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15.10.2014

00:20 Uhr

Halbjahresbilanz

Rüstungsexporte an Drittländer sind kaum gesunken

Der Wert an Rüstungsausfuhren in Drittländer nimmt kaum ab, obwohl Wirtschaftsminister Gabriel gerade diese beschneiden wollte. Dass Deutsche Firmen immer noch gute Geschäfte machen, zeigt die erste Halbjahresbilanz.

Das Foto aus dem Jahre 2010 zeigt einen Kampfpanzer Leopard 2. Unter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel haben Rüstungsexporte an Drittländer kaum abgenommen. dpa

Das Foto aus dem Jahre 2010 zeigt einen Kampfpanzer Leopard 2. Unter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel haben Rüstungsexporte an Drittländer kaum abgenommen.

BerlinDeutsche Rüstungsfirmen machen unter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) beinahe ebenso gute Geschäfte mit Staaten außerhalb von EU und Nato wie unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung. Das geht aus dem Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 hervor, der der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) vorliegt. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten Ausfuhren in sogenannte Drittländer in Höhe von etwa 1,42 Milliarden Euro genehmigt - das sind 70 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum.

Zugleich sank der Gesamtwert der Ausfuhrgenehmigungen von etwa 2,93 Milliarden auf knapp 2,23 Milliarden Euro. Dadurch stieg der Anteil der Genehmigungen für Ausfuhren in Drittländer von rund 50 auf mehr als 60 Prozent.

Unter Drittländern versteht man Staaten, die weder Mitglied der EU noch der Nato und auch nicht, wie Australien, der Nato gleichgestellt sind. Gabriel hatte angekündigt, Exporte dorthin restriktiver zu handhaben.

Den mit knapp 617 Millionen Euro größten Anteil an den Ausfuhrgenehmigungen im ersten Halbjahr hat dem Bericht zufolge Israel. Davon entfallen allein etwa 600 Millionen Euro auf ein bereits im Jahr 2003 zugesagtes U-Boot. Auf Rang zwei rangieren die USA, dann folgen Singapur, Südkorea und das Sultanat Brunei.

Die größten deutschen Rüstungskonzerne

Bedeutender Wirtschaftszweig

Die Rüstungsindustrie ist ein großer Wirtschaftszweig in Deutschland. Einer Erhebung des Branchenverbandes BDSV zufolge waren 2011 rund 100.000 Menschen in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beschäftigt. Einige große deutsche Rüstungskonzerne im Profil.

Diehl Defence

Die Rüstungssparte des Nürnberger Diehl-Konzerns, stellt unter anderem Munition, Raketen und Ketten für Panzer her.
Umsatz 2013: 533 Millionen Euro.

Heckler & Koch

Der Handwaffenspezialist aus dem badischen Oberndorf fertigt unter anderem Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre.
Umsatz 2013: 200 Millionen Euro.

Kraus-Maffei Wegmann (KMW)

KMW in München baut etwa den Kampfpanzer „Leopard“, den Schützenpanzer „Puma“ oder die Panzerhaubitze „2000“.
Umsatz 2013: 900 Millionen Euro.

MTU Aero Engines

MTU Aero Engines ist ein Triebwerksbauer aus München, der auch für militärische Flugzeuge fertigt, etwa den Motor für den Eurofighter.
Umsatz 2013 (Wehrgeschäft): 501 Millionen Euro.

Rheinmetall Defence

Rheinmetall Defence ist die Wehrsparte von Rheinmetall aus Düsseldorf und fertigt Panzer, aber auch Munition oder etwa Flugabwehrsysteme.
Umsatz 2013: 2,2 Milliarden Euro.

Thyssen-Krupp Marine Systems

Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel baut U-Boote und Kriegsschiffe. Die Firma entstand aus Blohm+Voss und der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH.
Umsatz 2012/13: 1,2 Milliarden Euro.

Der Zwischenbericht soll an diesem Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet werden. Es ist das erste Mal, dass eine solche Halbjahresbilanz veröffentlicht wird. Bisher hatte es lediglich einen Rüstungsexportbericht für jedes Jahr gegeben, der zudem jeweils erst gegen Ende des Folgejahres erschienen war.

Die Opposition kritisiert seit längerem, dass undemokratische Regime in arabischen Staaten mit deutscher Hilfe weiter aufgerüstet werden. Die Bundesregierung argumentiert, der Westen brauche in der Region starke Partner gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“.

Saudi-Arabien rutschte laut „SZ“ von Platz vier auf Platz neun, der Wert der Ausfuhrgenehmigungen sank von gut 133 Millionen auf knapp 66 Millionen Euro. Nahezu konstant blieb der Wert für die Vereinigten Arabischen Emirate: Dorthin wurden Ausfuhren im Wert von gut 42 Millionen Euro genehmigt.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 75 Anträge mit einem Wert von 6,83 Millionen Euro abgelehnt. Im ersten Halbjahr 2013 waren es 39 Anträge im Wert von 8,81 Millionen Euro gewesen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Hermann Paul

15.10.2014, 08:06 Uhr

Wer Rüstungsexporte einschränken will vernichtet Arbeitsplätze , in einer zeit , in der man Wachstumsprognosen nach unten korrigiert wäre das die größte Dummheit die ein Wirtschaftsministerium machen kann , Deutschland soll die Nummer drei in der Welt sein, die Rüstungsprodukte exportieren , wenn das so ist , ist die Zahl der von dieser Industrie betroffenen Arbeitsplätze nicht zu unterschätzen , die Steuereinnahmen dieser ebenfalls nicht !!!

Herr Teito Klein

15.10.2014, 16:35 Uhr

Waffenexporte nicht gesunken sondern sogar gestiegen
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Die Waffenexporte aus Deutschland in Drittländer und Spannungsgebieten sind weiter gestiegen. Auch wenn Gabriel etwas Anderes behauptet.
So darf Rheinmetall in Algerien eine Panzerfabrik bauen. Sie liefern auch Panzer nach Saudi-Arabien und Katar.
Deutschland "verschenkt" weiterhin U-Boote an Israel und liefert Waffen an Ägypten und Indonesien.

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