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23.01.2007

15:22 Uhr

Handelsblatt-Energietagung

Glos warnt vor Abhängigkeit ohne Atomkraft

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos will die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzen, das Thema Kernenergie voran zu treiben. „Europa braucht einen breiten, ausgewogenen Energiemix. Dazu gehört die Kernenergie“, sagte Glos zum Auftakt der 14. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Foto: dpa

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Foto: dpa

str BERLIN. Deutschland komme während der Ratspräsidentschaft nicht umhin, sich allen drängenden energiepolitischen Fragen zu stellen, so der CSU-Politiker. In diesem Kontext müsse das Thema Kernkraft auf die Tagesordnung. Eine größere Unabhängigkeit Europas von einzelnen Energielieferanten sei ohne die Atomkraft nicht erreichbar.

Beifall erhielt Glos von der Energiewirtschaft. Eon-Chef Wulf Bernotat sagte, die ökologischen Ziele der Kommission könnten nur mit dem Einsatz der Kernkraft erreicht werden. „Wir sind es Europa schuldig, das Thema sachlich zu diskutieren“, sagte der Eon-Chef.

Der Zeitpunkt für den Vorstoß des Wirtschaftsministers ist günstig gewählt: Die EU-Kommission verlangt insbesondere von Deutschland verstärkte Bemühungen im Klimaschutz.

Glos sagte, es sei für Deutschland „doppelt schwer“, ehrgeizige Verpflichtungen zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen einzugehen, wenn zugleich am Ausstieg aus der Kernkraft festgehalten werde. Die Kernkraftwerke müssten solange laufen, bis die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut seien und eine neue saubere Kraftwerkstechnik für Kohle entwickelt sei, sagte Glos.

Die EU-Kommission will erreichen, dass Deutschland die Kohlendioxidemissionsobergrenzen für Industrie und Energiewirtschaft demnächst auf 453 Mill. Tonnen jährlich senkt. Diese Forderung geht deutlich über das Angebot der Bundesregierung hinaus, die die Obergrenze ursprünglich bei mehr als 480 Mill. Tonnen festlegen wollte.

Glos sagte, die Pläne der Kommission seien „wirtschaftlich nicht tragfähig“. Deutschland werde für die Versäumnisse anderer EU-Staaten in die Pflicht genommen. Sein Haus prüfe derzeit alle Möglichkeiten, gegen die Pläne der EU vorzugehen. Auch eine Klage schließe man nicht aus. Allerdings räumte er ein, eine Klage gegen die Kommission sei während der deutschen Ratspräsidentschaft „misslich“.

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