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23.01.2015

12:43 Uhr

Hamburg vor der Wahl

Parteien-Einheitsbrei für die Hansestadt

VonMarcel Reich

Vor Wochen landete die schwächelnde FDP in Hamburg noch einen Coup – die Spitzenkandidatin wurde zum „Mann für Hamburg“ gemacht. Der neue Slogan reiht sich dagegen wieder in den langweiligen Trott anderer Parteien ein.

Zwei Männer tragen in Hamburg ein Wahlplakat von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) an seinen Platz. Ähnlich einfallslos sind auch die Slogans der anderen Parteien. dpa

Zwei Männer tragen in Hamburg ein Wahlplakat von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) an seinen Platz. Ähnlich einfallslos sind auch die Slogans der anderen Parteien.

DüsseldorfIn drei Wochen steigt die Bürgerschaftswahl in Hamburg, die Parteien bringen sich langsam in Stellung. Da dürfen auch ausgefuchste Slogans nicht fehlen, die den potenziellen Wählern kurz und knapp klarmachen sollen, wofür die eigene Partei steht. Eigentlich. Ein Blick auf die Wahlplakate zeigt: Da ist Luft nach oben.

Zunächst zum Zentrum der Macht – das ist in Hamburg tatsächlich die SPD. Die möchte ihre absolute Mehrheit natürlich gerne behalten, der Slogan erscheint da folgerichtig: „Hamburg weiter vorn!“, steht auf den Wahlplakaten. Die sind sonst eher schlicht gehalten, man sieht nur den Schmollmund von Oberbürgermeister Olaf Scholz. Passt, denn laut aktueller Umfragen verlieren die Sozialdemokraten um die sechs Prozent, man wird wohl auf sie Suche nach einem Koalitionspartner gehen müssen.

Das wird nicht unbedingt einfach, denn so richtig toll fand die Opposition keine der Ideen der Regierungspartei. So zanken sich die Hamburger Politiker zum Beispiel immer noch um das Projekt „Busbeschleunigung“ – obwohl daran bereits seit 2012 fleißig gewerkelt wird. Dabei werden Parkplätze und Abbiegespuren entlang der Metrobuslinien entfernt und Kreuzungen umgebaut. So sollen die Buslinien schneller durch die Stadt kommen – zwischen zehn Sekunden und zwei Minuten Zeitersparnis. Kostenpunkt: 259 Millionen Euro. Auch in der Bevölkerung versteht man den Sinn dahinter nicht so ganz.

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Die SPD hatte Ende Oktober 473.048 Mitglieder. Der Höchststand wurde mit 1,261 Millionen 1923 in der Weimarer Republik erreicht. Das Durchschnittsalter liegt heute bei rund 59 Jahren.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 1990er Jahren bis zu 10.000.

Teures Jahr

Schatzmeisterin Barbara Hendricks muss 2013 viel Geld locker machen: 23 Millionen Euro soll der Bundestagswahlkampf gekostet haben, über zwei Millionen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie. Und eine Million wird der Mitgliederentscheid über den Eintritt in die große Koalition kosten.

99,7 Prozent

Das beste Ergebnis bei Wahlen zum SPD-Chef nach 1945. Kurt Schumacher schaffte das 1947 und 1948. Das schlechteste Ergebnis bisher waren die 62,6 Prozent von Oskar Lafontaine bei der Kampfabstimmung 1995 in Mannheim gegen Rudolf Scharping.

Zumindest die FPD hat die SPD offenbar trotzdem noch lieb, die würde nämlich gerne mit den Sozialdemokraten zusammen regieren. Dafür müssten die Liberalen jedoch erst mal in die Bürgerschaft einziehen, und das ist alles andere als selbstverständlich. Aktuell steht die FDP bei vier Prozent – das würde nicht reichen. Der Slogan, der das Ruder noch herumreißen soll, lautet: „Hamburg gibt die Richtung vor!“. Für den Wahlerfolg geben die Liberalen alles, da wurde aus der Spitzenkandidatin Katja Suding sogar „der Mann für Hamburg“ gemacht.

Das brachte der Partei vor einigen Wochen Aufmerksamkeit, aber anscheinend keine Stimmen. „Die Richtung“ bedeutet für die FDP übrigens unter anderem die Legalisierung von Cannabis – um den Schattenmarkt besser kontrollieren zu können, natürlich. Wer den Slogan der FDP für einfallslos hält, sollte jedoch mal ein Auge auf die Konkurrenz werfen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.01.2015, 12:57 Uhr

Man sollte auf den Wahlplakaten einig Auzüge aus seinen Wahlprogramm kurz und knackig hinschreiben und dazu das zu Wählende Gesicht/Person. Mehr will der Bürger/Wähler erst einmal nicht wissen. Für Details geht der interessiert Bürger/Wähler dann eh auf die jeweiligen Hompage oder Veranstaltungen. Danke!

Frau Susanne Heitzler

23.01.2015, 13:13 Uhr

"Nettiquette" - wenn die AfD als "Lucke-Gang" bezeichnet wird?
Soviel Stil sollte das Handelsblatt haben, dass eine politische Partei, die von einem seriösen Hamburger Wirtschaftsprofessor angeführt wird, im Vorfeld einer Wahl in Hamburg nicht als "kriminelle Vereinigung" verunglimpft wird. So etwas nährt den Verdacht,dass das Unwort "Lügenpresse" nicht aus der Luft gegriffen ist.

Eugen Prinz

23.01.2015, 15:58 Uhr

Mit der Lügenpresse-Debatte wurde ein Versuch gestartet etwas Wind aus den Segel zu nehmen. Wenn gleich in allen Statements ein trotziger Hang zur Relativierung unverkennbar ist.

Die Verunglimpfung der AfD nimmt aber weiter seinen Lauf ... die Titulierung "Lucke-Gang" demaskiert die Medien und das HB einmal mehr .... oder würde das HB auch auf die Idee kommen von „Merkel-Mafia“, „Grünen Öko-Stalinisten“ oder „SED-Scherge Ramelow“ zu schreiben???

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