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02.08.2013

16:08 Uhr

Handelshemmnisse

Schwellenländer torpedieren deutsche Exporteure

ExklusivSpitzenverbände der deutschen Wirtschaft schlagen Alarm: Deutsche Exporteure sehen sich auf Auslandsmärkten zunehmend massiven Handelsbarrieren gegenüber. Ein Fall für die Bundesregierung, meint der Außenhandelsverband.

Container auf dem Burchardkai im Hamburger Hafen: Würden Handelshemmnisse wegfallen, könnte der deutsche Export um mehr als zehn Milliarden Euro höher liegen, schätzt der DIHK. ap

Container auf dem Burchardkai im Hamburger Hafen: Würden Handelshemmnisse wegfallen, könnte der deutsche Export um mehr als zehn Milliarden Euro höher liegen, schätzt der DIHK.

BerlinDer Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), beklagen wachsende Hürden für deutsche Exporteure auf Auslandsmärkten. Auf Kritik stößt bei BGA-Präsident Anton Börner vor allem, dass die Schwellenländer Marktzugänge blockieren. Er sieht daher die Bundesregierung in der Pflicht, aktiv zu werden.

In gleichem Maße, wie die Zölle abgebaut werden, seien technische Handelshemmnisse „weltweit unaufhaltsam auf dem Vormarsch“, sagte Börner Handelsblatt Online. „Besonders Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien und Russland versuchen auf diesem Wege, sich unliebsame Konkurrenz vom Leib zu halten.“ Hierzu gehörten unterschiedliche technische Standards sowie Sicherheitsvorschriften unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes, sagte Börner weiter. „Hier kann die Bundesregierung in bilateralen Regierungsverhandlungen versuchen Einfluss zu nehmen, besonders wirksam ist es aber, wenn die EU-Länder zusammenstehen und mit vereinte Kräften in den Drittländern auf freien Marktzugang drängen.“

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Kritisch sieht Börner zudem, dass oft einheimische Unternehmen gegenüber deutschen Unternehmen bevorzugt würden, wenn es um die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen geht. „Dies gilt für China ebenso wie zum Beispiel für die USA, wo wir hoffen, dass ein transatlantisches Freihandelsabkommen für Verbesserungen sorgen kann.“

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier konstatierte, dass die Liste an weltweiten Handelshemmnissen für deutsche Exporteure „länger und länger“ werde. Das ist auch das zentrale Ergebnis des aktuellen DIHK-Außenwirtschaftsreports, den Treier heute vorstellte. Würden die festgestellten Behinderungen wegfallen, könnte der deutsche Export um mehr als zehn Milliarden Euro höher liegen, sagte er. Treier begrüßte in diesem Zusammenhang die kürzlich begonnen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Europäern und USA. Das könnte Erleichterungen für den Handel bringen.

Kommentare (25)

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Huss

02.08.2013, 16:13 Uhr

Die deutsche Politik sollte erst einmal den Inlandsmarkt stärken, denn der ist sicherer als der windige Export. Leider haben die Blockparteien das alle nicht erkannt. Im September brauchen wir neue Parteien und neue Ideen mit der Priorität Deutschland. Ja, es gibt Alternativen!

Account gelöscht!

02.08.2013, 16:30 Uhr

wo wir hoffen, dass ein transatlantisches Freihandelsabkommen für Verbesserungen sorgen kann.“
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Herr Börneer liegt da wohl ein wenig falsch
Das Feihandelsabkommen hat nur einen einzigen Zweck:
Deutschland den ganzen Gift in der Lebensmittel- und Futtermittel-Industrie aufs Auge zu drücken.
Monsanto will auch den europ. Markt voll undg anz übernehmen.
Wir gehen sehr unruhige Zeiten entgegeen, das sollten diese Herren mal bedeken.
Jede Spielerei ist mal zu Ende

Account gelöscht!

02.08.2013, 17:13 Uhr

ja, das Freischwindel-Abkommen dient vor allen dazu, der US-Lizenzierungs-, Anwalts- und Finanzwirtschaft (Schwindelbranchen) neue Opfer zu verschaffen. Aber wenigstens wird hier die USA ganz offen unter "Schwellenländer" diskutiert - was sie mittlerweile auch real-wirtschaftlich bei diesem Potemkinland der Fall sein dürfte, mit Ausnahme obiger Zweige (Lizenzindustrie schließt Software ein, nicht nur Monsanto-Agar) und der Rüstungsindustrie.

Langfristig dient das "Transatlantische Freihandelsabkommen" als erster Schritt eines Transatlantischen Superstaats der Konzerne (quasi eine Super-EUdSSR). Wir kleinen Ameisen haben in diesem Ameisenstaat nur die Nachteile.

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