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11.05.2012

09:49 Uhr

Handelsblatt-Umfrage NRW

Ein Alleinunterhalter rettet die FDP

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn Kiel feierte die FDP das Ende ihrer Niederlagenserie, in NRW will sie den Trend festigen. Nach einer Handelsblatt-Umfrage können sich die Liberalen in den Düsseldorfer Landtag retten – dank Christian Lindner.

Wahlplakat mit dem Spitzenkandidaten der NRW-FDP Christian Lindner. dapd

Wahlplakat mit dem Spitzenkandidaten der NRW-FDP Christian Lindner.

BerlinNach ihrem Erfolg in Schleswig-Holstein könnte der FDP in Nordrhein-Westfalen mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner ebenfalls der Wiedereinzug in den Landtag gelingen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Berliner Meinungsforschungsinstituts Info im Auftrag von Handelsblatt Online. CDU und FDP legen demnach im Endspurt vor der Wahl in der Wählergunst am deutlichsten zu. Im Vergleich zum Vormonat gewinnt die Union 4 Prozent und landet jetzt bei 33 Prozent. Die FDP springt von 3 auf 5 Prozent. Eine Regierungsmehrheit ergibt sich daraus allerdings nicht, auch wenn die anderen Parteien Einbußen hinnehmen müssen.

Demnach verlieren die Piraten 3 Prozent und kommen jetzt auf 8 Prozent, die SPD verliert 2 Prozent und landet bei 38 Prozent. Die Grünen erreichen 11 Prozent und legen damit 1 Prozent zu. Und auch die Linkspartei gewinnt. Sie steht jetzt bei 4 Prozent (Vormonat: 3 Prozent).

Für die Umfrage wurden vom 03. bis 5. Mai 2012 1.007 repräsentativ ausgesuchte Bürger in Nordrhein-Westfalen befragt. Sie fand vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai statt, bei der die FDP mit 8,2 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag schaffte.

Die Hoffnungswerte der FDP

Alles oder nichts

Die FDP kämpft ums Überleben. Nach dem Desaster an der Saar fuhr sie in Schleswig-Holstein ein akzeptables Ergebnis von gut acht Prozent ein - und auch in Nordrhein-Westfalen könnte es knapp reichen. Auf dem Weg in die ungewisse Zukunft hält sich die Partei an jedem Grashalm fest. Neue Hoffnung geben Umfragen, die die FDP im Bund wieder bei vier Prozent sehen. Worauf setzt die FDP im Überlebenskampf? Ein Überblick.

Existenzfrage

Die FDP hofft, dass sich bei den Bürgern die Erkenntnis durchsetzt, dass Deutschland nicht komplett ohne eine liberale Partei auskommen sollte. Auch die Parteiführung betont daher, dass es sich insbesondere im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen um eine Schicksalswahl handelt. Generalsekretär Patrick Döring mahnte, in den Landtagen müsse es auch künftig eine Stimme der Freiheit geben. Parteienforscher bezweifeln allerdings, dass es gelingt, die NRW-Wähler mit der Existenzfrage zu ködern. Zum einen schrecken sie erfahrungsgemäß nicht davor zurück, streng mit der FDP umzugehen. Bei Landtagswahlen stehen zudem landespolitische Themen stark im Vordergrund.

Gauck-Effekt

Die FDP hofft darauf, dass möglichst viel vom Glanz des neuen Staatsoberhaupts auf sie abfärbt. Denn die Partei schreibt sich auf die Fahnen, den in der Bevölkerung beliebten Joachim Gauck im Machtpoker gegen den Widerstand der Union durchgesetzt zu haben. Ohne die FDP hätte es den „Bürgerpräsidenten Gauck“ nicht gegeben, betont etwa Parteivize Holger Zastrow. Auf Begeisterung stößt bei der FDP, wie stark der einstige DDR-Bürgerrechtler mit liberalen Denkrichtungen übereinstimmt - vor allem bezogen auf das Motto „Freiheit zur Verantwortung“. Zwar wird betont, die Partei wolle Gauck keineswegs für sich vereinnahmen. Gleichwohl erwartet die FDP durch ihn Anknüpfungspunkte und Rückenstärkung für die eigenen Themen, bei denen der Freiheitsbezug ganz oben steht.

Konsequenz

Wie bei der Gauck-Nominierung hat die FDP bei der Abstimmung zum NRW-Haushalt Standfestigkeit gezeigt. Der Vorlage der rot-grünen Minderheitsregierung stimmte sie trotz der drohenden Wahlniederlage nicht zu. Die FDP hofft nun, dass die konsequente Haltung von den Wählern honoriert wird. Die FDP habe den „Schuldenhaushalt“ des „Polit-Experiments“ Rot-Grün verhindert, brüstete sich Generalsekretär Döring.

