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28.09.2015

16:24 Uhr

Haftpflicht für Hebammen

Schiedsstelle entscheidet im Streit um Hebammen-Versicherung

Im Streit um die drastisch gestiegenen Versicherungsprämien für die Hebammen-Berufshaftpflicht hat die Schiedsstelle eine Entscheidung getroffen. Die Berufsverbände der Hebammen sprechen von „Licht und Schatten“.

Hebammen, die mindestens vier Geburten im Jahr betreuen, bekommen nach dem Schiedsspruch ihre Aufwendungen für die Berufshaftpflicht von den Kassen finanziert. dpa

Hebamme bei der Betreuung einer Schwangeren

Hebammen, die mindestens vier Geburten im Jahr betreuen, bekommen nach dem Schiedsspruch ihre Aufwendungen für die Berufshaftpflicht von den Kassen finanziert.

BerlinIm Dauerstreit zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Hebammenverbänden über den Ausgleich der rapide steigenden Versicherungsprämien für die Berufshaftpflicht hat die Schiedsstelle eine Entscheidung getroffen. Vor allem Hebammen mit wenigen Geburten würden davon profitieren, erklärte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Montag in Berlin.

Hebammen, die mindestens vier Geburten im Jahr betreuen, bekommen demnach ihre Aufwendungen für die Berufshaftpflicht von den Kassen finanziert.

Von der bisherigen Verrechnung über pauschale Zuschläge für jede einzelne Geburt hätten vor allem Hebammen mit vielen Geburten profitiert, erklärte die GKV. Seit Jahren steigen die Versicherungsprämien für die Berufshaftpflicht, was vor allem freiberufliche Geburtshelferinnen in Existenznöte bringt. Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes erhöhte sich die Haftpflichtprämie zum 1. Juli erneut um 23 Prozent auf jährlich 6274 Euro für freiberufliche Hebammen.

Bislang hatten sich Kassen und Hebammen aber nicht über einen dauerhaften Zuschlag für Geburtshelferinnen, die nur wenige Geburten begleiten, einigen können. Dieser sollte ursprünglich bereits ab Sommer gelten. Wegen des Streits war die Schiedsstelle angerufen worden.

Die Berufsverbände der Hebammen sprachen nach der Entscheidung von „Licht und Schatten“. Der sogenannte Sicherstellungszuschlag gleiche nicht die vollständige Prämie aus, sondern erstatte maximal rund 4390 Euro, kritisierte der Deutsche Hebammenverband (DHV).

Dies bedeute für die Geburtshelferinnen „eine Verschlechterung“. Der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) erhofft sich indes von dem neuen Ausgleich einen Anreiz für Hebammen, wieder in die freiberufliche Geburtshilfe einzusteigen.

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Die Beiträge steigen, die Zahl der Versicherer sinkt: Nicht nur Hebammen, auch geburtsleitende Frauenärzte haben es schwer. Sie zahlen bis zu 80.000 Euro pro Jahr für die Absicherung von Berufsrisiken. Zu viel für viele.

Heftige Kritik übten die Berufsverbände vor allem an den neuen „Qualitätskriterien“ für Hausgeburten. Nach der Entscheidung der Schiedsstelle soll eine Hausgeburt für Mütter, die zum Beispiel an einer insulinpflichtigen Diabetes leiden, künftig ausgeschlossen sein.

In anderen Fällen, etwa bei einer Beckenanomalie oder wenn die Schwangerschaft über den errechneten Geburtstermin fortbestehen könnte, wird eine zusätzliche ärztliche Untersuchung vorgeschrieben.

Die Hebammen halten diese Ausschlusskriterien für wissenschaftlich unbegründet und lehnen sie ab. „Die Entscheidung der Schiedsstelle hat zur Folge, dass Mütter entmündigt werden und die Geburt nicht mehr als natürlicher Vorgang angesehen wird“, erklärte Katharina Jeschke vom Hebammenverband. Auch der BfHD sieht dadurch die Berufskompetenzen der Hebammen beschnitten. Beide Verbände kündigten an, Klagen gegen den Beschluss der Schiedsstelle zu prüfen.

Die Mehrheit der rund 21.000 Hebammen in Deutschland arbeitet freiberuflich, wobei das Gros gar keine Geburten mehr betreut. Klassische Geburtshilfe leisten nach Schätzungen des Hebammen-Verbandes insgesamt nur etwa 3000 bis 3500 freiberufliche Hebammen.

Von

afp

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