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02.09.2014

00:40 Uhr

Hamburger FDP-Landeschefin

Sylvia Canel erklärt Rück- und Austritt

Die Hamburger FDP-Landeschefin Canel hat ihren Rück- und Austritt erklärt. Allerdings sei ihr Ausstieg keine Flucht, sondern ein Neuanfang. Canel will gemeinsam mit Najib Karim eine neue Partei gründen.

Die Landesvorsitzende der Hamburger FDP, Sylvia Canel, hat ihren Rück- und Austritt verkündet. dpa

Die Landesvorsitzende der Hamburger FDP, Sylvia Canel, hat ihren Rück- und Austritt verkündet.

HamburgDie Hamburger FDP-Vorsitzende Sylvia Canel hat mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt vom Landesvorsitz und ihren Parteiaustritt erklärt. Das teilten die Liberalen am Montagabend nach einer Vorstandssitzung mit. Kommissarisch soll Dieter Lohberger, bisher einer von Canels Stellvertretern, die Hamburger FDP führen. „Mit großem Bedauern nehmen wir diesen Schritt zur Kenntnis und danken Frau Canel für die geleistete Arbeit“, erklärte Lohberger. Im November soll auf einem Parteitag über die Nachfolge entschieden werden.

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt kündigte Canel an, dass sie sich der Gruppe ehemaliger FDP-Politiker um ihren ehemaligen Stellvertreter Najib Karim anschließen werde, die Ende September eine neue liberale Partei gründen wolle.

Im Gespräch mit dem Abendblatt zeigte sich Canel enttäuscht von der Entwicklung der FDP. "Soziale Kompetenz und Empathie sind verloren gegangen", so Canel. Sie kritisierte im Interview den Bundesvorsitzenden Christian Lindner, der als Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen erst vor wenigen Tagen die Abschaffung des Sozialtickets für Hartz-IV-Empfänger zugunsten des Straßenbaus gefordert hatte. "Liberalismus hat nichts mit Einkommen zu tun, sondern mit Würde", so Canel. Ein weiterer Kritikpunkt seien die Strukturen in der FDP. So habe sie etwa versucht, das Delegiertensystem abzuschaffen, konnte sich aber auf dem Bundesparteitag damit nicht durchsetzen.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Ob die noch zu gründende Partei bei der Bürgerschaftswahl am 15. Februar antritt, ließ Canel im Gespräch mit dem Abendblatt offen. "Es wird sich zeigen, wie der Zulauf ist." Derzeit sind es gut 35 Liberale, die sich um Karim und Biallas zusammengefunden haben. Ihr Rücktritt sei keine Flucht, sondern ein Neuanfang.

Sylvia Canel war zwölf Jahre Mitglied der FDP und von 2009 bis 2013 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Seit rund zwei Jahren war sie Landeschefin der Elbliberalen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Press

02.09.2014, 10:26 Uhr

Die FDP hat Flasche leer. Eine neue wird nicht gebraucht. Die hätte sowieso keine Chance.

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