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16.04.2011

10:59 Uhr

Harry Voigtsberger

"Wir wollen den Atomausstieg"

VonDietmar Neuerer

ExklusivNach der Reaktorkatastrophe in Japan diskutiert Deutschland über die Energiewende. Im Interview erklärt NRW-Wirtschaftsministerminister Harry Voigtsberger (SPD), warum er einen raschen Atomausstieg befürwortet.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger hält einen raschen Atomausstieg für realistisch. Quelle: dpa

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger hält einen raschen Atomausstieg für realistisch.

Herr Voigtsberger, RWE-Chef Jürgen Großmann und die Industrie stemmen sich gegen eine schnelle Energiewende. Sie warnen vor unüberlegten Schnellschüssen, die in keinem Verhältnis zum Handeln anderer EU-Staaten stünden. Haben Sie dafür Verständnis?

Harry Voigtsberger: Bereits mehrfach habe ich die großen Energieversorgungsunternehmen aufgefordert, die nach Fukushima unausweichliche energiepolitische Wende konstruktiv zu begleiten. Sie sollten sie auch als Chance für notwendige strategische Neuorientierungen betrachten. 

Bis wann ist ein Atomausstieg realistisch?

Wir wollen den Atomausstieg so schnell wie möglich und haben dazu bereits vor Fukushima entsprechende Initiativen gestartet. Wenn es ein stimmiges Energiekonzept und energiepolitischen Konsens über massive Investitionen in Erneuerbare und für eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung gibt, halte ich ein Ausstiegsdatum um 2018 für durchaus denkbar.

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) fordert von den Energieriesen, die energiepolitische Wende konstruktiv zu begleiten.

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) fordert von den Energieriesen, die energiepolitische Wende konstruktiv zu begleiten.

Macht es Sinn, wenn Deutschland der Atomenergie den Rücken kehrt, andere EU-Staaten aber weiter daran festhalten?

In ganz Europa, ja in der ganzen Welt macht man sich Gedanken über die Zukunft der Kernenergie. Deutschland und insbesondere NRW haben den Vorteil, das wir hier bereits besonders weit sind bei der Entwicklung eines intelligenten Energiemixes aus Erneuerbaren Energien und modernen Gas- und Kohlekraftwerken, die für eine lange Übergangszeit unverzichtbar sein werden. Wir haben die Technologie und die Kraftwerke, um eine atomenergiefreie Energiepolitik umzusetzen, die sowohl Versorgungssicherheit, Netzstabilität wie akzeptable Strompreise gewährleistet. Schon heute profitieren gerade Handwerk und Mittelstand vom Boom der Erneuerbaren Energien. Es wäre unverständlich, diesen Standortvorteil durch Warten auf andere Länder aufzugeben.

Für Unions-Politiker ist noch nicht ausgemacht, dass die acht abgeschalteten Anlagen nicht wieder ans Netz dürfen. Was heißt das für das Ziel, einen parteiübergreifenden Energiekonsens zu erreichen?

Wie nicht erst der Atomgipfel zeigt, ist die Kanzlerin seit Fukushima an einem energiepolitischen Konsens interessiert. Das Land NRW hat dazu mit seiner aktuellen Bundesratsinitiative klare Vorschläge gemacht. Wir fordern die  Bundesregierung auf, die Laufzeitverlängerung aufzugeben und zum rot-grünen Ausstiegskonsens zurück zu kehren. Darüber hinaus werden wir demnächst ein eigenes Energiekonzept vorlegen. Dazu gehören neben neuen Kraftwerksbauten, möglichst  mit  Kraft-Wärme-Kopplung, auch die Themen Energieeffizienz, energetische Sanierung, energieeffizientere Technologien und Werkstoffe. Dann wird sich zeigen, wie ernst es die Kanzlerin und  die Bundesregierung mit ihren Konsenswünschen meinen.

Kommentare (15)

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Prophet

16.04.2011, 12:29 Uhr

Hahahahaha....2018 !!!!
Dieses Jahr startet schon das weltweite Chaos !
Dann habe die Menschen andere Sorgen als einen "Ausstieg" aus der Atomkraft.......

Account gelöscht!

