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06.04.2014

21:36 Uhr

Hannover Messe

Merkel warnt vor drohender Zweitklassigkeit Europas

Gerade Länder außerhalb Europas verbuchen heutzutage hohe Wachstumszahlen. Bundeskanzlerin Merkel warnte auf der Hannover Industriemesse, der Kontinent dürfe die nächste industrielle Revolution nicht verschlafen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Rede zur der Eröffnung der Hannover Messe. Die Industriemesse findet vom 7. bis 11. April 2014 statt. Partnerland sind in diesem Jahr die Niederlande. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Rede zur der Eröffnung der Hannover Messe. Die Industriemesse findet vom 7. bis 11. April 2014 statt. Partnerland sind in diesem Jahr die Niederlande.

HannoverMit einem Aufruf zu mehr Innovationskraft in Europa hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend die weltgrößte Industrieschau in Hannover eröffnet. „90 Prozent des Wachstums finden außerhalb von Europa statt“, sagte die CDU-Politikerin. „Insofern müssen wir uns sputen und alles dafür tun, dass wir unseren Mehrwert auch wirklich nutzen.“ Europa dürfe die nächste industrielle Revolution nicht verschlafen.

Diese wird durch das Branchentreffen in der niedersächsischen Landeshauptstadt unter dem Motto Industrie 4.0 thematisiert. Der Begriff meint das Verschmelzen der digitalen, softwaregetriebenen Welt mit der Produktion. Hierbei kommt es darauf an, dass Deutschland den Vorsprung in der klassischen Industrie wie etwa Auto- oder Maschinenbau zukunftsfähig weiter treibt und global nicht ins Hintertreffen gerät.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Merkel sagte: „Die europäischen Fähigkeiten müssen in diesem Bereich eher ausgebaut werden.“ Sie riet zur Offenheit beim Zusammenwachsen der klassischen Industrie mit der digitalen Welt: „Vertragen Sie sich, seien Sie neugierig auf das, was kommt, und hängen Sie nicht zu sehr an Ihren alten einzelnen Branchen.“ Der Mensch dürfe dabei aber nicht aus den Augen verloren werden. Sie sei gespannt, wann der erste Betriebsrat einer sich selbst organisierenden Fabrik gegründet werde.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, schlug in dieselbe Kerbe. Es sei entscheidend, den Wandel der Arbeitswelt im Zuge einer sich digitalisierenden Industrie nicht aus den Augen zu verlieren. So würden etwa Fachkräfte wichtiger, die an den Schnittstellen zwischen den klassischen Ingenieurswissenschaften und der Softwareprogrammierung arbeiten. Grillo sprach zudem die Sorgen der Industrie angesichts des Zankapfels Energiewende an: „Zukunft braucht Verlässlichkeit. Das gilt vor allem für die Energie.“ Er warnte, andernfalls werde es eine schleichende Abwanderung energieintensiver Unternehmen geben.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte betonte, die Messe biete mit Holland als diesjährigem Partnerland auch die Chance, Klischeedenken auf beiden Seiten der Grenze zu beenden: „Die Niederlande werden in Deutschland nicht auf Anhieb mit technologischem Fortschritt in Verbindung gebracht.“ Weltweit seien schon heute nur die USA und Kanada enger verbunden als Deutschland und die Niederlande. Auf beiden Seiten der Grenze arbeiteten Hightech-Unternehmen an Produkten, die zur Weltspitze gehörten.

„Kein Land der Welt exportiert so viel nach Deutschland wie die Niederlande“, sagte Rutte. Es sei falsch, Deutschlands Nachbarland nur mit Tulpen und Käse in Verbindung zu bringen. „Wenn Sie ein Auto mit Hightech-Automatikgetriebe fahren“, sagte Rutte, „kommt das mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit aus Holland.“ Die 167 Milliarden Euro gemeinsames Handelsvolumen aus dem vergangenen Jahr seien ein neuer Rekord - Tendenz steigend. Auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betonte: „Die Niederlande zählen zu den zehn innovativsten und wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt“.

Nach den Franzosen seien die Niederländer Deutschlands wichtigster Handelspartner, sagte auch Grillo. Das Handelsvolumen sei doppelt so hoch wie das mit Russland. Umrahmt wurde die Veranstaltung von einer burlesken Magier-Show des holländischen Performance-Künstlers Hans Klok sowie der Musik- und Lichtshow „The light of innovation“, bei der Szenen der industriellen Revolution präsentiert wurden.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.04.2014, 08:06 Uhr

Sie sollte vor der Drittklassigkeit warnen. Oder besser: Europa, die neue Dritte Welt. Vor allem die Eurozone. Da muß man nur die Augen öffnen...

Account gelöscht!

07.04.2014, 09:01 Uhr


Benannte Zweitklassigkeit wächst durch korrupte drittklassige Politikerkasten.

Verharren wir halt weiter in der "Drittklassigen Klippchul".
Zu mehr reicht`s nach Bruesseler Bildngunsvorgaben nicht mehr..

Account gelöscht!

07.04.2014, 09:56 Uhr

@ Dissident

Ist was Wahres dran. Den Club Med inkl. Frankreich rauswerfen, den industrie- und naturschutzfeindlichen(!) EEG-Irrsinn kippen, Zusammenschluß der leistungsfähigen, splide wirtschaftenden Länder (i.e.S. also Mittel- und Nordeuropa plus Teile Osteuropas und es entstände eine "Neue Hanse" (Grenzen gegen Wirtschaftflüchtinge dichtmachen!), die die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmannes hochhält in der Welt ein gewaltiges Wörtchen mitzureden hätte, wenn sie nicht sogar dominant wäre wie ihr historisches Vorbild.

Selbstredend, daß Politiker, wie wir sie derzeit hier haben, in einer solchen "Neuen Hanse" keinerlei Gewicht mehr haben dürften und sich statt dessen nach ordentlicher, wertschöpfender Arbeit umsehen müßten.

Das bringt mich ohnehin auf einen Gedanken: Politiker im Sinne "Zum Wohle der Bevölkerung" dürften nur solche Leute werden, die in einem grundsoliden, wertschaffenden Beruf 10 Jahre Berufserfahrung haben. Das schlösse z.B. GrünInnen, die außer einem abgebrochenen Theologie-, Theater oder Philosophiestudium, einer abgebrochenen sonstigen Berufsausbildung resp. "gar nichts gelernt" überhaupt nichts aufweisen können (man kann ja bei entsprechendem Fleiß und Einsatz durchaus auch ohne formale Ausbildung sehr erfolgreich in einem Beruf sein, eine Firma aufbauen o.ä.: Der klassische Self-made man! Durch *harte Arbeit* zum Ziel kommen!), automatisch von verantwortlichen Positionen aus, in denen sie seit Jahrzehnten gewaltigen Schaden anrichten.

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