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15.01.2009

09:32 Uhr

Handelsblatt-Check

Internet: Kleine Anbieter fürchten Vorteile für Telekom

VonSandra Louven und Klaus Stratmann

Die Milliarden-Spritze des Bundes hat in der deutschen IT-Branche alte Wunden aufgerissen. Vor allem unter den kleineren Anbieter geht jetzt die Angst um, dass der Staat wieder massiv den alten Monopolisten Telekom befeuert.

Vernetzt: Internet-Anbieter fürchten eine neue Machtposition der Telekom. Foto: AP ap

Vernetzt: Internet-Anbieter fürchten eine neue Machtposition der Telekom. Foto: AP

DÜSSELDORF/BERLIN. Der von der Bundesregierung angestrebte rasche Ausbau der schnellen Internetverbindungen löst in der Branche heftiges Gerangel aus. Wer soll die Netze aufbauen und betreiben? Die Konkurrenten der Deutschen Telekom warnen davor, den Ex-Monopolisten zu bevorzugen.

Denn es winken große Aufträge. Mit ihrem zweiten Konjunkturpaket hat die Große Koalition ehrgeizige Ziele für den Ausbau des Breitband-Netzes formuliert: Spätestens Ende 2010 sollen bislang nicht versorgte ländliche Gebiete mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen abgedeckt sein. In einem zweiten Schritt will die Regierung auch den Ausbau des superschnellen VDSL-Netzes vorantreiben. "Spätestens 2014 sollen für 75 Prozent der Haushalte, bis 2018 für alle Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit zur Verfügung stehen", so der Beschluss der Koalitionsspitzen. Bereits Mitte Februar will die Bundesregierung eine umfassende Breitbandstrategie vorlegen. Schwerpunkte werden dabei Maßnahmen zur Senkung von Investitionskosten, Förderaspekte sowie eine "investitions- und wachstumsorientierte Regulierung sein".

Gerade der Punkt "wachstumsorientierte Regulierung" lässt die Branche aufhorchen. Beim Ausbau der Netze dürfe es kein neues Monopol geben, sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), dem Handelsblatt. Im VATM haben sich 85 Telekom - und Multimedia-Unternehmen zusammengeschlossen, die im Wettbewerb zum Ex-Monopolisten Deutsche Telekom stehen. Grützner hält das Ziel, die weißen Flecken in der Breitbandversorgung bis Ende 2010 zu schließen, für "sehr ambitioniert, aber machbar".

Die Deutsche Telekom verfolgt bei der Versorgung für den ländlichen Raum eine andere Strategie als die im VATM zusammengeschlossenen Unternehmen. Der Ex-Monopolist hatte der Bundesregierung bereits Ende vergangenen Jahres vorgeschlagen, die Lücken im DSL-Netz zu schließen, und dafür im Gegenzug Ausnahmen bei der Regulierung durch die Bundesnetzagentur gefordert. Die VATM-Unternehmen dagegen haben der Bundesregierung angeboten, die weißen Flecken "schneller, günstiger und effizienter" zu schließen, indem sie frei werdende Rundfunkfrequenzen nutzen.

Beim zweiten Projekt, dem Ausbau des superschnellen VDSL-Netzes, stellen sich andere Fragen. Bislang hat die Telekom das VDSL-Netz erst in 50 Städten gebaut und erreicht damit die Hälfte aller Haushalte. Das Ziel, bis 2014 zwei Drittel aller Haushalte zu erreichen, ist nach einhelliger Auffassung der Branche sehr ehrgeizig. Und zwar deshalb, weil die Baukosten so hoch sind. Die Telekom hat bereits für den Bau in den 50 Städten drei Mrd. Euro ausgegeben. Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass die Superverkabelung von ganz Deutschland bis zu 50 Mrd. Euro kosten wird. Die Telekom schließt sich für den Ausbau bereits mit ihren Wettbewerbern zusammen. An diesen Plänen ändere auch das Konjunkturpaket nichts, ist aus Kreisen des Branchenprimus zu hören.

Hintergrund dieser Kooperationen ist aber auch der Versuch, so eine Regulierung des neuen Netzes zu umgehen. "Sicher sein können wir da aber bisher nicht", heißt es in Telekomkreisen. Deshalb sei es sehr hilfreich, wenn das Konjunkturpaket endlich die nötige Planungssicherheit schaffe.

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