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15.12.2014

14:18 Uhr

Hartz-IV-Bezieher

Zehn Prozent haben Abitur oder Fachabi

Hartz-Empfänger sind gebildet: Fast jeder zehnte Hartz-IV-Langzeitbezieher hat Abitur oder Fach-Abi. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2013. Knapp drei Prozent haben sogar eine akademische Laufbahn absolviert.

Nur Nudelsuppe trotz Bildung: Hartz IV hat nicht immer etwas mit fehlender Bildung zu tun. dapd

Nur Nudelsuppe trotz Bildung: Hartz IV hat nicht immer etwas mit fehlender Bildung zu tun.

NürnbergFast jeder zehnte Langzeitbezieher von Hartz IV hat einen höheren Schulabschluss oder studiert. Das geht aus am Montag bekannt gewordenen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die AFP vorlagen. Der Statistik zufolge gab es Ende Juli gut 2,2 Millionen als arbeitssuchend registrierte Hartz-Empfänger. Von diesen Langzeitbeziehern, die in den vergangenen zwei Jahren länger als 21 Monate hilfebedürftig waren, hatten 134.546 Abitur und weitere 75.338 die Fachhochschulreife.

Insgesamt stieg die Zahl im Vergleich zu Juli 2013 um knapp drei Prozent an. 65.921 der Langzeitbezieher von Hartz IV haben sogar eine akademische Ausbildung absolviert, wie aus den BA-Zahlen weiter hervorgeht, über die zunächst die „Bild“-Zeitung am Montag berichtet hatte.

So zeigt sich Armut in Deutschland

Die Gefahr arm zu werden...

... ist gewachsen. Der Schwellenwert für die Armutsgefährdung lag in Deutschland 2009 bei 11.278 Euro und 2010 bei 11.426 Euro pro Jahr. Das entsprach monatlich einem Betrag von 940 Euro (2009) beziehungsweise 952 Euro (2010). Nach Zahlung staatlicher Sozialleistungen waren 2010 insgesamt 15,8 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet gegenüber dem Jahr 2009 (15,6 Prozent). Frauen waren auch 2010 mit 16,8 Prozent stärker armutsgefährdet als Männer mit 14,9 Prozent (Frauen 2009: 16,4 Prozent; Männer 2009: 14,9 Prozent).

Wo Deutsche sparen müssen

5,2 Prozent der Deutschen geben an, ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht ausreichend warm halten zu können. Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) fährt nach eigenen Angaben im Jahr nicht mal eine Woche in den Urlaub, weil er oder sie es sich nicht leisten kann. 34,5 Prozent können plötzlich anfallende Kosten von mindestens 930 Euro im Monat nicht aus eigenen Mitteln bestreiten, eine vollwertige Mahlzeit können sich 8,8 Prozent nicht einmal jeden zweiten Tag leisten.

Der höchsten Armutsgefährdung...

... sind mit Abstand Alleinerziehende (37,1 Prozent), Alleinlebende (32,2 Prozent), Arbeitslose (67,8 Prozent) und niedrig Gebildete (25,8 Prozent) ausgesetzt.

Die Armutsgefährdung im mittleren Alter...

... ist dagegen zwischen den Geschlechter fast ausgeglichen. Dennoch ist die Gefahr bei Frauen stets höher. Bei Personen im Alter von 55 bis 64 Jahren war der Abstand zwischen den Armutsgefährdungsquoten 2010 bei Frauen (21,1 Prozent) und Männern (19,5 Prozent) geringer. Auch bei den 25- bis 54-Jährigen fiel der Unterschied mit 0,2 Prozentpunkten (Frauen 2010: 14,9 Prozent; Männer: 14,7 Prozent) viel niedriger aus als bei den Jüngeren. Im Jahr 2009 hatte der Abstand noch 1,5 Prozentpunkte (Frauen: 14,8 Prozent; Männer: 13,3 Prozent) betragen.

Junge Frauen...

... sowie ältere Frauen laufen besonders leicht Gefahr in Armut abzurutschen. Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren (2010: 19,0 Prozent) sowie 55- bis 64-Jährige (2010: 20,4 Prozent) sind in höherem Maße armutsgefährdet sind als andere Altersgruppen. Junge Menschen befinden sich häufig noch in einer Ausbildung oder stehen am Anfang des Berufslebens. In dieser Altersgruppe treten auch die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf. Mehr als jede fünfte Frau (21,8 Prozent) zwischen 18 und 24 Jahren war 2010 armutsgefährdet, unter den gleichaltrigen Männern waren es dagegen nur 16,2 Prozent. Ähnlich hoch war der Abstand bei 65-Jährigen und Älteren (2010 Frauen: 16,2 Prozent; Männer: 12,0 Prozent).

Obere 20, untere 20

Das Verhältnis der Einkommen der 20 Prozent einkommensstärksten Personen zu dem der 20 Prozent einkommensschwächsten Personen blieb zwischen 2009 und 2010 konstant: Das obere Fünftel der Bevölkerung verfügte
zusammen über ungefähr viereinhalbmal so viel Einkommen wie das untere Fünftel der Bevölkerung.

