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13.04.2012

10:45 Uhr

Handelsblatt-Deutschland-Dinner

„Ich bin Hannelore Kraft“

VonAndreas Niesmann

450 Handelsblatt-Leser treffen auf eine bestens gelaunte NRW-Ministerpräsidentin. Das Protokoll eines Abends, bei dem es um Borussia Mönchengladbach, Karl Marx und Frauen in der Politik ging.

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: bestens gelaunte Landesmutter. Frank Beer für Handelsblatt

SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: bestens gelaunte Landesmutter.

DüsseldorfAuch wenn Hannelore Kraft es liebt, Politikerin zu sein, gibt es etwas am Politikbetrieb, das sie stört: „Manchmal ist mir die Politik zu ernst.“ Gemessen an diesem Satz dürfte der NRW-Ministerpräsidentin das Deutschland-Dinner des Handelsblatts am Donnerstagabend gefallen haben, denn im bis zum Rand gefüllten Festsaal des Hotel Intercontinental in Düsseldorf ging es heiter bis lustig zu.

„Es ist schön, wenn Leser und Redakteure einander in die Augen blicken können“, sagt Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart zur Begrüßung. 450 Leser und Ehrengäste sind der Einladung des Handelsblatts gefolgt, darunter der Düsseldorfer Bürgermeister Friedrich Conzen, der polnische Generalkonsul Jolanta Róza Kozlowska und der designierte Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt, Jörg Mertens.

„Wer sind Sie, und wohin wollen sie mit diesem Land“, will Steingart von Kraft wissen – und versucht es zu Beginn mit einem Vergleich: „Sind Sie vielleicht so etwas, wie eine Johanna Rau?“ Nein, in die Fußstapfen ihres Vor-vor-vor-Vorgängers will die SPD-Ministerpräsidentin nicht treten, „Ich bin Hannelore Kraft“, sagt sie. Klassische SPD-Jugendsünden wie die Forderung nach einer Sozialisierung der Wirtschaft finden sich in der Vita der gelernten Bankkauffrau nicht, auch Karl Marx hat sie nie unter der Bettdecke gelesen. In ein Links-Rechts-Schema will sie sich nicht einordnen lassen. „Damit kann ich nichts anfangen“, sagt sie, „wir müssen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft finden.“

Die Kritik der Opposition, dass diese Antworten für Kraft vor allem darin lägen, mehr Geld auszugeben, lässt die Regierungschefin nicht gelten. „Wenn wir jetzt nicht in die Betreuung und Bildung unserer Kinder investieren, dann haben wir später mit ungleich höheren Folgekosten zu kämpfen“, sagt sie. So müssten die Kommunen in Nordrhein-Westfalen allein in diesem Jahr 1,2 Milliarden Euro ausgeben, um Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen herauszuholen. „Von diesen hohen Reparaturkosten müssen wir runter“, sagt Kraft.

Dieses Anliegen sei ihr so wichtig, dass sie persönliche Ambitionen gerne hinten anstelle. Nach einem Wahlsieg als Kanzlerkandidatin nach Berlin zu gehen? Ausgeschlossen! Jeder Politiker müsse wissen, wo sein Platz ist, sagt Kraft. „Ich kann hier in Nordrhein-Westfalen mehr für die Sozialdemokratie erreichen als in Berlin.“ Im Übrigen sei es keineswegs so, dass Berlin die Champions-League und Düsseldorf die Bundesliga sei, sagt die bekennende Anhängerin von Borussia Mönchengladbach.

Dem widerspricht Steingart nicht. Die Bedeutung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes sei größer als die mancher Industrienation, hatte der Handelsblatt-Chefredakteur bereits in seiner Begrüßungsansprache gesagt. „Wenn NRW eigenständig wäre, dann säße Frau Kraft heute Abend nicht hier, sondern zusammen mit Obama und Sarkozy bei den G20 und würde die Probleme der Welt lösen.“

Kommentare (3)

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hagra

13.04.2012, 13:48 Uhr

Von wem und mit wieviel wurde diese Wahlwerbung für die "brave" "Landesmutter" von NRW gesponsort? Mit objektiver, ausgewogener Berichterstattung hat dieses lobhudelnde Gesülze doch nichts zu tun!

postman

14.04.2012, 23:34 Uhr

Wenn Frau Kraft es so ernst meint mit der Erhlichkeit.
warum setzt sie auf getürkte Wahlplakate mit geschönten Bildern oder ist das Ihre jüngere Schwester oder Hanelore auf Botox.Sind die Texte dann auch nur "schöne" Sprüche nach der Politikermetode was intressiert mich das geschwätz von Gestern die wähler hams Morgen eh vergessen hat die Fdp auch gedacht .nur ist es bald so das dadurh keiner mehr wählen geht.

Eu_Denker

15.04.2012, 22:46 Uhr

Meinungsfreiheit muss bleiben, auch für Abgeordnete!!!
Bei allem respekt, Wahlplakate sind Wahlplakate und keine Familienfotos. Auch Frau darf eitel sein, ist so ganz nebenbei ja auch noch Mensch, nicht nur Politikerin. Wer hat den Retuschierwahn ausgelöst, wir die Wähler, je schöner, aktiver das Bild, das Aussehen je mehr Stimmen. Oder hast Du nicht auch nach Gefühl gewählt? Die Frau hat Mut, ist doch ok. Leider aber eine Partei im Bund die von Meinungsfreiheit nicht mehr wirklich etwas hält. Schade das so gute Politker/innen durch ein paar Machtbessesene wahrscheinlich Schaden nehmen. Aber die CDU und FDP etablieren sich ja ebenfalls als Demokratiefeinde (Redeverbot für Abgeordnete/Meinungsabweicher/Abgeordnete die ihren Auftrag nach dem Grundgesetz noch ernst nehmen). Was ist jetzt das kleinere Übel

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