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23.02.2011

15:54 Uhr

Guttenberg in der Kritik

"Kein Sonderrecht für Mediengünstlinge!"

VonDietmar Neuerer

Exklusiv Trotz seiner dritten Verteidigungsoffensive in der Plagiatsaffäre ist die Glaubwürdigkeit zu Guttenbergs dahin, meint der Dresdner Parteienforscher Patzelt. Im Interview erklärt er, warum Guttenbergs Tage gezählt sind.

Der Minister auf Truppenbesuch: Guttenberg bleibt in der Kritik. Quelle: Reuters

Der Minister auf Truppenbesuch: Guttenberg bleibt in der Kritik.

Herr Professor Patzelt, Minister zu Guttenberg räumt Fehler ein und verzichtet auf seinen Doktortitel. Hilft ihm das?

Werner J. Patzelt: Nein. Seine Glaubwürdigkeit ist dahin. Er behauptet zuerst, alle Vorwürfe seien abstrus - und hat dann seine Universität um Befreiung vom Doktortitel gebeten, weil die vorgelegte - und mit "summa cum laude" bewertete! - Dissertation voller Unsinn sei. So etwas kann man nicht durchgehen lassen. Kommt man dem Freiherrn mit den gleichen Maßstäben, die er selbst unlängst an den Generalinspekteur der Bundeswehr und an den Kapitän der "Gorch Fock" angelegt hat, dann ist klar: Er sollte nicht "seinen Doktor entlassen", sondern sich selbst - und zwar ohne Großen Zapfenstreich.

Guttenberg gilt als Superstar der deutschen Politik. Hat sein Image durch die Affäre Schaden genommen?

Ja, sicher! Und weil er nach so kurzer Amtszeit politisch im Wesentlichen noch von Ankündigungen, schönen Worten und seinem Image lebt, ist das für ihn fatal. Dass der größte Teil der Deutschen ihn trotzdem im Amt sehen will, zeigt nur, wie politisch unerzogen unser Volk immer noch ist: Es sucht weiterhin nach einer Lichtgestalt, für die normale Maßstäbe nicht gelten, und es schätzt den Schein mehr als das Sein.

Die SPD bezweifelt, dass der Minister - derart angeschlagen - sein Amt angesichts der gewaltigen Herausforderungen noch vernünftig führen kann. Teilen Sie die Zweifel?

Vollständig. Ich möchte die spöttischen Reden über ihn gar nicht hören, die nun - voll berechtigter Schadenfreude - über ihn in der Bundeswehr geführt werden. Wie will er je wieder über Ehrlichkeit, Durchhaltewillen oder gar Tapferkeit reden, wenn seine eigenes Durchhaltevermögen nicht einmal für eine ehrlich erarbeitete Doktorarbeit und sein Mut nicht für das Eingestehen eines Scheiterns gereicht hat?

Wie bewerten Sie das Verhalten der Unionsspitze - Kanzlerin Merkel hat sich ja voll hinter Guttenberg gestellt?

Die öffentliche Erklärung, man stünde hinter einem angeschlagenen Minister, ist nur die Umarmung vor dem Todeskuss. Im Übrigen ist wenig angenehmer für einen Regierungschef, gleich ob in Berlin oder in München, als wenn ein aufsteigender Rivale strauchelt und fortan von der eigenen, jederzeit wieder entziehbaren Gunst abhängt!

Wäre Guttenberg trotz der aktuellen Affäre ein möglicher Kanzlerkandidat?

Den Deutschen wäre das zuzutrauen. Doch die Union müsste fortan jedes Plädoyer für Anstand und Redlichkeit unterlassen - oder machte sich und ihren Kanzlerkandidaten lächerlich.

Was würde es für die Politik insgesamt bedeuten, wenn Guttenberg über die Plagiatsaffäre stürzen sollte?

Es würde zeigen, dass auch für Mediengünstlinge kein Sonderrecht besteht, und es wäre ein warnendes Beispiel für alle kometenhaft aufsteigenden Jungpolitiker, die mit allzu wenig Einsatz allzu viel erreichen wollen. Beides täte unserer Demokratie gut.

Professor Dr. Werner J. Patzelt ist Gründungsprofessor des Dresdner Instituts für Politikwissenschaft und hat den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich seit 1991 inne.

Kommentare (6)

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23.02.2011, 16:43 Uhr

Aber Hallo! Die Kanzlerin hat entschieden: Guttenberg bleibt!!!
Guttenberg hat der Uni die Dissertation vor die Haustür geworfen und den Tagesbefehl erteilt: Prüfen!!!

Die Uni wird prüfen und feststellen: Die Arbeit ist ganz und gar in Ordnung und die Bewertung auch. Es gibt jedoch eine zweite Ausgabe und die ist nicht korrekt wiedergegeben.
Wetten?

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23.02.2011, 18:56 Uhr

Was hatte v Guttenberg denn vorzuweisen ausser seinen zugefallenen Adelstitel. Nichts! Was für Druck in der Familie auf ihn lastete weis auch niemand. So einer wie Guttenberg hat zu funktionieren was anderes gibt es nicht.
Da ist ein DR.-Titel schon ein Vorzeige-Schild und Anerkennung. Vielleicht hätte Seehofer als erfahrener Politiker ihn schützen sollen. Aber so wie es aussieht war er sein Feind.

Account gelöscht!

23.02.2011, 20:53 Uhr

Warum sind diese Ungereimtheiten in seiner Doktorarbeit eigentlich in den ganzen letzten Jahren niemandem aufgefallen, besonders nicht der Uni? Hat das tatsächlich niemand geprüft? Oder hat das nur deshalb niemanden interessiert (besonders nicht die versammelte politische Linke und ihre medialen Erfüllungsgehilfen), weil er damals noch nicht politisch so aktiv, so bekannt, so beliebt, so... Verteidigungsminister, so... Hoffnungsträger usw. war? Das ganze Theater ist ein weiteres schäbiges Stück Heuchelei und Antidemokratismus!

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