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20.03.2013

09:18 Uhr

Hauptstadt-Flughafen

Streit über Weiterbetrieb des Flughafens Tegel

VonDietmar Neuerer

ExklusivAufgrund der Probleme mit dem neuen Berliner Flughafen BER sprechen sich einige Bundespolitiker für eine Offenhalten des Flughafens Tegel aus. Gegner des Vorstoßes bezeichnen das als Populismus.

Passagiere und Besucher in der Haupthalle des Flughafens Tegel in Berlin. dpa

Passagiere und Besucher in der Haupthalle des Flughafens Tegel in Berlin.

BerlinÜber eine mögliche Offenhaltung des Flughafens Berlin-Tegel ist im Bundestag ein heftiger Streit entbrannt. Hintergrund ist die Forderung der Bundes-FDP und des Berliner Landesverbands der Liberalen, die rechtlichen Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb des Airports Tegel zu prüfen.

Unterstützung kommt vom Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel. „Wir sollten uns ideologiefrei mit allen Optionen beschäftigen, um Berlin eine leistungsfähige Anbindung an die Welt zu garantieren“, sagte Steffel Handelsblatt Online. „Nach dem Chaos am BER brauchen wir eine schonungslose Bestandsaufnahme mit einer Kosten-, Zeit- und Kapazitätsanalyse.“

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Das Debakel um den neuen Hauptstadtflughafen produziert auch einen großen Gewinner.

Der Generalsekretär der Bundes-FDP, Patrick Döring, hatte der "B.Z. am Sonntag" gesagt: "Man sollte jetzt alles tun, um zu prüfen, ob ein Änderungsverfahren des Planfeststellungsbeschluss erfolgreich sein kann." Ein Betrieb Tegels müsse aber wirtschaftlich vernünftig sein.

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Die Berliner FDP hatte zudem am vergangenen Sonntag auf ihrem Landesparteitag den Antrag beschlossen, Tegel offen zu halten. In der Forderung "Berlin braucht TXL" des Ortsverbands Charlottenburg-West heißt es, "dass es auch nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER zu eklatanten Engpässen bei der Bewältigung des Luftverkehrsaufkommens kommen wird."

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Der stellvertretende Berliner FDP-Chef Lars Lindemann sagte dazu: "Wenn man eine rechtliche Grundlage schaffen kann für eine Offenhaltung, dann sollte man dies tun, um die Möglichkeit zu haben, Tegel auch länger offen halten zu können."

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

20.03.2013, 08:51 Uhr

Typisch Deutsch ... ein gute Idee dar nicht weiterverfolgt werden weil man bereits vor Jahren entschieden hat Tegel zu schließen...
Dabei spricht ales für enn Weiterbetrib und langfristiges Wachstum für beide Flughäfen, die Chance der Entflechtung und damit eigentlich nur Vorteile .. Tegelist ausserdem der Passagierfreundlichste Flughafen den ich kenne.. Klar strukturiert, kurze Wege und stadtnah .. was will der Passagier mehr

Account gelöscht!

20.03.2013, 09:08 Uhr

Journalisten vereint mit Rot/Grün wollen Tegel schließen. Warum? Um bei ihrer Klientel Punkte zu gewinnen. Ob die Schließung Sinn macht wird nicht sachlich diskutiert. Das ist der wahre Populismus, und die dami einhergehende Borniertheit typisch deutsch, insoweit stimme ich Gsader voll zu.

zappenduster

20.03.2013, 09:11 Uhr

Wohnen Sie in der Einflugscheiße von Tegel, wahrscheinlich nicht, also Klappe halten.

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