Arm im Alter...

.. ist ein vergleichsweise häufiger Zustand. In der Untergliederung nach Altersgruppen zeigt sich, dass das mittlere Äquivalenzeinkommen bei Menschen zwischen 25 und 54 Jahren mit 20.703 Euro im Jahr 2010 deutlich über dem
Wert für die Gesamtbevölkerung lag. Menschen in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre verfügten mit 19.087 Euro ebenfalls über ein leicht über dem Durchschnitt liegendes Einkommen. Anders bei den 65-Jährigen und Älteren: Hier lag das mittlere Einkommen mit 17.611 Euro unter dem Bundesdurchschnitt.

Frauen verdienen...

...immer noch weniger als Männer. Zwar war der Einkommenszuwachs bei Frauen zwischen 2009 und 2010 etwas höher (252 Euro) als bei Männern (203 Euro). Allerdings bestehen nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen den Einkommen von Männern und Frauen: Der Median des Nettoäquivalenzeinkommens von Frauen war 2010 mit 18.700 Euro um 689 Euro niedriger als der von Männern (19.389 Euro).

Quelle: „Datenreport 2013. Ein Sozialbericht für Deutschland“.

Der BA-Statistik zufolge hatten 932.605 Langzeitbezieher einen Hauptschulabschluss, 462.920 besaßen einen solchen nicht. Weitere 515.156 hatten die Mittlere Reife. Insgesamt hatten 1,25 Millionen Langzeit-Hartz-Bezieher keine abgeschlossene Berufsausbildung, 866.275 hatten eine betriebliche oder schulische Ausbildung.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Peter Hohlen

16.12.2014, 13:29 Uhr

Wenn die Armutsgefährdung bei 950Euro besonders hoch ist wo liegen denn dann die Single SGB II Bezieher wenn sie ca. 800Euro "üppiges" Hartz IV bekommen ( "üppig" nach Aussage einiger ) Das die Abiturienten unter Hartz 4 steigen sollte logische Konsequenz sein wenn Jobs nur noch für Realschüler ermöglicht werden . ( früher Hauptschuljobs ! ) Eine nette "Idee" der Wirtschaft : ich schaffe Qualifikationen in "einfachen" Berufen die früher für Hauptschüler denkbar waren und senke dabei den Lohn für diese NUN unqualifzierten Hauptschüler die auf den "Zug" aufspringen wollen . Schade nur das das Verhältnis freie Stellen vs. Arbeitssuchende NICHT mehr passt 10:1 so stehen ALLE kurz vor der Arbeitstechnischer und Gesellschaftlicher Existenznot :-(

Herr Hedge Fonds

17.12.2014, 12:09 Uhr

Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber der Bezug zur Realität ist doch ein bisschen verloren gegangen, oder?

Aktuell verdient man als Auszubildender ca.500-650 Euro, als normaler Arbeiter mit Mindestlohn ca. 1300 netto im Monat. Auf 40h Basis die Woche.

Ich möchte nicht alle über einen Kamm scheren, aber ich kann mir schlecht vorstellen, dass es zig Millionen in Deutschland (von sozialen Härtefällen mal abgesehen, oder gesundheitlich Bedürftige rausgerechnet) des Arbeiten wegens so schlecht geht.
Meine Erfahrungen bestätigen dies auch.

Es stellt sich natürlich immer die Frage wie sozial ein Staat bzw. die einzelne Person sein will, aber vor 50 Jahren wäre die Arbeitslosenzahl bestimmt um 80 Prozent geringer gewesen…
Das Wunschniveau ist aktuell von der Realität abgekoppelt. So wie das Sozialsystem jetzt läuft wird es in Zukunft nicht mehr weitergehen können.

Und die hohe Anzahl an Hochschulabsolventen liegt einfach an der hohen Quote an sich. Jeder Depp ist am Gymnasium gewesen bzw. hat studiert, oder es zumindest mal versucht. Besonders viel Intelligenz muss dafür nun auch nicht gegeben sein.

Ihrem letzten Punkt muss ich leider komplett widersprechen. Wir haben weder einen extremen Fachkräftemangel, noch viel zu wenig Stellen. Gesamt gesehen ist der Markt sogar ziemlich ausgeglichen. Von manchen Firmen jedoch werden die Raster bzw. die Anforderungen falsch gesetzt, was auch auf einige Arbeitnehmer zutrifft.

Ich kann nur für mich sprechen, stehe aber persönlich nicht vor einer Existenznot. Genauso wie 99,5 Prozent all meiner Bekannten und Verwandten. Und selbst wenn es so wäre würden die von Ihnen angedeuteten Anpassungen das Problem an sich nur verstärken.

Einzelfälle ausgenommen ist jeder nun mal seines Glückes Schmied. Manche haben Pech, manche Glück. Trotzdem gilt statistisch gesehen der schöne Satz: Jedem das Seine.

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