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16.08.2013

10:39 Uhr

Hauptstadtflughafen

„Wowereit garantiert weiteren BER-Schlingerkurs“

VonDietmar Neuerer, Silke Kersting

ExklusivDass Wowereit erneut BER-Aufsichtsratschef für den Berliner Großflughafen BER werden soll, stößt auf scharfe Kritik. Parteiübergreifend ist man sich einig: Mit dem SPD-Politiker kommt das Projekt nicht voran.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Ihm fehlt der Überblick, das Interesse und der Gesprächsfaden zur BER-Spitze“, sagen die Grünen. dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Ihm fehlt der Überblick, das Interesse und der Gesprächsfaden zur BER-Spitze“, sagen die Grünen.

BerlinDie Leidensgeschichte am geplanten Berliner Großflughafen mit dem Kürzel BER nimmt kein Ende. Heute tagt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft – und es zeichnet sich ab, dass es nicht nur keinen Nachfolger für den scheidenden Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) geben wird. Nein, noch schlimmer: Mangels Kandidaten kann noch nicht einmal ernsthaft über einen Nachfolger debattiert werden.

Damit läuft es wohl auf die Interimslösung hinaus, dass Platzecks Stellvertreter im Aufsichtsrat, Klaus Wowereit (SPD), das Kontrollgremium die nächsten Monate leiten wird, mindestens bis nach der Bundestagswahl. Platzeck selbst legt Ende August aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder.

In der Bundespolitik regt sich massiver Widerstand gegen Wowereit. „Wowereits Rückkehr an die Spitze des Aufsichtsrates ist ein Treppenwitz der Geschichte“, sagte der Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, Handelsblatt Online. Er habe bei der Kontrolle des Flughafenbaus komplett versagt und wurde abberufen. „Ich kann nicht erkennen, was sich seither an seinen Fähigkeiten geändert haben soll. Statt in alte Berliner Verhältnisse zurückzufallen, sollte ein Fachmann an die Spitze des Aufsichtsrates berufen werden.“

Zahlen und Fakten zum Hauptstadtflughafen BER

Gesamtkosten

voraussichtlich 4,3 Milliarden Euro (2012)

Gesamtmehrbelastung

1,2 Milliarden Euro

Verschiebungsbedingte Baumehrkosten

67 Millionen Euro

Bisherige Baumehrkosten

276 Millionen Euro

Mindereinnahmen durch Verschiebung der Eröffnung

230 Millionen Euro

Risikovorsorge

322 Millionen Euro

Lärmschutz

305 Millionen Euro

Startkapazität des neuen Flughafens

27 Millionen Passagiere

Fläche

1.470 Hektar (etwa 2.000 Fußballfelder)

Finanzierung

Bislang sind 3,36 Milliarden Euro gesichert, davon rund 2,4 Milliarden Euro aus Krediten, 430 Millionen Euro vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, 531 Millionen Euro aus Eigenmitteln der Betreiber.

In der Union wird die Personalie ebenfalls kritisch gesehen. „Die Rückkehr von Herrn Wowereit kann nur eine zeitlich sehr eng begrenzte Notlösung sein“, sagte der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann Handelsblatt Online. „Ich kenne eine Reihe von Persönlichkeiten, die für die Aufgabe geeignet wären“, fügte Wellmann hinzu ohne konkrete Namen zu nennen.

Die Grünen sehen in der Besetzung des Aufsichtsratschef-Posten mit Wowereit einen neuen Tiefpunkt im „unsäglichen Gerangel“ der Gesellschafter des BER. Ausgerechnet Wowereit solle nun wieder Chef des zerstrittenen Gremiums werden. „Ihm fehlt der Überblick, das Interesse und der Gesprächsfaden zur BER-Spitze“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter, Handelsblatt Online. „Er garantiert einen weiteren Schlingerkurs des Projektes.“

Kommentare (15)

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Eddie

16.08.2013, 06:41 Uhr

Wowereit kann nur Party und das Maul aufreißen!

Account gelöscht!

16.08.2013, 07:05 Uhr

... nannte es bemerkenswert, dass Ramsauer sich gleich als Erster bei der Suche nach einen Platzeck-Nachfolger für nicht zuständig erklärt habe.

Hat jemand von dem etwas anderes erwartet ? Herr Ramsauer kann an einer unnötigen Punkte-Reform rumbasteln oder eine vor Jahren initierte, auch unötige Nummerschild-Reform wieder rückgängig machen, damit er politisch auch mal was vorzuweisen hat, aber das war es dann auch schon.

Stuttgart21 und BER, zwei echte und verantwortungsvolle Baustellen, sind für den zuviel. Da müssen echte Entscheider ran, weil der die Hosen voll hat.

Bleibt noch die immer wiederkehrende Forderung nach der PKW-Maut, aber da hat sich sein Spezi Seehofer ja auch schon den Volkszorn zugezogen, wird also auch nichts.

Tja Herr Ramsauer, sechs, wegtreten oder noch besser, abtreten. Hier in Deutschland werden echte entscheider gebraucht.

Oldi.

16.08.2013, 07:29 Uhr

Zitat....bis September werden wir einen Fahrplan vorlegen, wann wir den Flughafen eröffnen, was das kostet und wie der Weg dahin aussieht.".....

Wer früher einen Termin erwartet hat, hat die Problematik nicht erkannt.

Das Wowereit wieder an die Spitze des Aufsichtsrates rücken soll, ist mir unverständlich. Vermutlich nur, damit Fehler effektiv vertuscht werden können. Außerdem zeigt es wieder einmal deutlich auf, dass es auch SPD-Politiker in erster Linie nur um Posten und nicht der Sache geht. Wowereit hat versagt. In der Wirtschaft würden Köpfe rollen. In der Politik ist das egel. Zahlen tut eh der Steuerzahler.

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