16.04.2011, 12:37 Uhr

Fakt ist

1.
Die Basis dieser sog. Energiewende sind

a) Klimawahn = unbewiesene CO2-Sachlage, auch CO2-Lüge genannt;

b) Panikreaktionen aufgrund völlig anderartiger Verhältnisse in Japan, die in der gesamten Welt nur in Deutschland mal wieder so gesehen werden.

2.
Deutschland ist von Atomreaktoren
- teils erheblich unsicherer Bauart, als jedes deutsche A-Kraftwerk - ''umzingelt''. Frankreich baut just den 59. A-Reaktor vor unserer Haustür (in Worten: neunundfünfzigsten). Die Franzosen lachen sich ins Fäustchen und tippen sich an die Stirn....

3.
Die Stabiliät der Energieversorgung kann auf Jahre ohne Importe von Atomstrom niemals gewährleistet werden. Es fehlen Speicher für Windstrom usw. - man baut auf Sand = technisch alles unausgereifte Konzepte grünlackierter Laien.

4.
Die sog. Energiewende kostet den Stromverbraucher und Steuerzahler im Jahr
(einschl der Ausfälle an Brennelementesteuern, z. B. 2,3 Mrd. Euro jährlich)
rund 20 Milliarden Euro. Natürlich wird diese Zahl kleingeredet, aber sie ist mathematisch exakt prognostiziert.

5.
Ich halte dieses panikartige Vorgehen für eine abenteuerliche Politik ohne Sachverstand, für nahezu kriminell und ausbeuterisch,
zumal auf absehbare Zeit Industrie nach Frankreich abwandern wird - und die Arbeitsplätze verloren gehen.

6.
Ausstieg und Energiewende mit Maß und Ziel, das wäre diskutabel, aber nicht diese panikartige Drehung zu Lasten der Bevölkerung, die bereits letztlich alle EU-Pleitestaaten auf Dauer durchziehen muss mit 160 Mrd. Euro (Barzahlungen und Bürgschaften, die sicher fällig werden!).

FAZIT:
Wo bleiben weitsichtige Vernunft und Verantwortung?
Auf der Strecke!

Diesen Hokuspokus wird unsere Gesellschaft schon finanziell
in dieser kurzen Zeitspanne nicht tragen können - ohne rabiate Einschnitte, die allen erhebliche Lebensqualität kosten wird.

Die Öko-Diktatur lässt grüßen ..... Klimawahn sei Dank!

Account gelöscht!

16.04.2011, 12:38 Uhr

Das grüne Jobwunder ist nur ein Märchen

Die Grünen zwischen Utopie und Wirklichkeit

Politiker verkaufen erneuerbare Energien als ''Jobmotor''. Dabei dürften Subventionen für Ökostrom mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen.
Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), hat immer auch die Wirtschaft und Arbeitsplätze seiner Heimat im Blick – selbst wenn es um so heikle Themen wie Atomkraft geht. „Was muss man da jetzt die alten Monopolisten stärken?'', fragte Kretschmann, nachdem sein Amtsvorgänger Stefan Mappus (CDU) für das Land Anteile am AKW-Betreiber EnBW gekauft hatte. „Die dynamischen Sektoren liegen ganz woanders'', kritisierte Kretschmann: „In dem Feld der erneuerbaren Energien liegen 300.000 Arbeitsplätze.''
Mit seinem Glauben an das große Arbeitsmarktpotenzial der erneuerbaren Energien steht Kretschmann nicht allein. In dem an Landtagswahlen nicht armen Jahr 2011 vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Politiker das Lied vom „grünen Jobwunder'' anstimmt, das sich einstellen werde, wenn die Ökobranchen nur weiter genügend Fördergelder bekommen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) etwa wird nicht müde, die erneuerbaren Energien zu einem „Jobmotor für Deutschland'' zu erklären.
Klimaschutz und Versorgungssicherheit haben als Rechtfertigung für üppige Ökostrom-Subventionen ausgedient: Im Wahljahr 2011 mit seinen sieben Landtagswahlen kommen Politiker beim Bürger mit dem Arbeitsplatz-Argument offenbar besser an. Nur: Ist am grünen Jobwunder überhaupt etwas dran? ..........................
http://archiv.raid-rush.ws/t-777621.html

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