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20.01.2011

14:45 Uhr

Hartz-IV Verhandlungen

Zeitarbeitsbranche vor Stellenabbau

VonDietrich Creutzburg

Die Hartz-IV-Unterhändler von Bund und Ländern wollen nicht nur Mindestlöhne, sondern auch gleichen Lohn für Leiharbeiter. Die Wirtschaft schlägt Alarm, da sie um die Schlagfertigkeit der Zeitarbeit bangt. Bürokratie und hohe Löhne würden die Branche lähmen.

Die Zeitarbeit könnte vor einer Krise stehen. Quelle: dpa

Die Zeitarbeit könnte vor einer Krise stehen.

BERLIN . Die geplante Einführung einer strengen Lohnregulierung in der Zeitarbeitsbranche wird nach Einschätzung des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA) "mehrere Zehntausend Arbeitsplätze" kosten. "Der Arbeitsplatzmotor Zeitarbeit, der den Aufschwung stark vorangetrieben hat, würde stark beschädigt", schlug BZA-Präsident Volker Enkerts gestern Alarm. Auch der Maschinenbau-Verband VDMA, der viele Kundenbetriebe der Zeitarbeitsbranche vertritt, ist besorgt: Die Politik laufe Gefahr, "das Instrument Zeitarbeit unbrauchbar" zu machen, sagte Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse dem Handelsblatt.

Beide reagierten damit auf Pläne aus der Hartz-IV-Arbeitsgruppe von Bund und Ländern, die seit Dezember über Änderungen der Grundsicherung für Langzeitarbeitslose verhandelt. Dort verdichten sich neuerdings Anzeichen, dass Regierung und Opposition bei ihrer Suche nach einer Einigung über höhere Sozialleistungen nebenbei die tarifpolitischen Spielräume der Zeitarbeitsbranche empfindlich einschränken wollen: Prinzipiell sollen für Zeitarbeiter künftig die Standards für Stammkräfte der jeweiligen Kundenbetriebe gelten ("equal pay"). Zeitarbeits-Tarifverträge wären dann nur noch eine Auffanglinie für Einarbeitungszeiten und für Phasen, in denen Zeitarbeiter nicht bei Kunden eingesetzt sind. Sie sollen nach dem Willen von Regierung und Opposition außerdem mit einem neuen Mindestlohn abgesichert werden.

"Equal pay" macht Zeitarbeit zu teuer

"Wie bei vielen sozialen Forderungen hätten Politiker dann zwar Gesetze ihren Wünschen angepasst - nur die wirtschaftliche Realität würde sich nicht daran halten", warnte Enkerts vor den Folgen von "equal pay". Zeitarbeit werde dadurch bürokratischer und teurer, sagte er. Kundenbetriebe würden mit Rationalisierung und Jobverlagerung reagieren, was vor allem geringqualifizierte Arbeitslose treffe. ",Equal pay? würde zu mehr Bürokratie in den Unternehmen führen und somit die Zeitarbeit für die Kundenfirmen unverhältnismäßig verteuern", warnte auch Hesse.

Nach einem heftigen Einbruch in der Krise hat die Zahl der Zeitarbeiter mittlerweile neue Höchststände um 900 000 erreicht, was gut zwei Prozent der Erwerbstätigen entspricht. Den Gewerkschaften ist dies ein Dorn im Auge, weil Zeitarbeit nach ihrer Ansicht Stammbelegschaften und deren Branchentarife unter Konkurrenzdruck setzt.

Politische Unterstützung erhalten sie dabei vor allem von FDP, SPD und Grünen, die fast unisono für "equal pay" werben - während die Union ursprünglich nur einen Mindestlohn wollte. Für Schwarz-Gelb ist der sich anbahnende Schwenk auch deshalb bemerkenswert, weil der Koalitionsvertrag eigentlich andere Prioritäten setzt: Dort hatten Union und FDP mehr Spielraum für befristete Arbeitsverträge angekündigt. Bei der Zeitarbeit hatten sie zunächst gar keinen Regelungsbedarf erkannt.

Kommentare (9)

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Sklavenzentrale

20.01.2011, 16:13 Uhr

Wann kommt endlich Leiharbeit und Niedriglohn für Politiker, bankster, Spitzenmanager, beamte, öffentlich bedienste und dergleichen mehr?


Morchel

20.01.2011, 16:19 Uhr

Sarrazins Thesen sagen das genaue Gegenteil wir stärken die binnennachfrage, Jetzt wo die Globalisierung gescheitert ist, zahlen die ach so armen reichen moralisch vertretbar Steuern Lobbyfinanzierung vergessen wir mal kurz. Dann füttern wir noch die Sozalen kassen Und gönnen den seit jahren betrogenen Sklaven ein wenig luft zum atmen bevor wir ihn im Humanverschleiss verheitz haben. Fast können wir das bischen Staatsverschuldung abbauen. Es ist denen scheissegal irgend wie werden wir nach getaner profitrealisierung diese Loooooooossssser schon los.

Peter Scholz

20.01.2011, 16:48 Uhr

[1] Sklavenzentrale
NiE ! Es bleibt ein frommer Wunsch.

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