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10.09.2014

16:04 Uhr

Halbzeit für Joachim Gauck

„Das beste Deutschland, das wir jemals hatten“

Zweieinhalb Jahre sind rum, die Hälfte der Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck. Er hat die Rolle Deutschlands in der Welt zum zentralen Thema gemacht. Kritik gab es zuletzt an seinem Auftritt in Danzig.

Sollte es bei einer Amtszeit bleiben, ist die Hälfte rum. Bundespräsident Joachim Gauck ist seit zweieinhalb Jahren im Amt. dpa

Sollte es bei einer Amtszeit bleiben, ist die Hälfte rum. Bundespräsident Joachim Gauck ist seit zweieinhalb Jahren im Amt.

BerlinGab es am Anfang die Befürchtung, der große Redner Joachim Gauck hätte am Ende doch nicht so viel zu sagen wie von seinen Förderern gedacht, ist es jetzt, zur Halbzeit der fünfjährigen Amtsperiode, eher umgekehrt. Das Gedenkjahr 2014 bietet die Gelegenheit zu wichtigen Ansprachen, historischen Bezügen, Aufrufen und Mahnungen. Noch nie aber hat einer seiner Auftritte auch so viel Widerspruch und Kritik hervorgerufen wie der am 1. September auf der Danziger Westerplatte.

Nun ist es mit der Geschichtswissenschaft etwa so wie mit der Juristerei: zwei Historiker, drei Meinungen, mindestens. Aber unbestreitbar ist: Kritische Anmerkungen gab es eine ganze Menge zu Gaucks scharfen Worten aus Danzig in Richtung Moskau.

„Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern“, sagte Gauck zur Ukraine-Krise.

Gaucks beste Sprüche

Gauck über die Euro-Krise

Gauck rief dazu auf, auch in der Euro-Krise am europäischen Gedanken nicht zu zweifeln. „Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren“. Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. „Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.“
„Europa war für meine Generation Verheißung. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein Gewinn.“

Gaucks Appell an die Regierenden

„Erst redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Gauck über Demokratie

Der Bundespräsident mahnte, die repräsentative Demokratie nicht generell infrage zu stellen. Die repräsentative Demokratie sei das einzige System, das Gemeinwohl- und Einzelinteressen ausgleichen könne. „Das Besondere des Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern dass es sich um ein lernfähiges System handelt“, fügte Gauck hinzu.
Und die aktive Bürgergesellschaft bis hin zur digitalen Netzgemeinschaft ergänze das System und gleiche Mängel aus.

Gaucks Appell an die Regierten

„Seid nicht nur Konsumenten.“

Gauck über Freiheit

„Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Gerechtigkeit.“ Umgekehrt sei Gerechtigkeit aber auch „Grundlage für die Freiheit“.

Gauck über Integration und Gesellschaft

„Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen.
Der Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft. Der Bundespräsident warnte davor, in Fragen des Zusammenlebens sich „von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen“ leiten zu lassen.

Gauck über (Selbst-)Vertrauen und Mut

„Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen“.
Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: „Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über aktive Bürger

Gauck sprach sich für die Stärkung der aktiven Bürgergesellschaft aus. Engagierte Bürger unterstützten die parlamentarische Demokratie und „gleichen Mängel aus“. Es seien gerade diese Bürger, die sich Demokratiefeinden und Extremisten entgegenstellen, sagte er. Zudem betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamtes.

Gauck zu Rechtsextremisten

„Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“.
„Wir schenken euch auch nicht unsere Angst“.
„Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.“ Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte Gauck Deutschland ein „Land des Demokratiewunders“.

Gaucks Appell an die Deutschen

„Nur ein Mensch mit Selbstvertrauen kann Fortschritte machen und Erfolge haben - dies gilt für einen Menschen wie für ein Land.“
„Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über die 68-Generation

Im Westdeutschland der Nachkriegszeit sei der Umgang mit dem Nationalsozialismus zunächst defizitär geblieben, sagte Gauck. „Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.“ Trotz aller Irrwege habe sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Gauck über Sport

„Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.“ So hat Gauck vor einem Jahr im „Deutschlandfunk“ seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben.
Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, „dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft“. Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion „Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.“
„Männer“, hat er hinzugesetzt, „ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.“

Vor allem warf man dem Bundespräsidenten das vor, was er nicht gesagt hat. Dass er zum 1. September, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, in dessen Verlauf in der Sowjetunion 20 Millionen Menschen oder mehr getötet wurden, das Leid dieses Landes oder seiner Nachfolgestaaten nicht einmal erwähnte, das verwunderte.

In der Bevölkerung schmälert dies alles seine Beliebtheit nicht. Unbestritten hat Gauck, nach den beiden Rücktritten seiner Vorgänger Horst Köhler und Christian Wulff, das Verhältnis der Deutschen zu ihrem höchsten Staatsamt normalisiert. Sie mögen ihren Bundespräsidenten und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Es hatte eine Weile gedauert, bis der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde in seinem neuen Amt als Bundespräsident angekommen war. Am 18. März 2012 war er mit großer Mehrheit gewählt worden. Er hielt gute Reden, zur Flüchtlingspolitik und zur Eurokrise, zur deutschen Schuld in Israel oder den Niederlanden – das Echo hielt sich in Grenzen.

Kommentare (7)

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Herr Uwe Reissner

10.09.2014, 17:58 Uhr

Und warum will man dann mit aller Macht Deutschland abschaffen Herr Gauck?

Herr Dietmar Müller

10.09.2014, 18:47 Uhr

Den miesesten BP den Deutschland jeh hatte.

Herr Wolfgang Trantow

10.09.2014, 18:59 Uhr

Das beste Deutschland, wo wir Dank Hr. Gauck IS-Kämpfer ausbilden, keine Integration durch die Ausländer selbst stattfindet, Untergang der Infrastruktur hervorgerufen durch Politiker, krimineller Erpresser (Asylanten, Flüchtlinge) kommen ungeschoren davon usw.??

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