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04.09.2012

19:19 Uhr

Handelsblatt-Tagung

Steinbrück nimmt Banken ins Gebet

VonTobias Döring

Der mögliche SPD-Kanzlerkandidat gibt den Finanzinstituten fünf Punkte mit auf den Weg, um Vertrauen zurückzugewinnen. Und: Peer Steinbrück spricht sich für ein „deutsches“ Trennbankensystem aus.

Steinbrück wünscht sich geordnete Bankenabwicklungen

Video: Steinbrück wünscht sich geordnete Bankenabwicklungen

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FrankfurtDer potenzielle SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die Bankenbranche in Deutschland eindringlich zu einer neuen Bankenkultur ermahnt. Der ehemalige Bundesfinanzminister schlug Bankenvertretern bei der Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“ fünf Handlungsansätze vor, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Die Banken müssten ihre Geschäftspolitik langfristig und nachhaltig ausrichten, sagte Steinbrück. Sie müssten „mehr denn je auf ihre Kunden achten und weniger auf ihre Shareholder“. Die Finanzinstitute sollten Haftung und Risiko wieder zusammenführen sowie die Selbstkontrolle stärken. Außerdem gab der SPD-Politiker der Branche mit auf den Weg: „Akzeptieren Sie, dass die Finanzmärkte einer stärkeren Regulierung und Aufsicht unterworfen werden.“

Handelsblatt-Tagung: Asmussen deutet weitere Hilfsmaßnahmen an

Handelsblatt-Tagung

Asmussen deutet weitere Hilfsmaßnahmen an

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat auf einer Handelsblatt-Tagung weitere Hilfsmaßnahmen angedeutet. Asmussen nannte zudem Bedingungen für eine Bankenaufsicht durch die EZB – schon 2013 sei diese aber unmöglich.

Wie auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, einer seiner Vorredner auf der Handelsblatt-Bankentagung, unterstützte Steinbrück eine europäische Bankenunion. Die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Aufsicht von Banken des Euroraums durch die Europäische Zentralbank (EZB) solle sich aber nur auf systemrelevante Institute beschränken.

Derivate sind "Dynamit-Stangen"

Video: Derivate sind "Dynamit-Stangen"

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Die Kommissions-Pläne sehen bisher die Kontrolle von allen rund 6000 Banken im Euroraum vor – am besten schon zum 1. Januar 2013. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken habe eine Kontrolle durch die EZB nichts zu suchen, so Steinbrück. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon, am Dienstagmorgen selbst Redner auf der Tagung, dürfte das gefreut haben.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Steinbrück zeigte sich offen für eine Aufspaltung der Universalbanken in Geschäfts- und Investmentbanken. „Ein bin ein Anhänger des Trennbankensystems“, sagte er. Steinbrück schlug dabei die Auftrennung unter einer Holding-Konstruktion vor. Zwei selbstständige Tochterunternehmen wären dabei unter einer Holding organisiert – eine Art „deutsches Trennbankensystem“. Der Spitzenpolitiker nahm damit eine Diskussion wieder auf, die vor Wochen auch sein Parteikollege, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, vorangetrieben hatte.

Deutsche Bank: „Kein Geld verdienen ist auch keine Lösung“

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Jürgen Fitschen, der Co-Chef der Deutschen Bank, deckt seine Strategie auf.

Die Banken müssten sich mit ihrer Fremdwahrnehmung beschäftigen. Durch das Argument „to big too fail“ hätten die Menschen „den Eindruck, dass ein erhebliches Erpressungspotenzial“ seitens der Institute bestehe, so Steinbrück. Die Wahrnehmung sei, dass die Bankenbranche mit Steuergeldern stabilisiert worden sein und sich nun mit den Staatsgarantien erhebliche Zinsvorteile verschaffe.

Kommentare (16)

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THHL

04.09.2012, 19:42 Uhr

Ein kluger Geist: Die Regierungen (Banken) müssten ihre Geschäftspolitik langfristig und nachhaltig ausrichten, sagte Steinbrück. Sie müssten „mehr denn je auf ihre Kunden achten und weniger auf ihre Parteien (Shareholder)“. Die Regierungen (Finanzinstitute) sollten Haftung und Risiko wieder zusammenführen sowie die Selbstkontrolle stärken. Außerdem gab der SPD-Politiker der Branche mit auf den Weg: „Akzeptieren Sie, dass die Regierungen (Finanzmärkte) einer stärkeren Regulierung und Aufsicht unterworfen werden.“

Account gelöscht!

04.09.2012, 20:11 Uhr

Der Oberpfeifendeckel und Volksverschulder Steinbrück sollte nicht einmal in die Nähe eines öffentlichen Amtes gelsaaen werden. Der hat Deutschland schon jetzt über 150 Milliarden gekostet. Steinbrück und Assmussen gehören hinter Gitter. Punkt.

1984

04.09.2012, 20:20 Uhr

Vertrauen ???????? in wen ?

Einzig der Börsenhandel gehört abgeschafft - dann wäre die Menschheit von großem Leid befreit .
[...] +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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