Kandidaten-Bekenntnis

In Nordrhein-Westfalen wollen die Liberalen nicht nur damit punkten, dass sie mit Christian Lindner einen eloquenten und in der Partei hoch angesehenen Spitzenkandidaten ins Rennen schicken, sondern auch damit, dass dieser sich klar für eine Zukunft im Landtag entschieden hat. Dies bedeutet, dass er sein Bundestagsmandat aufgeben muss. Entsprechend reitet die Partei auf dem CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen herum. Der Bundesumweltminister lässt beharrlich offen, ob er dauerhaft in die Landespolitik wechseln wird. Die Liberalen unterstellen ihm deshalb mangelnde Ernsthaftigkeit. Lindner setzt zudem darauf, dass allein sein Mut zur Übernahme von Verantwortung in schwieriger Lage beim Wahlvolk ankommt. Für Röslers Zukunft ist sein Comeback allerdings nicht ohne Gefahr.

Teamplay

Die FDP will sich stärker als Team präsentieren. Linder und der schleswig-holsteinische Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki präsentieren sich im Wahlkampf neuerdings als gut harmonierende Parteifreunde, die gemeinsam bundesweit das Ruder für die FDP herumreißen wollen. Die Parteizentrale will die Wahlkämpfer „vollumfänglich“ unterstützen. Die gesamte Bundesspitze und die Minister werden vor Ort auftreten. Zudem hat die FDP ihre Talkshow-Präsenz erhöht.

Themen

Im Mittelpunkt sollen bei der FDP „Brot- und Butterthemen“ stehen. Rösler setzt vor allem auf eine Positionierung als Partei von Wachstum und Fortschritt, wozu unter anderem eine strenge Haushaltsdisziplin gehört. Die Schwerpunktsetzung spiegelt sich auch im neuen Grundsatzprogramm wider, das die FDP zwei Wochen vor der Schleswig-Holstein-Wahl beim Parteitag im April verabschiedete. Es soll für eine moderne, thematisch breit aufgestellte und pro-europäische FDP stehen. Die langjährige Forderung nach Steuersenkungen spielt darin keine Rolle mehr. Sie wird für den Absturz der FDP mitverantwortlich gemacht.

Die Handelsblatt-Umfrage weicht nur in geringem Ausmaß von anderen Umfragen ab. So sieht auch eine repräsentative Umfrage des Kölner Instituts Yougov im Auftrag von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Sat.1-NRW, die Ministerpräsidentin des Landes, Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne) mit respektablen Werten in die Landtagswahl am Sonntag gehen. Die SPD kommt danach auf 37 Prozent (plus ein Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche), die Grünen auf zwölf Prozent (plus eins).

CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen verliert dagegen weiter, die Union liegt bei nur noch 30 Prozent (minus eins). Die FDP sieht nach einem Tief nun mit einer Prognose von sechs Prozent (plus eins) gute Chancen auf einen Verbleib im Landesparlament. Sie hat mit Spitzenkandidat Christian Lindner enorm aufgeholt.

Kommentare (35)

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Moevenpick_u_roemische_Dekadenz

11.05.2012, 10:12 Uhr

Das ist das Dumme am deutschen Michel. Er wählt IMMER nur Personen, anstatt eine politische Richtung. Da kommt so ein bisher erfolgloser, eloquenter charismatischer Selbstdarsteller aus der Versenkung, und schickt sich jetzt an, der Messias des Vollpfosten-Liberalismus zu sein. In der FDP nennen sie Lindner „Bambi“.
Man faßt es einfach nicht, daß der NRW-Wähler tatsächlich wieder auf diese oberflächiche Masche reinfällt!
Lindner war bisher immer ein Scheiterer und Abbrecher.
Wieso soll gerade er jetzt den Retter der FDP geben?
Es gibt immer noch mindestens 5% an Ärzten, Hoteliers, Juristen und Freiberuflern, die ihre Wählerstimme vorbehaltlos aus eigenen finanziellen Interesen heraus, dieser verwahrlosten FDP geben - egoistisch und widerlich!
FDP > Fast Drei Prozent!

Account gelöscht!

11.05.2012, 10:17 Uhr

Die Befürworter der Vereinigten Schuldenunion werden wohl gleich eine andere der linken Blockparteien wählen. Und alle anderen werden hoffentlich nicht so blöd sein und dieser neosozialistischen FDP WEGEN einem rückratlosen ESM-Propagandisten ihre Stimme zu geben. Dass so ein armseliger Möchtegern wie Lindner in den Medien als charismatische Lichtgestalt dargestellt wird ist einfach nur unglaublich.

MIRO

11.05.2012, 10:27 Uhr

@freedom.fighter
was hat die Kraft dir versprochen für deinen Kommentar"
Wenn halt keine Arumente vorhanden sind hilft nur noch dumme Polemik.gez.walter werner.artists.de

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