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17.01.2007

06:32 Uhr

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Parteienforscher empfiehlt CSU Putsch gegen Stoiber

Der Göttinger Politikwissenschaftler Peter Lösche, einer der prominentesten Vertreter seiner Zunft in Deutschland, rät der CSU zu einer schnellen Klärung der Führungskrise. Irgend jemand müsse jetzt putschen, wenn Stoiber nicht von sich aus den Rückzug antrete.

GÖTTINGEN. „Mit jedem Tag an dem Stoiber noch zehn Zentimer kleiner wird, steigt die Gefahr, dass die an sich gesunde CSU Schaden leidet", sagte Lösche dem Handelsblatt. Die Überlegung Stoibers, die Parteibasis durch eine Fülle von Auftritten bei Veranstaltungen für sich zurück zu gewinnen, hält Lösche für aussichtlos. „Das hat nach der Flucht Stoibers aus Berlin auch nicht funktioniert“, sagte er.

Als Gewinnerin des Machtkampfs in Bayern nannte Lösche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Bundeskanzlerin ist jetzt der stabilisierende Faktor in der Union und bis zur nächsten Bundestagswahl im Jahr 2009 sind es noch drei lange Jahre, in der sich die CSU auch wieder erholen kann", sagte Lösche.

Politologe Falter: Doppelspitze würde Bayern schaden

Auch der Mainzer Politologe Jürgen Falter erwartet, dass ein Amtsverzicht des mitunter eigensinnigen Stoibers der Kanzlerin das Regieren erleichtern könnte. „Wenn es für Edmund Stoiber zwei Nachfolger geben sollte, wird die Position Bayerns nicht gestärkt“, sagt Falter. „Es sitzt dann im Koalitionsausschuss der neue CSU-Vorsitzende und im Bundesrat der neue bayerische Ministerpräsident.“ Der CSU-Chef könne dann in der Runde der Koalitionsspitzen nicht auf Interessen als Ministerpräsident verweisen. „Insofern dürfte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel eigentlich freuen.“

Für die Koalition insgesamt könne aber Sand ins Getriebe kommen, warnte Falter. Denn der neue Ministerpräsident könne versucht sein, über den Bundesrat die Stimme Bayerns stärker zur Geltung zu bringen. „Allerdings dürfte es ihm als Neuling nur schwer gelingen, andere gestandene Ministerpräsidenten auf seine Seite zu ziehen.“

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