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21.12.2014

12:24 Uhr

Handelsblatt-Aktion

Erhards Kompass für die Kanzlerin

VonGabor Steingart

Als Weihnachtsüberraschung schenkt das Handelsblatt seinen Lesern Ludwig Erhards Buch „Wohlstand für alle“. Die Analysen haben nichts an Gültigkeit verloren, schreibt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart im Vorwort.

Der Vater der sozialen Marktwirtschaft: Ludwig Erhard. Seine Analysen und Leitbilder sind auch heute aktuell. dpa

Der Vater der sozialen Marktwirtschaft: Ludwig Erhard. Seine Analysen und Leitbilder sind auch heute aktuell.

Das Handelsblatt hat in einer exklusiven Edition Ludwig Erhards Buch „Wohlstand für alle“ neu aufgelegt. Wer uns die Nummer seines Abonnements und seine Lieferanschrift schickt (hb.aboservice@vhb.de) oder im Zeitungshandel eine Ausgabe der Zeitung kauft, erhält Ludwig Erhards Klassiker „Wohlstand für Alle“ in einer attraktiv gestalteten Neuauflage geschenkt. In seinem Vorwort kritisiert Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart die aktuelle Wirtschaftspolitik und fordert eine Rückbesinnung auf die Leitbilder Erhards.

„Der Deutsche entfaltet in der Stunde der Not höchste Tugenden. Die Frage bleibt, ob er im gleichen Maße den Stunden des Glücks gewachsen ist.“

Es ist, als ob der Vater des Wirtschaftswunders früh schon geahnt hätte, was 48 Jahre nach seiner Kanzlerschaft passieren würde: Jene Tugenden, denen Deutschland seinen wirtschaftlichen Erfolg und seine soziale Balance verdankt, sind nicht mehr gefragt. Die Ordnungspolitik eines Ludwig Erhard, die auf fairem Wettbewerb, unternehmerischer Freiheit und dem Mitgefühl gegenüber den Verlierern der Gesellschaft gründete, ist aus der Mode gekommen. Ausgerechnet in den Stunden des volkswirtschaftlichen Glücks –Deutschland ist ein weltweit bewunderter Wohlfahrtsstaat –wird der Gründungsvater der Sozialen Marktwirtschaft verraten. Verraten durch Vergessen.

Politik ohne Prinzipien gilt plötzlich in allen Parteien als modern. Die Wähler will man nicht überzeugen, sondern kaufen. Anstelle der Marktkräfte kommen die filigranen Techniken der Umverteilung zum Einsatz. Und wenn der Regierung dafür die nötigen Finanzmittel fehlen, wendet sie sich vertrauensvoll an die Banken, die sie mit jenem Wirklichkeit vergrößernden Stoff versorgen, der sich Kredit nennt. Unter diesen bastardisierten Verhältnissen – Staaten retten Banken, Banken retten Staaten und wenn beide nicht mehr weiter wissen, gehen sie zur Notenbank – erleben wir eine wundersame Wohlstandsvermehrung, die nur den Nachteil hat, dass sie keinen Bestand haben wird.

Ungelöste Themen der Großen Koalition

Verteidigung und Rüstung

Die Pannen bei der Bundeswehr gefährden Zusagen an die Nato. Die Union will über den von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigten restriktiven Kurs in der Rüstungsexportpolitik sprechen. Man fürchtet um die Zukunft der Rüstungsindustrie, falls Aufträge aus dem Ausland ausbleiben.

Auslandseinsätze

Erste Vorbereitungen für die Entsendung von Aufklärungsdrohnen zur Überwachung der Waffenruhe in der Ostukraine laufen bereits, eine Ausbildungsmission im Irak wird geprüft. Die endgültige Entscheidung steht in beiden Fällen aber noch aus.

Stromtrassen

CSU-Chef Horst Seehofer stellt sich gegen zwei 2013 von ihm mitbeschlossene Strom-Autobahnen. Er will ein Moratorium, um ihre Notwendigkeit bis 2015 nochmal überprüfen zu lassen.

Digitale Agenda

Sie soll den Ausbau des schnellen Internets organisieren, besonders Unternehmen auf dem Land klagen wegen langsamer Verbindungen über massive Wettbewerbsnachteile. Doch der Ausbau kommt nicht recht voran.

Hartz IV

Zwischen CSU-Chef Seehofer und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gibt es einen Dissens. Die CSU stemmt sich gegen Pläne, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher zu vereinfachen und teilweise zu entschärfen. Nahles will Menschen unter 25 nicht mehr strenger behandeln als Ältere.

Maut

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will noch im Oktober seinen Gesetzentwurf zur Pkw-Maut vorlegen. Auch in der Koalition wird befürchtet, dass es Einbrüche im kleinen Grenzverkehr geben könnte. Ein Kompromiss könnte sein, dass die Maut nur auf einem Teil des Straßennetzes kommt.

„Die Menschen haben es zwar zuwege gebracht, das Atom zu spalten, aber nimmermehr wird es ihnen gelingen, jenes eherne Gesetz aufzusprengen, das uns verbietet, mehr zu verbrauchen, als wir erzeugen.“

Genau das aber versuchen derzeit alle Regierungen des Westens, auch die deutsche. Der Schuldenstand der Euro-Staaten hat sich nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers um 53 Prozent gesteigert. Die Staatsverschuldung bewegt sich in 13 von 18 Euro-Staaten außerhalb dessen, was im Vertrag von Maastricht als Obergrenze verabredet war. Auch Deutschland sündigt: Allein in der Ära der Angela Merkel wuchs der Schuldenberg um weitere 550 Milliarden, was in etwa dem neunfachen Jahresgewinn aller DAX-Konzerne im Jahr 2013 entspricht.

Man testet das eherne Gesetz des Ludwig Erhard, selbst um den Preis, dass unser Währungsgefüge darüber in Unordnung gerät. Deutschland ist unter den vielen Sündern zwar der am wenigsten sündhafte. Doch die Bewunderung, die uns weltweit zuteil wird, sagt mehr über die Bewunderer aus als über uns. Das Modell Deutschland, von dem allenthalben die Rede ist, ist ein Modell auf Abruf. Die Bedingungen, denen wir unseren Aufstieg verdanken, werden bald schon auf ihre Belastbarkeit getestet.

Kommentare (6)

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Frau Margrit Steer

19.12.2014, 13:49 Uhr

Ich habe das Buch

Frau Margrit Steer

19.12.2014, 13:51 Uhr

Herr Steingarth
diees Buch oder Ihre Ratschläge wird diese DDR-Merkel nie verstehen.
Sie begreift sich als große Staatsratsvorsitzende von Europa un das ist für normales Denken nichts mehr vorhanden

Herr Egon Olsen

19.12.2014, 14:03 Uhr

Um den Inhalt des Buches und Ihr Ansinnen zu verstehen, muss man wenigstens einmal als Unternehmer mit eigenem Geld im Gegenwind gestanden haben ohne dabei gleich unterzugehen.
Keiner der Berufspolitiker weiß, was das heißt. Sie werden hofiert, beraten und im goldenen Käfig gehalten.
Beim Anblick des Buches werden diese uns allen ganz lapidar entgegen halten: "Das waren andere Zeiten. Heute kämpfen wir nämlich mit gänzlich anderen Problemen."
Dabei erkennen sie nicht, dass allein sie das Problem der heutigen Zeit sind. Dort treffen wir damit nur auf taube Ohren und blinden Aktionismus.

Fröhliche Weihnachten, Herr Steingart und danke für die Überraschung.

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