Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2011

15:38 Uhr

Guttenberg-Rücktritt

Merkel: Guttenberg-Gegner sind scheinheilig und verlogen

Die Kanzlerin keilt zurück: Bei einem Wahlkampfauftritt redet sich Angela Merkel den Frust von der Seele. Kein Wunder: Guttenbergs Rücktritt dürfte Merkels CDU im Superwahljahr arg in Bedrängnis bringen.

Merkel bedauert Guttenberg-Rücktritt

Video: Merkel bedauert Guttenberg-Rücktritt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Gegnern des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Scheinheiligkeit vorgeworfen. „Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland“, sagte Merkel am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt in Karlsruhe. Der Opposition gehe es nicht um den Erhalt der wissenschaftlichen Werte, sondern vor allem um die Schwächung der Union.

„Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und Ehre in unserer Gesellschaft sind“, sagte die Kanzlerin. Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU)
sprach von einer Jagd auf Guttenberg. All jene, die jetzt geschossen hätten, müssten zeigen, ob sie in einer ähnlichen Situation ebenso viel Charakter hätten.

Zuvor hatte die Bundeskanzlerin zum Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nur kurz und knapp Stellung bezogen. Sie habe die Entscheidung des CSU-Politikers „schweren Herzens angenommen“, sagte Merkel. Was wie ein Erbeben über das Zentrum der deutschen Politik hereinbrach, hatte selbst die Kanzlerin kalt erwischt. Ähnlich wie bereits zuvor die CSU um ihren Parteichef Horst Seehofer, hatte auch Merkel offenbar wenig Einfluss auf die Chronologie des dann doch schnellen Abgangs ihres einstigen Vorzeigeministers.

Sie sei von dem Rücktrittsgesuch überrascht worden, sagte Merkel. Sie bedauere den Rücktritt Guttenbergs sehr und nehme diesen zur Kenntnis. Sie sei aber - wie viele Menschen im Land - betrübt darüber. Guttenberg habe die Fähigkeit gehabt, die Herzen der Menschen zu erreichen.

Guttenberg attestierte sie eine „herausragende“ politische Begabung. Die Kanzlerin deutete denn auch die Möglichkeit an, dass Guttenberg weiter politisch aktiv sein könne. Sie habe am Dienstag sicher nicht das letzte Gespräch mit ihm geführt, sagte die CDU-Vorsitzende. Sie sei überzeugt davon, dass sie mit ihm auch in Zukunft in irgendeiner Form zusammenarbeiten könne.

Merkel war aus Hannover von der Cebit nach Berlin geeilt, um den Journalisten zu Guttenberg Rede und Antwort zu stehen. Drei Reporter-Fragen ließ sie zu. Die Koalition will in Kürze über die Nachfolge Guttenbergs sprechen, wie die Kanzlerin sagte, denn heute sei nicht die Stunde, darüber zu entscheiden.

Wenn die CSU das Verteidigungsressort wieder besetzen wolle - und dafür gebe es gute Gründe - „dann hat die CSU wieder einen Anspruch auf dieses Amt. Wir werden uns in der Koalition in aller Ruhe zusammensetzen.“ Guttenberg bleibe geschäftsführend im Amt, bis ein neuer Verteidigungsminister gefunden sei.

Guttenberg tritt von allen Ämtern zurück

Video: Guttenberg tritt von allen Ämtern zurück

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (66)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

uwe132

01.03.2011, 16:03 Uhr

Das wurde auch Zeit. Die Begründung ist eine bodenlose Unverschämtheit gegenüber allen wissenschaftlich Arbeitenden und deren Leistung. Zu behaupten, diese und weitere Kritiker würden den Tod und die Gefahr für Leib und Leben unserer Soldaten nicht achten und sich stattdessen mit Nebensächlichkeiten, seiner "fehlerhaften" Doktorarbeit, beschäftigen, ist bar jeden Realitätssinns. Herr zu Guttenberg hat nicht verstanden, um was es ging und geht: Ein unglaublicher Vertrauensbruch gegenüber seinem Doktorvater und der Bruch des Ehrenworts. Seine Täuschung in der wissenschaftlichen Arbeit ist der Ausdruck einer über alle Massen gesteigerten Eitelkeit, die des Doktor-Titels um jeden Preis bedurfte. Sie und deren Bagatellisierung offenbart eine ungeahnte Selbstüberschätzung und den fehlenden Schneid einzugestehen, eben nicht eine Promotion mit eigenen Erkenntnissen anfertigen zu können. Er hätte stattdessen lieber das zweite Staatsexamen machen sollen.

Nigromontan

01.03.2011, 16:06 Uhr

Guttenberg war nur noch eine Schachfigur auf Merkels polittaktischem Schachbrett. Sie sollte sich Zeit nehmen über ihren eigenen Rücktritt nachzudenken, da ihr offenbar der politische Instinkt offenbar vollkommen abhanden gekommen ist, was ein Verbleib des Herrn Guttenberg auf seinem Posten bedeutet hätte. Guttenberg hat Seehofer und Westerwelle vorab informiert nicht aber Merkel. Daraus läßt sich einiges schließen.

KriminelleMachenschaften

01.03.2011, 16:14 Uhr

Ein bisschen viel Primborium in den Medien um diesen Show-Kasper.
Dass der Hochstapler zuruecktreten musste war klar.
Ein Betrueger weniger. Nach dem dass nun durch ist, sollten sich die Medien wieder den wichtigen Themen zuwenden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×