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31.01.2010

10:58 Uhr

Gutachten

Wissenschaftsrat fordert Islamlehrer für deutsche Schulen

Mit Blick auf die vier Millionen Muslime in der Bundesrepublik fordert der Wissenschaftsrat die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrern auch an deutschen Universitäten. Bundesbildungsministerin Schavan begrüßte den Vorstoß, der Lehrverband fordert eindeutige Auflagen für Islam-Lehrer.

dne/HB BERLIN. In der Empfehlung des Wissenschaftsrats „zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“, heißt es, es sollten zunächst an zwei bis drei Hochschulen Zentren für islamisch- theologische Forschung aufgebaut werden. Die Stellungnahme, über die eine Expertengruppe des Rates zwei Jahre lang beriet, soll am Montag in Berlin präsentiert werden. Das über 150 Seiten umfassende Papier liegt der Agentur dpa vor. Ausdrücklich fordert der Wissenschaftsrat, Islamstudien und Forschung sowie die „fundierte Ausbildung von Religionsgelehrten“ an staatlichen Hochschulen vorzunehmen - und nicht Privat-Einrichtungen zu überlassen. „Um die dazu erforderliche Zusammenarbeit zwischen Staat und muslimischer Glaubensgemeinschaft auf eine verlässliche Grundlage zu stellen, schlägt der Wissenschaftsrat vor, an den entsprechende Studiengänge anbietenden Hochschulen theologisch kompetente Beiräte für Islamische Studien einzurichten.“

Die Ausgestaltung dieser Beiräte war im Wissenschaftsrat bis zuletzt umstritten. Das Gremium berät seit über 50 Jahren Bund und Länder in Fragen der Hochschul- und Forschungspolitik. Ihm gehören vom Bundespräsidenten benannte Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an sowie einige Wissenschaftsminister von Bund und Ländern und hohe Verwaltungsbeamte.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte in der „Welt am Sonntag“ die Forderungen des Wissenschaftsrates. Sie werde interessierte Universitäten bei der Umsetzung unterstützen. „Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die islamischen Glaubens sind, ist hoch und sie nimmt weiter zu“, betonte Schavan. „Deshalb ist die Ausbildung von islamischen Religionslehrern und von Islam- Wissenschaftlern wichtig. Sie gehört für mich zu einer überzeugenden Integrationspolitik in modernen Gesellschaften.“

Bislang wird in Deutschland nur an der Universität Münster ein kleiner Teil der Lehrer für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet. Weiterbildungsangebote an Hochschulen gibt es zudem in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Der überwiegende Teil der an deutschen Schulen eingesetzten islamischen Relegionslehrer kommt bisher aus der Türkei.

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