Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2012

15:51 Uhr

Handel mit Verhütungsspritzen

Über 600 Frauenärzte unter Betrugsverdacht

Mehr als 600 deutsche Frauenärzte sollen in einen umfangreichen Ärztebetrugsfall verwickelt sein. Die Gynäkologen sollen Millionen mit dem Verkauf eines nicht zugelassenen Mittels gemacht haben. Die Ermittlungen laufen.

Die Ärzte konnten die preiswerten Spritzen zur Schwangerschaftsverhütung im Internet ordern. dpa

Die Ärzte konnten die preiswerten Spritzen zur Schwangerschaftsverhütung im Internet ordern.

München/Köln/EssenWegen des Verdachts des Handels mit einem in Deutschland nicht zugelassenen Verhütungsmittel ermitteln derzeit Staatsanwaltschaft und Zollkriminalamt (ZKA) gegen mehr als 600 Frauenärzte in ganz Deutschland. ZKA-Sprecher Wolfgang Schmitz sagte am Samstag auf dapd-Anfrage in Köln, der Verdacht richte sich gegen insgesamt 611 Gynäkologen.

Den Medizinern würden Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz und der illegale Großhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten vorgeworfen, die nur Apotheken absetzen dürften. Der Sprecher bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus".

Die beschuldigten Frauenärzte sollen Patientinnen in großem Stil Verhütungsspritzen mit dem nicht zugelassenen Mittel Depocon verkauft haben. Abgerechnet wurde offenbar nicht über die Krankenkassen. "Mit der Masche haben die Ärzte mindestens sechs Millionen Euro umgesetzt – Tendenz steigend", sagte ZKA-Sprecher Schmitz dem Magazin.

Das Arzneimittel stammt nach seinen Angaben aus einer Firma im "EU-Ausland" - nähere Details nannte er nicht. Laut "Focus" soll es sich um die Firma Sigma handeln. Der ZKA-Sprecher wollte diesen Sachverhalt nicht kommentieren.

Nach Angaben der Ermittler orderten die Ärzte die preiswerten Arzneimittel im Internet bei der Firma. Die Spritzen zur Schwangerschaftsverhütung wurden dann per Paketboten geliefert. Von Gesundheitsschäden bei Frauen, die das Mittel gespritzt haben, ist nach Angaben des ZKA-Sprechers nichts bekannt. Auch ist unklar, wie viele Frauen das Mittel nutzten.


Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.11.2012, 17:29 Uhr

Warum in D verboten, bzw. nicht zugelassen, wenn es anderswo beanstandungsfrei funkioniert??

RalphFischer

04.11.2012, 18:27 Uhr

Der Punkt ist doch, das das Mittel kostengünstig im Ausland gekauft wurde.
Ganz FÜRCHTERLICH kriminell.

Das unterläuft das Aphotekenprofitgesetz, das Pharmaunternehmenprofitgesetz und das Verbraucherüberbezahlgesetz.

[...]... Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Pharmaabzocke

04.11.2012, 19:17 Uhr

Das Mittel ist in Österreich zugelassen und in Deutschland für Präparate von anderen Herstellern, mit dem gleichen Wirkstoff und der gleichen Anwendung, zugelassen.

Leider dürfen Ärzte die in Deutschland praktizieren nur in Deutschland zugelassene Medikamente verschreiben oder verabreichen. Zumindest für in Europa zugelassene Medikamente ist das nicht mehr zeitgemäß. Sehr zum Schaden der Patienten und aller Krankenversicherten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×