Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2014

13:26 Uhr

Guido Westerwelle

„Bevor ich den Löffel abgebe, ist Schwulsein selbstverständlich“

Bis Dezember saß er in der Bundesregierung, nun fordert Guido Westerwelle in einem Interview von Bundeskanzlerin Merkel mehr Einsatz für die Homo-Ehe. Bislang sei die Gleichstellung an Merkels Unwillen gescheitert.

Der FDP-Politiker Guido Westerwelle zeigt sich zuversichtlich, dass er Fortschritte bei dem Thema Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften noch erleben werde. dpa

Der FDP-Politiker Guido Westerwelle zeigt sich zuversichtlich, dass er Fortschritte bei dem Thema Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften noch erleben werde.

BerlinEx-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erwartet von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass sie die Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe vorantreibt. Westerwelle lobte in der neuen Ausgabe des Magazins „Stern“ die Reaktion von Regierungssprecher Steffen Seibert auf das Coming-Out des früheren Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger. Das seien zunächst aber nur Worte gewesen.

Jetzt gehe es darum, dass die völlige rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe auch umgesetzt werde. Auf die Frage, ob dies bislang am Unwillen der Kanzlerin gescheitert sei, sagte Westerwelle: „Ja. Aber nun hat sie es in der Hand.“

Merkel müsse den Worten ihres Regierungssprechers politische Taten folgen lassen, forderte Westerwelle. Seibert hatte Hitzlspergers Outing gelobt und gesagt: „Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz.“ Deutschland habe im vergangenen Jahrzehnt „gerade auf diesem Gebiet doch enorme Fortschritte gemacht“.

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

In den Augen Westerwelles ist Deutschland trotz allem noch immer keine ausreichend aufgeklärte Gesellschaft. Es werde noch dauern, bis das Thema Homosexualität zu einer allgemein akzeptierten Tatsache geworden sei, sagte der 52-Jährige, der seit September 2010 mit dem Veranstaltungs-Manager Michael Mronz in eingetragener Partnerschaft lebt. Der FDP-Politiker zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass er Fortschritte bei dem Thema noch erleben werde: „Ich sage Ihnen: Bevor ich den Löffel abgebe, ist Schwulsein eine Selbstverständlichkeit.“

Von

afp

Kommentare (43)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RumpelstilzchenA

15.01.2014, 13:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

15.01.2014, 13:49 Uhr

Ich bin nicht so sicher, was Sie sagen. Zu Liberalen gehört es dazu, Menschen nicht zu diffamieren.
Aber sehen Sie sich nur an, wie Putin (gleich hier im Handelsblatt...) wegen seiner Äußerungen zur Homosexualität von der AfD angehimmelt wird.
Herr Westerwelle, als Außenminister mochte ich Sie nicht sonderlich - allerdings hat das nichts mit Ihrer Homosexualität zu tun. Dass offenes homosexuelles Leben immer unproblematischer möglich ist - das glaube ich allerdings nicht! Die Reaktionären sind unterwegs, die fundamentalchristlich aufgeladenen - eine neue Art von Gutmenschen. Auch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts haben Schwule offen leben können. 15 Jahre später wurden sie im selben Land geräuschlos in KZs ermordet! Das "gesunde" Volksempfinden hat wohl eher klammheimlich applaudiert!

Hagbard_Celine

15.01.2014, 13:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×