieben“, sagte Krone-Schmalz anfangs und blieb hinfort in gewohnter Beinhärte bei dieser Linie. Ihre Positionen setzte sie eher als bekannt oder nachlesbar voraus, anstatt sie zu erklären. Vorschläge zur Lösung des Konflikts kamen von ihr kaum.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

aza azaziel

09.02.2015, 08:16 Uhr

Man muss immer wieder darauf hinweisen, dass die EU der Ukraine einen militaerischen Beistandspakt angeboten hat. Der war gegen Russland gerichtet. Und das war noch zu Zeiten des alten Praesidenten. Erst als das Abkommen nicht zustande kam, wurde der Putsch inszeniert. Was fuer ein Zufall, dass die “Demokraten” in der Ukraine ausgerechnet zu dem Zeitpunkt aktiv wurden, als der Westen nicht sein Abkommen bekam.

aza azaziel

09.02.2015, 08:23 Uhr

Der Ukrainekonflikt laeuft nach einem aehnlichen Muster ab, wie der Georgienkonflikt. Ich empfehle den Wikipediaartikel ueber den Kaukasuskrieg. Den ersten Schuss gaben die Georgier ab. Die Rolle der 150 US Amerikanischen Militaerberater konnte von der mit der Aufarbeitung des Konflikts beauftragten Kommission nie geklaert werden.

Sven NSA Euro

09.02.2015, 08:35 Uhr

Frau SKrone-Schmalz hat das gesagt wie es tatsächlich abgelaufen ist. Meine Hochachtung für Ihren Mut das so öffentlich zu erklären. Es kann doch nicht sein erst zündeln und dann die beleidigte Leberwurst spielen. Sollte es zum Krieg kommen dann haben zwei Anwesende an dieser Runde einen wesentlichen Anteil daran. Und zur Anexion der Krim sei gesagt, das dies die Folge für die verbrechreische Absetzung von Janukowitsch war. Den Hintergrund für diesen ausgelösten Putsch der Amis gemeinsam mit vorgespannten EUROvasallen konnte doch jeder normaldenkende und politischgebildete doch ahnen. Das eine deutsche Regierung anschließend Verbrecher die eine etnische Säuberung von Russen angezettelt haben anerkennt und unterstütztbringt das fass zum überlaufen. Die deutschen hatten doch auchmal eine etnische Säuberung begonnen und mußten dafür hart bezahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×