Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2014

17:24 Uhr

Hauptstadtflughafen

BER wird 2014 nicht mehr eröffnet

Gerechnet hat damit ohnehin niemand mehr, aber so klar gesagt hat es noch keiner der Verantwortlichen: Im Jahr 2014 wird er nicht mehr eröffnet, so Klaus Wowereit. Der neue Airport lässt noch lange auf sich warten.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor dem Schriftzug BER Flughafen Berlin Brandenburg. 2014 werden hier noch keine Flüge starten. dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor dem Schriftzug BER Flughafen Berlin Brandenburg. 2014 werden hier noch keine Flüge starten.

BerlinMit einem Start des neuen Berliner Hauptstadtflughafens ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) bestätigte am Dienstag mit dieser Ankündigung die allgemeine Erwartung. „De facto wird es so sein, dass der Flughafen 2014 nicht mehr eröffnet werden kann“, sagte der Berliner Regierende Bürgermeister.

Der milliardenschwere Flughafen sollte eigentlich seit gut zwei Jahren in Betrieb sein. Wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Missmanagement gibt es aber noch keinen neuen Eröffnungstermin. Ein Start gilt nach derzeitiger Lage frühestens Ende 2015 als möglich.

In der zweiten Jahreshälfte 2014 soll eine Start- und Landebahn saniert werden, die der neue Flughafen vom benachbarten alten Schönefelder Flughafen übernimmt. Die Betreiber hatte zudem Ende vergangenen Jahres Siemens eineinhalb Jahre Zeit gegeben, die Brandschutzanlage im Terminal funktionsfähig zu machen.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Wowereit sagte, es seien technische Lösungen für die Probleme gefunden. Nun komme es darauf an, bei der Umsetzung voranzukommen. Der Berliner Rathauschef war im Dezember auf den Posten des Aufsichtsratschefs zurückgekehrt - knapp ein Jahr, nachdem er ihn wegen geplatzter Eröffnungstermine zurückgetreten war.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn beharrt seit Monaten darauf, erst dann einen neuen Termin zu nennen, wenn er sich dessen sicher sei. Der Aufsichtsrat will im März wieder tagen. Wowereit wandte sich abermals gegen Forderungen aus Brandenburg, das Nachtflugverbot auszuweiten. Der neue Flughafen sei dann nicht mehr konkurrenzfähig.

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.01.2014, 16:02 Uhr

Dieses Projekt zeigt, wozu unsere Politiker fähig sind und was sie wirklich können...

Deshalb kann man auch als Minister von einem Ministerium ins andere wechseln, weil keinerlei Qualifikation für ein Ministeramt gefordert wird.

Man muß es nur in der Partei weit genug gebracht haben.

Dann werden schon die passenden Posten gefunden. Letztes Prima Beispiel: Pofala

Antonique

07.01.2014, 17:31 Uhr

Alles nur noch Witzfiguren ohne Qualifikation.

Westberliner

07.01.2014, 18:03 Uhr

Willy Brandt - der "Öäääh"- und "Äääööh"-Bundeskanzler (wer erinnert sich nicht gern an die durch Brandwein oder ähnlichem Fusel lähmend-langsame Nuschelsprechweise) und vormalige Bürgermeister von Berlin (er war sozusagen der Begründer der "Berliner Schmarotzerpolitik" auf Kosten der anderen Bundesländer, und er festigte durch seine Sozialpolitik für Generationen heutige Harz-IV-Dynastien in bestimmten Stadtbezirken...) bekommt genau das, was er verdient! Nämlich eine Ruine, die seinen Namen trägt! lol...

Witzig, wie in den vergangenen Wochen seitens der linken GEZ-Medien versucht wurde, Brandt zu einer Ikone zu machen. Adenauer und Erhard haben solch eine Beachtung und Wertschätzung bislang nicht gefunden - obwohl sie die Begründer des deutschen Wohlstands sind...

Jedenfalls wird in der Tradition Brandts in Berlin weiter "gewirtschaftet"...lol... Ein Hoch auf die Linke und alle Schmarotzer im Lande!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×