Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2015

16:36 Uhr

Haiti

Das Armenhaus wählt

Dauerkrise und eine völlig zerstrittene politische Elite: Fast sechs Jahre nach dem Erdbeben wählt der gebeutelte Karibikstaat Haiti einen Nachfolger für den glücklosen Staatschef Martelly und ein neues Parlament.

Haiti geht es miserabel. Nun wählt das Land. AFP

Wahlplakate

Haiti geht es miserabel. Nun wählt das Land.

Port-au-Prince Blickt man auf seine jüngere Geschichte zurück, könnte man sagen, dass Haiti die vergangenen fünf Jahre gut überstanden hat. Das Land blieb von Naturkatastrophen weitgehend verschont, auch wurde der scheidende Präsident nicht durch einen Volksaufstand oder von Putschisten aus dem Amt gejagt. Selbst der Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben vom Januar 2010 kommt in der Hauptstadt Port-au-Prince langsam voran, zuletzt schafften es Tausende von Vertriebenen, die Zeltstädte zu verlassen.

Aber Haiti geht es weiterhin miserabel. Das Armenhaus der westlichen Hemisphäre hängt am Tropf der Entwicklungshilfe, im Land herrschen Armut und Gewalt. Zudem lähmt eine politische Dauerkrise das Land. Wenn am Sonntag (25. Oktober) rund sechs Millionen Wahlberechtigte zur Präsidentschafts- und Parlamentswahl aufgerufen werden, wird die internationale Gemeinschaft deswegen wieder auf einen Lichtblick für das ewige Krisenland in der Karibik hoffen.

Parlamentswahl in Haiti: „Klima des Terrors“

Parlamentswahl in Haiti

„Klima des Terrors“

Erster Urnengang seit 2011: Die Parlamentswahl in Haiti wird von Gewalt und Verzögerungen überschattet. Nach vier Jahren mit Notgesetzen bleibt die Wahlbeteiligung gering. Mindestens drei Wahllokale brannten lichterloh.

Gesucht wird ein Nachfolger für den seit 2011 glücklos regierenden Staatschef Michel Martelly. Bei der landesweiten Abstimmung sollen zudem Hunderte Kommunalvertreter gewählt sowie im zweiten Wahlgang über ein neues Parlament und zwei Drittel der Senatssitze entschieden werden.

„Haiti braucht regierende Institutionen, die legitim und repräsentativ sind“, sagte US-Außenminister John Kerry kürzlich bei einem Besuch in Port-au-Prince. Und dies könne nur durch freie und faire Wahlen erreicht werden, die ohne Einschüchterungen und Gewalt stattfinden, fügte er fast flehend hinzu.

Für die Geldgeber aus dem Ausland gibt es Grund zur Sorge. Investoren und Touristen kommen auch fast sechs Jahre nach dem Beben nicht. Und der Staat ist kaum handlungsfähig, weil Präsident Martelly im Dauerclinch mit seinen politischen Gegnern liegt. Seit Januar kann Martelly nur noch per Dekret regieren, weil das Parlament wegen mehrfach verschobener Wahlen aufgelöst werden musste.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×